Urananreicherung "Bei Rüstungskontrolleuren sollten alle Alarmglocken läuten"

Ein neues Verfahren soll die Herstellung von Kernbrennstoff vereinfachen. Der Physiker W. Sandner warnt, dass dies den Zugang zu Nuklearwaffen erleichtern könnte.

Frage: Herr Sandner, die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) warnt vor einem neuartigen Verfahren zur Anreicherung von natürlichem Uran. Warum?

Wolfgang Sandner: Die Firmen Hitachi und General Electric wollen das sogenannte Silex-Verfahren in einer Fabrik im US-Bundesstaat North Carolina verwirklichen. Silex heißt "Separation of Isotopes by Laser Excitation", Isotopentrennung durch Laseranregung. Ende September erteilte die US-Atomaufsichtsbehörde NRC dem Verfahren die Zulassung. Jetzt kann man davon ausgehen, dass die Fabrik tatsächlich gebaut wird. Die DPG möchte vor einer unkontrollierten Verbreitung der Technologie warnen, da sie zur Herstellung von waffenfähigem Uran genutzt werden könnte. Das Silex-Verfahren setzt Laser ein, um Uran anzureichern. Bisher werden dafür vor allem Zentrifugen verwendet.

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Frage: Was macht das neue Verfahren gefährlicher?

Sandner: Mit Lasern lässt sich Uran pro Durchlauf deutlich stärker anreichern als in Zentrifugen. Man schätzt, dass Silex mindestens zehnmal so effizient ist, denkbar ist aber auch ein Faktor 100 oder 1.000. Eingeweihte Beobachter halten es für möglich, dass innerhalb von zwölf Tagen etwa ein Kilogramm relativ hoch angereichertes Uran gewonnen werden kann. Mit Gaszentrifugen fallen in dieser Zeitspanne nur Grammmengen an; darum müssen Zentrifugen zu Tausenden, wenn nicht sogar zu Zehntausenden hintereinandergeschaltet werden.

Frage: Sie glauben diesen kühnen Behauptungen?

Wolfgang Sandner
Wolfgang Sandner

ist Direktor am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie sowie Professor an der Technischen Universität Berlin. Seit April 2010 steht der 63-Jährige außerdem der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) als Präsident vor.

Sandner: Wenn sich zwei so große Firmen der Sache annehmen, muss man das schon ernst nehmen. Und Experten bestätigen die Aussagen der Hersteller.

Frage: Eigentlich sind Sie Laserphysiker. Wie sind Sie mit dem Thema Urananreicherung in Berührung gekommen?

Sandner: In den 1980er Jahren habe ich mittels Lasern sehr hoch angeregte Atome hergestellt. Dabei werden verschiedene Isotope eines Elements durch unterschiedliche Wellenlängen angeregt. Das kann man verwenden, um diese zu trennen, so auch bei Uran. Natürliche Uranvorkommen bestehen bloß zu 0,7 Prozent aus Uran-235, der Rest ist Uran-238. Aber nur Uran-235 ist spaltbar; deswegen muss man seinen Anteil im Uran erhöhen, um es in Kernreaktoren zu nutzen.

Frage: Spektrum der Wissenschaft hat schon im April 1982 von dieser Möglichkeit berichtet. Damals hieß es, das Laserverfahren zur Urananreicherung stünde kurz vor dem Durchbruch. Wieso hören wir erst jetzt wieder davon?

Sandner: In Deutschland und vielen anderen Ländern wurde die Forschung in den 1980er Jahren eingestellt. Denn die damals bekannten Methoden erwiesen sich als unwirtschaftlich. Die Laser waren zu teuer und die Ausbeuten zu gering. Die Physiker Horst Struve und Michael Goldsworthy haben in Australien weiter an dem Verfahren gearbeitet und 1988 das Unternehmen Silex Systems Limited gegründet.

Frage: Haben Sie eine Erklärung dafür, wie ihnen nach all den Jahren der Durchbruch gelungen ist?

Sandner: Wesentliche Teile des Verfahrens sind geheim. Man weiß, dass Uran als gasförmige Verbindung – Uranhexafluorid – mit einem 16-Mikrometer-Laser beschossen wird. Das regt selektiv nur diejenigen Uranhexafluorid-Moleküle, die Uran-235 enthalten, zu Schwingungen an. Die anderen, in denen Uran-238 steckt, bleiben im Grundzustand.

Leser-Kommentare
  1. Hallo,

    müsste es nicht statt
    > Zumal sich wie gesagt nicht von außen beurteilen lässt, ob damit überhaupt hoch angeregtes Uran hergestellt werden kann.

    eher

    > Zumal sich wie gesagt nicht von außen beurteilen lässt, ob damit überhaupt hoch *angereichertes* Uran hergestellt werden kann.

    heißen? Immerhin geht es in der zugehörigen Frage um atomare Abrüstung, d.h. um weniger Atombomben, für die man hoch angereichertes Uran benötigt. Anregen kann man nur einzelne Atome ...

