Higgs-Teilchen"Früher sprach man in Cafés über Einstein – das ist jetzt zurück"

Physik wird wieder Teil der Kultur, sagt Cern-Chef Rolf-Dieter Heuer, dank der Jagd auf das Higgs-Teilchen. Bald erscheinen neue Daten zum potenziellen Jahrhundertfund.

Frage: Herr Professor Heuer, Sie haben uns Journalisten ein Schnippchen geschlagen – eigentlich hatten wir erst jetzt im Herbst mit der Entdeckung eines neuen Teilchens am LHC gerechnet. Wieso ging es doch so viel schneller?

Rolf-Dieter Heuer: Der Beschleuniger und das Grid-Computing haben hervorragend funktioniert. Außerdem lief der LHC mit etwas höherer Energie als im letzten Jahr, damit hatte man eine höhere Wahrscheinlichkeit, das Higgs-Teilchen zu produzieren. Auch die Experimente haben ihre Analysemethoden verfeinert, was zusätzlich geholfen hat.

Anzeige

Frage: Einigen ging es offenbar trotzdem nicht schnell genug. Schon Wochen vor der Bekanntgabe gelangten die Ergebnisse ins Internet. Hat Sie das geärgert?

Heuer: Ich habe mich daran gewöhnt und rege mich lieber über andere Sachen auf. Das ist die heutige Zeit. Ich habe nichts gegen Blogs. Außer sie geben vertrauliche Informationen raus.

Rolf-Dieter Heuer
Rolf-Dieter Heuer

Der deutsche Physiker Rolf-Dieter Heuer leitet seit 2009 als Generaldirektor das CERN, wo mit dem Large Hadron Collider der größte Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb ist.

Frage: An eine Verschwiegenheitsklausel in den Verträgen der Cern-Wissenschaftler haben Sie noch nicht gedacht?

Heuer: Es gibt einen "Code of Conduct", einen Verhaltenskodex. Auf den wird im Vertrag indirekt Bezug genommen, denn wir wollen natürlich niemandem einen Maulkorb verpassen.

Frage: Warum sind die Daten eines Experiments wie des LHC denn überhaupt vertraulich?

Heuer: Weil sie unausgegoren sind. Diese Analysen sind ständig im Fluss und müssen von Fachleuten gegengeprüft werden. Außerdem muss ein anderes Experiment das Ergebnis bestätigen, sonst kommen Effekte heraus, die man nachher wieder zurücknehmen muss.

Frage: Wie ließen sich denn am Cern in Zukunft weitere Datenlecks vermeiden?

Heuer: Entweder verstehen die Leute, dass Vertraulichkeit ab und zu sein muss. Oder aber wir können Ergebnisse nur in ganz kleinen Gruppen diskutieren – das verstößt aber gegen das wissenschaftliche Prinzip der Transparenz. Natürlich müssen wir transparent und offen sein, das ist ganz klar. Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren immer alles genau dargelegt und erklärt. Aber wir haben das immer erst dann getan, wenn wir wussten, was Sache war.

Frage: Jetzt wissen Sie also, dass Sie das Higgs-Boson entdeckt haben?

Heuer: So habe ich es ja nicht gesagt.

Frage: Na ja, Sie sagten, für den Laien gelte es als gefunden.

Heuer: Ja, für den Laien. Die Hinweise sind sehr stark, aber wissenschaftlich ist es noch nicht ganz eindeutig. Wir haben ein Teilchen gefunden, das so zerfällt, wie man es vom Higgs-Teilchen erwarten würde.

