John Gurdon aus Großbritannien und der Japaner Shinya Yamanaka erhalten den Nobelpreis für Medizin. Die beiden Zellforscher bekommen die Auszeichnung für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in einen Zustand, in dem diese sich wie embryonale Stammzellen zu allen möglichen Gewebearten entwickeln können. Als iPS-Zellen wurden diese induzierten pluripotenten Stammzellen bekannt.

Gurdon, der an der britischen Cambridge-Universität forscht, entdeckte, dass die Spezialisierung von Zellen reversibel ist. Das heißt: Nur weil aus einem kleinen Zellhaufen nach der Befruchtung eines Eis – dem Ursprung des menschlichen Lebens – einige Zellen zu Leberzellen, andere zu Hirnzellen und wieder andere zu Haut oder Haar geworden sind, heißt das nicht, dass in ihnen nicht mehr das Potenzial steckt, sich doch noch in etwas anderes zu verwandeln. 1962, als Gurdon an der Oxford-Universität seine Versuche an Fröschen machte, war das eine gewagte These – entgegen der Lehrmeinung.

In einem klassischen Experiment konnte Gurdon, der vor wenigen Tagen 79 Jahre alt wurde, dann jedoch zeigen, dass auch in ausdifferenzierten Zellen noch die gesamte Erbinformation steckt, die es braucht, um zu allen möglichen Gewebetypen heranzuwachsen. Er entfernte den Zellkern einer Frosch-Eizelle und setzte stattdessen den Zellkern einer ausgewachsenen Darmzelle ein. Trotzdem wuchs aus dem Ei eine Kaulquappe heran. Das war der Beweis.

Der heute 50-jährige YamanakaProfessor in Kyoto und an der Universität von Kalifornien in San Francisco – fand 40 Jahre nach Gurdons Frosch-Versuch heraus, wie sich ausgereifte Mäusezellen in Stammzellen zurückprogrammieren lassen. Diese Zellen sind dann wieder in der Lage, alle möglichen Gewebe zu bilden. Für die Stammzellforschung ist das wichtig, weil man anstrebt, mithilfe derartiger Methoden eines Tages abgestorbene Nerven zu züchten, etwa bei Alzheimer-Kranken oder Herzinfarkt-Patienten. Nutzt man dazu rückprogrammierte Zellen, kann man auf die Verwendung ethisch umstrittener embryonaler Zellen verzichten. Allerdings sind die iPS-Zellen den jungfräulichen Zellen aus dem Embryo nicht ganz ebenbürtig.

In diesem Jahr hat die Jury am Karolinska-Institut in Stockholm also einen recht jungen Forschungszweig und eine erst kürzlich gemachte Entdeckung geehrt.