  2. Wieder lese ich vom typischen Schreckgespenst Iran.
    Die größte Bedrohung des Westens, ist nicht der Iran, sondern unsere bornierten Politiker.
    Diese primitiven Geister sind auf die Atombome so hypnotisiert, dass ihnen alle anderen Bedrohungen entgehen.
    Der Iran braucht keine Atombombe, weil seine Shahab3-Raketen unsere Atomkraftwerke locker erreichen könnten.
    Da kommt's auf so eine Bombe auch nicht an.
    Desweiteren gibt es auch chemische und biologische Massenvernichtung mit Langzeitfolgen.
    Man muss sich klar machen, ein Krieg gegen den Iran hätte eine andere Qualität als gegen irgendwelche Kameltreiber in Lybien oder Afghanistan.
    Im Konflikt gegen westliche Großmächte würde der Iran zwar verlieren, der Westen aber ebenfalls.
    Da macht die dreifache oder hundertfache Verseuchung eines Landes auch keinen Unterschied mehr.

    3 Leser-Empfehlungen
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    • tobmat
    • 22.10.2012 um 10:50 Uhr

    "Der Iran braucht keine Atombombe, weil seine Shahab3-Raketen unsere Atomkraftwerke locker erreichen könnten."

    Die Shahab3 hat eine maximale Reichweite von ca. 2.000 km. Da fehlen noch gut 1.000 km bis zu unseren Kernkraftwerken. Dazu fehlt denen auch die Zielgenauigkeit um ein KKW zu treffen.
    Solange der Iran keine Atomwaffen hat, braucht man auch vor seinen ballisitischen Raketen keine Angst haben.

    • tobmat
    • 22.10.2012 um 10:50 Uhr

    "Der Iran braucht keine Atombombe, weil seine Shahab3-Raketen unsere Atomkraftwerke locker erreichen könnten."

    Die Shahab3 hat eine maximale Reichweite von ca. 2.000 km. Da fehlen noch gut 1.000 km bis zu unseren Kernkraftwerken. Dazu fehlt denen auch die Zielgenauigkeit um ein KKW zu treffen.
    Solange der Iran keine Atomwaffen hat, braucht man auch vor seinen ballisitischen Raketen keine Angst haben.

  3. Zunächst: Das Verfahren ist nicht so neu, wie es im Artikel erscheint. Das macht schon mal misstrauisch.

    Geht es mal wieder um deutsche Anti-Kernkrafthysterie, welche hier zurzeit als Wahln en vogue ist?

    Hier wird etwas umgedeutet:
    Die Industrienationen setzen weiter auf Kernenergie. Die Nukleartechnik entwickle sich weiter. Neue sicherere KKWs werden entwickelt. Neue Verfahren werden in der Praxis umgesetzt. Und nur Deutschland als High-Tech-Land wird nicht dabei sein.

    Die finale Ausrichtung dieses Idee ist,
    nicht mehr Schuldig sein zu müssen.

    Das ist ein Irrtum.

    Weltweit wird die friedliche Nutzung der Kernenergie den Menschen große Vorteile bringen. Dazu bedarf es intensive Kontrollen und den Beitritt zu Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrages.

    Wenn sich Staaten, wie der Iran nicht daran halten, muss notfalls auch mit massiven militärischen Mitteln vorgegangen werden.

    Auch wenn das den Anhängern eines Herrn Obama von Rot/Grün nicht gefällt. Es dient der eigenen Sicherheit.

    Eine Leser-Empfehlung
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    sowohl mit einem geringeren Anreicherungsgrad auszukommen wie auch die kritische Masse durch ordenliche isentropische Verdichtung zu vermindern, sind ja lange bekannt:

    Kaliski, S. (1977):Thermonuclear Avalanche Reaction by Explosion induced D-T Compression.-- J. of Techn. Physics, 18, (2) pp. 131-137.

    Schumann, E., Trinks, W. (1952): Vorrichtung, um ein Material zur Einleitung von mechanischen, thermischen oder nuklearen Prozessen auf extrem hohe Drücke und Temperaturen zu bringen.--Pat. 977 825; Klasse 12g Gruppe 201; Deutsche Patentamt.

    MFG KM

    • Sven88
    • 20.10.2012 um 23:48 Uhr

    Ich kann das nicht mehr hören. Ich bin erst für eine Nutzung der Atomenergie, wenn man die Müllscheiße kostengünstig ins Weltall und weit weg von der Erde ballern kann.

    sowohl mit einem geringeren Anreicherungsgrad auszukommen wie auch die kritische Masse durch ordenliche isentropische Verdichtung zu vermindern, sind ja lange bekannt:

    Kaliski, S. (1977):Thermonuclear Avalanche Reaction by Explosion induced D-T Compression.-- J. of Techn. Physics, 18, (2) pp. 131-137.

    Schumann, E., Trinks, W. (1952): Vorrichtung, um ein Material zur Einleitung von mechanischen, thermischen oder nuklearen Prozessen auf extrem hohe Drücke und Temperaturen zu bringen.--Pat. 977 825; Klasse 12g Gruppe 201; Deutsche Patentamt.

