Der Wirbelsturm Sandy hat in mehreren Atomkraftwerken im Großraum New York zu Reaktorabschaltungen geführt. Im ältesten Atomkraftwerk der USA wurde Alarm ausgelöst, weil der Pegel im Kühlwasser-Reservoir durch die reguläre Flut, die Windrichtung und das Hochwasser stark anstieg. Das teilte die Atomaufsichtsbehörde NRC mit. Alle betroffenen Reaktoren in den Bundesstaaten New York und New Jersey seien aber in einem sicheren Zustand, hieß es.

Als direkte Folge des Hurrikans wurden in der Nacht zum Dienstag die Reaktoren Salem 1 in Hancocks Bridge im Bundesstaat New Jersey sowie Nine Mile Point 1 in Scriba und Indian Point 3 in Buchanan, beide in New York, vom Netz genommen. Ursache seien Probleme mit der internen Stromversorgung aufgrund des Wirbelsturms, teilte NRC mit.

Der älteste Reaktor des Landes, Oyster Creek , war bereits vor dem Sturm abgeschaltet worden . Im Kühlwasser-Reservoir des am Atlantik gelegenen Kraftwerks sei der Wasserstand deutlich gestiegen. Der Meiler stehe weiter unter besonderer Beobachtung. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz. Der Meiler steht etwa 60 Kilometer von New York entfernt.

Nach Angaben der US-Behörden war in Oyster Creek zunächst ein "ungewöhnliches Ereignis" verzeichnet worden, die niedrigste der vier Stufen des Alarmsystems. Etwas später sei der Vorfall dann um eine Stufe auf "Alarm" heraufgesetzt worden. Auch durch den starken Regen sei das Wasser zunächst weiter gestiegen. In den folgenden Stunden sollte es aber rasch ablaufen, hieß es von der Behörde.

"Die Situation ist brenzlig"

Nach Einschätzung des deutschen Nuklearexperten Stephan Kurth vom Öko-Institut e.V., das Büros in Freiburg , Darmstadt und Berlin hat, besteht keine Gefahr, dass dort Radioaktivität austritt. "Aber die Situation ist brenzlig", sagte er. "Ein Teil der Sicherheit ist schon eingebüßt, weil durch das Hochwasser Anbindungen in die Umgebung verloren gehen können – zum Beispiel an das Stromnetz."

Wenn die Stromversorgung ausfalle, seien die Anlagen auf Notstrom angewiesen. Dafür stünden Dieselgeneratoren bereit, teilten die US-Behörden mit. "Man muss dann darauf bauen, dass die Dieselgeneratoren auch arbeiten und genug Treibstoff für sie vorhanden ist", sagte Kurth. "Sind die Diesel-Vorräte erschöpft, muss man Nachschub mit Tanklastern heranfahren. Das kann bei stehendem Wasser auf zerstörten Straßen schwierig werden."

Vor allem in älteren US-Atomkraftwerken kommt es immer wieder zu Problemen. Der Meiler in Oyster Creek war im Juli nach einem Stromausfall vorübergehend vom Netz genommen worden. Mit seiner vergleichsweise geringen Leistung von 645 Megawatt können etwa 600.000 US-Haushalte mit Strom versorgt werden. Oyster Creek soll 2019 ganz abgeschaltet werden.