Diese Illustration zeigt die Luft-Waben eines Aerogels. © Reuters/Handout

Sie werden Daunen, Schaumstoffe und Mineralwolle ablösen: Aerogele. Diese Super-Dämmstoffe aus der Raumfahrttechnik gibt es bereits seit 80 Jahren. Doch erst jetzt haben sie es in unsere Haushalte geschafft.

Aerogele, das klingt erst einmal flüssig, wie Haargel oder Zahnpasta. So einen Zustand haben sie allerdings nur kurze Zeit, während des Herstellungsprozesses. Was am Ende verarbeitet wird, sind ausgehärtete Trocken-Schaumstoffe. Und die enthalten zu 99,9 Prozent nur eines: Luft. Ihre besonderen Fähigkeiten haben Aerogele, weil ihre unzähligen Poren mit winzigen Lufteinschlüssen gemeinsam eine sehr große Oberfläche bilden. Dadurch leiten sie kaum Wärme – wunderbar also zum Isolieren.

In Kleidung oder Kühlschränken, wo es biegsame Dämmstoffe braucht, waren sie bisher allerdings nicht einsetzbar.

Biegsam und weich, statt knochentrocken

Dass Aerogele also bisher ziemlich trockenes Zeug waren, erschwerte ihre Verarbeitung jahrzehntelang. So starr und brüchig konnten sie zwar als vorgefertigte, harte Platten an Häuserwänden eingesetzt werden, nicht aber dort, wo es biegsame Dämmstoffe braucht: in Kleidung und in Kühlschränken.

Dazu müssten sie nämlich eingegossen werden und auf Dauer geschmeidig bleiben. "Auch alte Aerogele dämmen besser als manch ein aktueller Kühlschrank-Schaumstoff", sagt der Würzburger Experimentalphysiker Jochen Fricke. "Ihre Herstellung ist vergleichsweise teuer." Er kann sich die neuen weicheren Aerogele gut als Dämmstoff für stark isolierende, leichte Kleidung vorstellen.

Entwickelt wurden die neuen, flexiblen Aerogele von Nasa-Forschern aus Ohio . "Wir haben Polyimide statt Kieselsäure verwendet", sagt die Chemikerin Mary Ann Meador , eine Forscherin aus dem Team. Polyimide sind extrem widerstandsfähige Kunststoffe, die auch große Hitze und starke Strahlung überstehen. Biegsam werden sie erst durch ein neues Herstellungsverfahren: Ähnlich wie Aluminium in Folien, werden sie als dünne, gummiartige Matten ausgerollt – und nicht mehr wie früher als Block hergestellt. "Das ist der Clou an den neuen Aerogelen", sagt Meador.

Aerogele könnten Daunen in Jacken ersetzen

Lei Zhai, der an der University of Central Florida an Nanomaterialen forscht, schätzt, dass die Aerogel-Matten in drei bis fünf Jahren auf den Markt kommen. "Vorausgesetzt, sie können günstiger hergestellt werden als heute." Auch für Thermo-Kleidung und als Füllstoff statt etwa Daunen sei der Hightech-Dämmstoff geeignet.

Auf der Jahreskonferenz des US-Chemikerverbandes ACS stellten die Nasa-Forscher noch ganz andere Anwendungsgebiete der leichten Luftgele vor.

Nächster Mars-Rover mit aufblasbarem Hitzeschild

In der Luft- und Raumfahrttechnik sind Dämmstoffe auf ähnlicher Basis nicht neu. Schon 1969 isolierten die Astronauten Armstrong, Collins und Aldrin während ihrer Mondmission Apollo 11 Kabel mit Kapton, einem Hightech-Isolierband aus Polyimiden.

Derzeit testen Raumfahrt-Ingenieure neue Aerogele, die in aufblasbaren Hitzeschilden von Raumfahrzeugen zusammen mit dem Kapton-Isolierband eingesetzt werden sollen. Der getestete Hitzeschild hat einen Durchmesser von drei Metern, kann aber auf 55 Zentimeter zusammengefaltet werden. Auch die Aerogel-Beschichtung lässt sich nun dank des neuen Herstellungsverfahrens entsprechend knautschen.

So können größere Hitzeschilde konstruiert werden, die weniger Platz an Bord von Raumfähren wegnehmen. Der nächste Mars-Rover könnte schon damit ausgestattet sein, sagen die Nasa-Forscher.

Leichte, gut isolierte Kühlschränke sparen Kosten

Auch Kühlschränke sollen mit den neuen Gel-Matten gedämmt werden. Bis Mitte der neunziger Jahre kamen dabei noch Schaumstoffe zum Einsatz, bei deren Herstellung klimaschädliches FCKW verwendet wurde. Ende der Neunziger wurden sie durch Polyurethan-Schäume ersetzt, die besser dämmten und umweltverträglicher waren.

2010 verbesserte der Kölner Materialwissenschaftler Reinhard Strey deren Eigenschaften derart, dass sie fünfmal so gut funktionierten wie ihre Vorgänger. Aerogele wären zwar immer schon die noch effizientere Variante gewesen, doch weil man sie nicht gießen konnte, war ihr Einsatz schwierig und teuer. Die modernen, flexiblen Schaumstoffe werden Kühlschränke leichter und deren Wände dünner machen. So bleibt mehr Raum für Lebensmittel und die Geräte verbrauchen weniger Energie zur Kühlung.