Leser-Kommentare
  1. Beim Zerfall des neuen Teilchens misst man zu viele Photonen, dagegen zu wenige Tau-Teilchen und zu wenige Quarks. Beides hat einen inneren Zusammenhang. Insofern ist es nicht so wahrscheinlich, dass beide Abweichungen unabhängige Zufälle sind, eher, dass es eine echte Abweichung ist.
    Vor allem soll das Higgs-Teilchen die physik. Masse erklären. Diese Masse wird aber nicht vom Teilchen verursacht, sondern nach der Theorie vom Higgs-Feld (im Vakuum). Dieses Feld im Vakuum messen die Astronomen. Das Ergebnis ist ein Feld, welches um 10^60 (also eine 1 mit 60 Nullen) zu schwach ist, um diese Massefunktion zu erfüllen. - Resumé: Es passt überhaupt nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nun warten Sie doch mal eine bessere Statistik ab. Das kann vielleicht auch noch 10 Jahre dauern. Ich denke auch, dass momentan verbindliche Aussagen noch etwas verfrüht sind. Leider mussten dieses Jahr schon Ergebnisse geliefert werden und so hat man halt einzelne ungewöhnliche Ereignisse als potenzielle Higgs-Kandidaten präsentiert, was ja wirklich bis jetzt nicht ausgeschlossen ist.

    • Jubufi
    • 03.11.2012 um 1:26 Uhr

    Ihre Sicht auf die Entstehung dessen, das man als Masse versteht, sehe ich ebenso. Die Annahme, dass die Masse durch ein Teilchen verliehen - oder erzeugt - wird, ist nicht richtig. Der Fehler im Verständnis liegt in der Tatsache begründet, dass man Gravitation in ihrem Zusammenhang mit den übrigen drei Grundkräften noch nicht verstanden hat. Dieses Wissen löst viele heute offene Fragen. Es gibt längst eine Theorie, die diese Zusammenhänge belegt. Leider aber ist das Bemühen um Forschungsgelder bisher ohne Erfolg geblieben, weil Entscheidungsträger keine eigene Fachkompetenz besitzen und Referenten lediglich den Stand der Lehrmeinung wiederholen. Es bedarf der Fähigkeit zu abstrakten Vorstellungen, die wesentlich über die Annahmen der Stringtheorie hinausgehen. Dass es diese umfassende Theorie gibt, die uns viele Fragen beantwortet, weiß man im Bundesministerium für Bildung und Forschung, im Kanzleramt und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

    Nun warten Sie doch mal eine bessere Statistik ab. Das kann vielleicht auch noch 10 Jahre dauern. Ich denke auch, dass momentan verbindliche Aussagen noch etwas verfrüht sind. Leider mussten dieses Jahr schon Ergebnisse geliefert werden und so hat man halt einzelne ungewöhnliche Ereignisse als potenzielle Higgs-Kandidaten präsentiert, was ja wirklich bis jetzt nicht ausgeschlossen ist.

    • Jubufi
    • 03.11.2012 um 1:26 Uhr

    Ihre Sicht auf die Entstehung dessen, das man als Masse versteht, sehe ich ebenso. Die Annahme, dass die Masse durch ein Teilchen verliehen - oder erzeugt - wird, ist nicht richtig. Der Fehler im Verständnis liegt in der Tatsache begründet, dass man Gravitation in ihrem Zusammenhang mit den übrigen drei Grundkräften noch nicht verstanden hat. Dieses Wissen löst viele heute offene Fragen. Es gibt längst eine Theorie, die diese Zusammenhänge belegt. Leider aber ist das Bemühen um Forschungsgelder bisher ohne Erfolg geblieben, weil Entscheidungsträger keine eigene Fachkompetenz besitzen und Referenten lediglich den Stand der Lehrmeinung wiederholen. Es bedarf der Fähigkeit zu abstrakten Vorstellungen, die wesentlich über die Annahmen der Stringtheorie hinausgehen. Dass es diese umfassende Theorie gibt, die uns viele Fragen beantwortet, weiß man im Bundesministerium für Bildung und Forschung, im Kanzleramt und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

  2. Nun warten Sie doch mal eine bessere Statistik ab. Das kann vielleicht auch noch 10 Jahre dauern. Ich denke auch, dass momentan verbindliche Aussagen noch etwas verfrüht sind. Leider mussten dieses Jahr schon Ergebnisse geliefert werden und so hat man halt einzelne ungewöhnliche Ereignisse als potenzielle Higgs-Kandidaten präsentiert, was ja wirklich bis jetzt nicht ausgeschlossen ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Diskrepanz von 10^60 (also einer 1 mit 60 Nullen) ist keine Frage der Statistik.