    MFG KM

    • Sven88
    • 20.10.2012 um 23:48 Uhr

    Ich kann das nicht mehr hören. Ich bin erst für eine Nutzung der Atomenergie, wenn man die Müllscheiße kostengünstig ins Weltall und weit weg von der Erde ballern kann.

  4. sowohl mit einem geringeren Anreicherungsgrad auszukommen wie auch die kritische Masse durch ordenliche isentropische Verdichtung zu vermindern, sind ja lange bekannt:

    Kaliski, S. (1977):Thermonuclear Avalanche Reaction by Explosion induced D-T Compression.-- J. of Techn. Physics, 18, (2) pp. 131-137.

    Schumann, E., Trinks, W. (1952): Vorrichtung, um ein Material zur Einleitung von mechanischen, thermischen oder nuklearen Prozessen auf extrem hohe Drücke und Temperaturen zu bringen.--Pat. 977 825; Klasse 12g Gruppe 201; Deutsche Patentamt.

    MFG KM

  5. Gelände der Firmen Hitachi und General Electric bilden. Spaß beiseite, es wird Zeit, dass sich die USA auf einen Status Quo verständigen, sonst wird sie irgenwann eingäschert.
    Wir haben wenigsten noch die rotgrüne Atomabschaltungsgeheimwaffe.

    • Sven88
    • 20.10.2012 um 23:48 Uhr

    Ich kann das nicht mehr hören. Ich bin erst für eine Nutzung der Atomenergie, wenn man die Müllscheiße kostengünstig ins Weltall und weit weg von der Erde ballern kann.

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    • va
    • 30.12.2012 um 12:16 Uhr

    Radioabfälle fallen im 1000 Tonnenmassstab an. Eine Ariane 5 hat 700 Tonnen Startgewicht und ist in der Lage 10 Tonnen in die Erdumlaufbahn zu bringen. Von dort ist nochmal eine Ariane 5 nötig um die 10 Tonnen beispielsweise in die Sonne zu schießen. Um unseren radioaktiven Müll ins Weltall zu schießen sind hunderte von Ariane 5 nötig. Das sollte man im Auge behalten.

    • va
    • 30.12.2012 um 12:16 Uhr

    Radioabfälle fallen im 1000 Tonnenmassstab an. Eine Ariane 5 hat 700 Tonnen Startgewicht und ist in der Lage 10 Tonnen in die Erdumlaufbahn zu bringen. Von dort ist nochmal eine Ariane 5 nötig um die 10 Tonnen beispielsweise in die Sonne zu schießen. Um unseren radioaktiven Müll ins Weltall zu schießen sind hunderte von Ariane 5 nötig. Das sollte man im Auge behalten.

    • Morein
    • 21.10.2012 um 14:13 Uhr

    Mir zeigt der Artikel wieder einmal deutlich das es keine wirkliche Trennung zwischen „ziviler“ & militärischer Nutzung gibt. Wer ernsthaft an einer atomaren Abrüstung arbeitet wird als erstes die sogenannte zivile Nutzung der Atomkraft im Auge haben. Den machen wir uns nichts vor, das hier typischerweise der Iran mal wieder als der böse herhalten muss ist eine naive Vereinfachung des Problems. Den viele Länder in der Welt bemühen sich um Technologie zur militärischen Nutzung, und sei es nur als Option. Dabei kann ich nur dringend anraten zu bedenken das gegen Atompläne von Staaten ein militärischer Waffengang als Lösung ausscheidet, da dies erst den wirklichen Antrieb geben kann dem betroffenen Staat zu solch Maßnahme zu greifen und es sich 2. nicht verhindern lässt, bestenfalls hinauszögern. Das das Wissen zum Bau der Atombombe vorhanden ist wird sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Wirkliche Atomabrüstung und Verhinderung der Verbreitung selbiger kann nur durch VORBILDFUNKTION der atomaren Großmächte erreicht werden. Wer sitzt den auf einen Berg von tausenden A-Bomben und droht unverhohlen der Welt damit? Sicher nicht der Iran. Atomare Abrüstung und die globale Ächtung ALLER Nuklearbetriebe sind die einzigen Mittel das atomare Wettrüsten auf der Welt zu Verhindern.

    Eine Leser-Empfehlung
    • tobmat
    • 22.10.2012 um 10:50 Uhr

    "Der Iran braucht keine Atombombe, weil seine Shahab3-Raketen unsere Atomkraftwerke locker erreichen könnten."

    Die Shahab3 hat eine maximale Reichweite von ca. 2.000 km. Da fehlen noch gut 1.000 km bis zu unseren Kernkraftwerken. Dazu fehlt denen auch die Zielgenauigkeit um ein KKW zu treffen.
    Solange der Iran keine Atomwaffen hat, braucht man auch vor seinen ballisitischen Raketen keine Angst haben.

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