Astronomie : Eine Galaxie so fern wie nie zuvor

Die Nasa hat mit den Hubble- und Spitzer-Teleskopen vermutlich ein Sternsystem entdeckt, der weiter von der Erde entfernt ist als alle bisher bekannten Himmelskörper.
Auf der linken Seite dieses Fotos des Hubble-Teleskops von 2011, ist eine Vergrößerung der entfernten Galaxie namens MACS0647-JD zu sehen. © Nasa, Esa/M. Postman, D. Coe (STScI)/CLASH

Gäbe es einen Wettbewerb im Entdecken neuer Galaxien, hätte eine Gruppe von Forschern der US-Weltraumbehörde Nasa nun wohl einen neuen Rekord aufgestellt. Einen Blick auf ein so weit entferntes Objekt haben Astronomen noch nie erhascht wie auf die nun gefundene Galaxie MACS0647-JD . Sie ist schätzungsweise 13,3 Milliarden Jahre alt. Ihr Licht hat so lange gebraucht, um die Erde zu erreichen.

Die Entdeckung mutet optisch allerdings eher weniger aufregend an: ein kleiner leuchtender Punkt auf Fotografien, inmitten von vielen anderen, viel kräftiger leuchtenden Sternenkonstellationen. Doch das schwache Leuchten der Galaxie gibt uns Informationen über eine Zeit, kurz nachdem unser Universum entstanden ist. Die Wissenschaftler der Nasa schätzen, dass die neu entdeckte Galaxie schon 420 Millionen Jahre nach dem Urknall Bestand hatte.

Es ist nicht einfach, derart weit entfernte Objekte für unser menschliches Auge sichtbar zu machen. Dazu nutzte die internationale Nasa-Forschergruppe namens CLASH nicht nur vereinte Kräfte der Weltraumteleskope Hubble und Spitzer, sondern bediente sich eines besonderen Tricks: Die natürlichen Zoomlinsen des Weltalls ermöglichen es, selbst weit entfernte Galaxien zu sehen.

Diese Technik nennt sich Gravitationslinse und beruht den Kräften von Gravitationsfeldern im Weltall. Grundlage für das optische Phänomen ist die Relativitätstheorie, gemäß derer Lichtstrahlen durch die Schwerkraft verbogen werden. Wenn zwei Sterne von der Erde aus gesehen perfekt in einer Linie stehen, kann der vordere das Licht des hinteren wie eine Linse verstärken.

"Solche Cluster-Formationen aus Sternen ermöglichen, was kein künstlich hergestelltes Teleskop kann", sagt Marc Postman, der Leiter von CLASH (Cluster Lensing And Supernova Survey with Hubble). Im Fall der Galaxie MACS0647-JD war es mithilfe der natürlichen Gravitationslinse möglich, drei Bilder der Galaxie mit dem Hubble-Teleskop einzufangen. Ohne Linse im Weltall wäre die Galaxie vermutlich gar nicht entdeckt worden – oder nur mit geringerer Gewissheit und viel schlechterer Auflösung. Die Vergrößerungsfunktion der natürlichen Linse ließ die Galaxie bis zu achtmal heller erscheinen, als sie es durch das Hubble-Teleskop gewesen wäre.

Rotes Licht gibt Hinweise auf die Entfernung

Aus dem zeitlichen Verlauf der Lichtverstärkung lassen sich Rückschlüsse auf das Objekt im Vordergrund ziehen. Das Alter der weit entfernten Galaxie kann wiederum durch spezielle Filter und eine genaue Analyse der Lichtspektren, die von der Galaxie ausgehen, geschätzt werden. MACS0647-JD zeigte sich nur in den besonders roten Filtern.

"Das kann entweder bedeuten, dass die Galaxie besonders rot ist und deswegen nur rotes Licht abstrahlt. Aber es könnte eben auch sein, dass das Objekt sehr weit weg ist, und sein Licht sich deshalb, im Laufe des Wegs zur Erde, in Richtung dieser roten Wellenlängen bewegt", sagt Dan Coe, der die Studie zur neuen Galaxie leitet, "wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem." Viel spräche aber für die Erklärung, dass die Galaxie besonders weit weg ist, denn alle alternativen Interpretationen für die Rotfärbung hätten Coe und seine Kollegen in den letzten Monaten durch verschiedene Analysen ausgeschlossen.

Die endgültigen Ergebnisse und noch einige weitere Informationen zur neu entdeckten Galaxie und deren Eigenschaften wird es in der Dezemberausgabe des Magazins The Astrophysical Journal geben.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Keine Worte

Ich habe mich nie besonders für Astronomie interessiert, kürzlich aber ´alpha centauri´ für mich entdeckt. Angesichts der Dimensionen, die da besprochen werden, wird man gleichzeitig demütig und fassungslos. Am meisten wundere ich mich über die Fähigkeit des Menschen, die Tiefe des Universum überhaupt erfassen zu können. Zumindest visuell und mathematisch.
In einer seiner Sendungen meint Harald Lesch, dass die Astronomie eine Fortentwicklung der Astrologie ist. Deshalb ist es schade, dass die Lehrpläne für die Schulen kaum über das eigene Sonnensystem hinausgehen. Wenn wir nicht lernen, welche Objekte und Distanzen uns umgeben, bleiben wir Esoteriker.

http://www.br.de/fernsehe...

Ich freue mich ja über populärwissenschaftliche Artikel ...

... aber ist es wirklich zuviel verlangt, ein Mindestmaß an korrekter Terminologie zu erwarten? So sind etwa "Sternenhaufen" und "Sternenkonstellation" keinesfalls Synonyme für "Galaxie". Und wenn der Herr Postman von einem "cluster" spricht, dann meint er ein Objekt, was im Deutschen als "Galaxienhaufen" bezeichnet wird (und im übrigen zum Großteil nicht aus Sternen, sondern aus dunkler Materie besteht).

In der vorliegenden Form ist dieser Artikel leider einfach nur eine schlechte und stellenweise sogar sinnverzerrende Übersetzung einer NASA-Presseerklärung. Wer des Englischen mächtig ist, ist mit dem Original sicherlich besser bedient:

http://hubblesite.org/new...

Ihre Anmerkungen wurden weitergeleitet. Die Redaktion/mak

Zur Kenntnis genommen

Liebe(r) jaha,

vielen Dank für Ihre Kritik. Den Sternhaufen konnten wir nachvollziehen. Er tauchte im Untertitel auf. Dort haben wir das Wort geändert, wenngleich es sich – wie sie schon andeuten – um einen Fachbegriff handelt, der im Extremfall nur unter Astronomen als falsch platziert empfunden wird.

Den Vorwurf der sinnverzerrenden Berichterstattung teilen wir jedoch nicht.

Herzliche Grüße aus der Redaktion

Ich freue mich,

so musste ich das nicht schreiben. Ich frage mich aber schon, wie es kommt, dass mehr und mehr Grammatik-, Rechtschreib-, Referenz-, Begriffs- und Kategoriefehler in publizierten(!) Artikeln auftauchen. Wir sind alle nicht vor Fehlern gefeit, aber redaktionelle Bearbeitung muss bei ordnungsgemaessen Publikationen schon sein. Die Kritik geht nicht an die ZEIT allein, andere sind da noch viel schlimmer. Aber hat das mit der Kultur zu tun, in der immer weniger schlecht bezahlte Praktikanten die Arbeit von eigentlich einer Reihe hoch-qualifikationsnoetiger Vollzeitstellen unter haertesten ableisten muessen? Dann fragt sich, mit Zizek, wann wird die Tragoedie zur Farce?