    Meines Wissens ist in der Physik noch nie zuvor eine Theorie vorgestellt worden, die um einen annähernd so großen Faktor falsch war (und das nicht hinterher gefunden, sondern von vorn herein gewusst).

    Die Diskrepanz von 10^60 (also einer 1 mit 60 Nullen) ist keine Frage der Statistik.

    Meines Wissens ist in der Physik noch nie zuvor eine Theorie vorgestellt worden, die um einen annähernd so großen Faktor falsch war (und das nicht hinterher gefunden, sondern von vorn herein gewusst).

  3. Die Diskrepanz von 10^60 (also einer 1 mit 60 Nullen) ist keine Frage der Statistik.

    Meines Wissens ist in der Physik noch nie zuvor eine Theorie vorgestellt worden, die um einen annähernd so großen Faktor falsch war (und das nicht hinterher gefunden, sondern von vorn herein gewusst).

    Antwort auf "Statistik"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielleicht wissen Sie nicht wovon Sie schreiben.

    mfg

    Vielleicht wissen Sie nicht wovon Sie schreiben.

    mfg

  4. gestaltet sich manchmal wie das suchern um jeden Preis, als ob es darum geht, die Teilchenfindung den gegenwärtig akzeptierten physikalischen Theorien anzupassen.

  5. 5. 10^60

    Vielleicht wissen Sie nicht wovon Sie schreiben.

    mfg

    Antwort auf "Statistik?"
  6. Es mag vielleicht ein wenig blöd klingen, aber das Physik wieder zum Gespräch im Cafe wird, liegt nicht an dem Teilchen alleine, sondern daran, dass der Mensch ein grundsätzliches Interesse daran hat, das Universum zu verstehen, besonders, da er durch zunehmende Globalisierung die Welt glaubt verstanden zu haben in höhere Sphären will. Außerdem führen Gespräche über Sterne und die Entstehung des Universums nunmal immer zu interessanten Gesprächen. Hinzu kommt, auf der anderen Seite, eine gute Sitcom(ich weiß nicht wie man das Wort schreibt), die auch für den Durchschnittsdeutschen Physik interessant macht, nämlich the big bang theory. Jeder möchte auf einmal gern ein bisschen wie der Charakter "Shaldon Cooper" sein und fängt an sich mit Physik auseinander zu setzen.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Jubufi
    • 03.11.2012 um 1:26 Uhr

    Ihre Sicht auf die Entstehung dessen, das man als Masse versteht, sehe ich ebenso. Die Annahme, dass die Masse durch ein Teilchen verliehen - oder erzeugt - wird, ist nicht richtig. Der Fehler im Verständnis liegt in der Tatsache begründet, dass man Gravitation in ihrem Zusammenhang mit den übrigen drei Grundkräften noch nicht verstanden hat. Dieses Wissen löst viele heute offene Fragen. Es gibt längst eine Theorie, die diese Zusammenhänge belegt. Leider aber ist das Bemühen um Forschungsgelder bisher ohne Erfolg geblieben, weil Entscheidungsträger keine eigene Fachkompetenz besitzen und Referenten lediglich den Stand der Lehrmeinung wiederholen. Es bedarf der Fähigkeit zu abstrakten Vorstellungen, die wesentlich über die Annahmen der Stringtheorie hinausgehen. Dass es diese umfassende Theorie gibt, die uns viele Fragen beantwortet, weiß man im Bundesministerium für Bildung und Forschung, im Kanzleramt und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

  7. "Junk" im Erbgut, das Hirn besteht eben auch aus der berühmten "grauen Masse" die für nix gut ist, genauso wie das All natürlich zum größten Teil aus "dunkler Materie" besteht.
Da hat es die Religion einfacher, sie besteht wenigstens größtenteils aus ritualisiertem Nichtwissen!

    ".. Das Higgs-Teilchen kann unter Umständen helfen, das Fenster ins dunkle Universum zu öffnen, das heißt, Dunkle Materie und Dunkle Energie zu erforschen, die 96 Prozent des Kosmos ausmachen!"
    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich lese Bücher über Physik mit einiger Faszination...dennoch gerate ich mehr über die großartige Fähigkeit des Menschen ins Staunen, trotz der Aussichtslosigkeit weiter zu forschen..

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service