Lunar-Lander-MissionDeutschland ist der Mond zu weit

Offenbar steht die europäische Mondmission kurz vor dem Aus. 2019 sollte der Lunar Lander auf dem Mond aufsetzen. Nun streicht Deutschland das Geld für das Projekt. von Ralf Nestler

Der Lunar Lander in einer Animation vor dem Südpol des Mondes

Der Lunar Lander in einer Animation vor dem Südpol des Mondes  |  © Astrium / 2010

In der Animation sah es schon greifbar nahe aus: Da schwebt ein rundes Modul zum Mond hinab, Bremsraketen zünden und die blau glänzende Einheit von der Größe eines Altpapiercontainers setzt am Rand eines Kraters nahe des Mond-Südpols auf, um diese wenig erforschte Region genauer zu erkunden. 2019 sollte es soweit sein und die unbemannte europäische Mondmission Lunar Lander starten.

Doch daraus wird wohl nichts. In der nächsten Woche treffen sich die für Raumfahrt zuständigen Fachminister der europäischen Raumfahrtagentur Esa in Neapel , um über die Schwerpunkte der kommenden Jahre zu diskutieren und vor allem um die Finanzierung der Vorhaben zu klären. Deutschland wird vertreten durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium , Peter Hintze ( CDU ).

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Hintze stellte sich stets als ein großer Freund der Mondforschung dar, warb immer wieder für die verschiedensten unbemannten Missionen, um unseren kosmischen Nachbarn weiter zu erkunden – stets ohne Erfolg. Eine neue Chance wären die bevorstehenden Esa-Verhandlungen. Doch dort wird sich Hintze nicht mehr für die 500 Millionen Euro teure Mission einsetzen. Deutschland werde das Projekt nicht weiter verfolgen, erfuhr der Tagesspiegel aus aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Grund seien die "knappen Budgets in den übrigen Esa-Mitgliedsstaaten", heißt es. Man fürchtet, keine weiteren Unterstützer zu finden, um Geld für die Weiterentwicklung zu erhalten. Weiterhin gebe es aufseiten Deutschlands inzwischen "anderweitige Prioritätensetzungen" in der europäischen Raumfahrt.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Ich sehe für mich zur derzeitigen Situation keinerlei Vorteile von einer möglichen Mondlandung...

    Würden jetzt hier innovative Werkstoffe o.Ä. erforscht werden könnte ich es ja akzeptieren. Aber "just for fun" in einer Eurokrise zum Mond zu fliegen sehe ich etwas skeptisch.

    Bescheiden nur (aufgrund der Krise), dass das Geld trotzdem der Raumfahrt zugute kommen soll.

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    Würden wir jedesmal die Pessimisten fragen, wir würden unbezweifelt noch nicht mal eine Eisenbahn haben.

    Natürlich hat der einzelne keinen direkten Vorteil von einer Mondlandung. Aber deutschland als Wirtschaftsstandort sehr wohl. Aber so spielen wir weiterhin zweite Geige, und das als Technologiestandort. Schade.

    • ludna
    • 16. November 2012 13:46 Uhr

    denn das Geld kommt ja niemanden in der Forschungs sonst zu Gute, sondern wird gestrichen, um es den Banken zu geben. Ob uns das wirklich vorran bringt ??

  2. Was wollen wir Deutschen ( naja, eher eine deutsche Sonde ) auf dem Mond. Mit dem vielen Geld könnte man hier so viel Gutes tun, was alles trillionenmal besser wäre:

    Die Vortragshonorare für unseren Kanzlerkandidaten verdoppeln.
    Einen ordentlichen Anzug für unsere Knazlerin.
    Ein paar Hundert V-Leute für die NPD anstellen, damit diese in Grössenwahn ersticken kann.
    Die Bonileistungen steuerfrei machen.
    Mehrwertsteuerbefreiung für Hoteliers.
    Ausbau aller AUtobahnen und zwar 10 Spurig.

    Ganz klar, auf dem Mond hbane wir nicht verloren und wer glaubt, damit würden wir unseren Plart ganz vorne verlieren ist ein weltfremder Träumer. Wir werden hier gebraucht und wenn es nur als Wachpersonal für die Villen der Reichen und Schöene ist.

    Willkommen in Deutschland"

    Wer Sarkasmus findet ... Gratulation!

  3. ... erst Mal sind das nur Peanuts. Zweitens ist Forschung nie unnoetig. Drittens sind wir Menschen Wissenstiere, das ist Teil unserer Bestimmung, unserer Evolutionsgeschichte. Die uns eigene Neugier, immer wieder in Neuland (physisch und im Bereich des Wissens) vorzustossen hat uns zu dem gemacht, was wir sind.

    Wer nicht mehr forscht oder nur noch in "das Noetigste" investiert, zwingt uns zur Stagnation und macht die Situation nur schlimmer.

    "Sky's the limit."

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    ... positive Forschungsergebnisse vorgelegt werden können, werden definitiv Kosten zur Umsetzen entstehen. Können diese Kosten dann finanziert werden? Wenn nein, dann tuts wer anders und schnappt uns nicht nur ein Stück, sondern die ganze Torte weg. Wer hats bezahlt? Die Wohlfahrtsgesellschaft.

  4. ... positive Forschungsergebnisse vorgelegt werden können, werden definitiv Kosten zur Umsetzen entstehen. Können diese Kosten dann finanziert werden? Wenn nein, dann tuts wer anders und schnappt uns nicht nur ein Stück, sondern die ganze Torte weg. Wer hats bezahlt? Die Wohlfahrtsgesellschaft.

    Antwort auf "Zu kurz gedacht..."
    • Gerry10
    • 16. November 2012 11:46 Uhr

    Die EU hat genug Geld um sich zwei Hauptstädte zu leisten, 100 Milliarden für die Landwirtschaft aber für wichtiges, für die Zukunft reichts leider nicht.
    Das wären (zehn)tausende Arbeitsplätze und die ESA hätte eine Existenzberechtigung, denn der nächste Goldrausch findet auf dem Mond statt.
    Wer da zu spät kommt darf dann doppelt und dreifach bezahlen.

  5. Zur Wissensgesellschaft gehören attraktive Projekte, mit denen sich schon die jungen Leute identifizieren können, an denen von vielen gearbeitet werden kann und die beachtet werden. Der Mond war eine schöne Idee, hätte funktionieren können. Wenn nun tatsächlich andere Projekte attraktiver sind: Sagt es laut! Erklärt, was rauskommen soll (nein, nicht ein neuer Werkstoff oder wielange Muskeln brauchen, bis sie ohne Belastung komplett kaputt sind - was Schönes muß es sein) und wer daran arbeitet. Welchen Unis und Einrichtungen das Geld zugute kommt ...
    Th.R.

  6. Würden wir jedesmal die Pessimisten fragen, wir würden unbezweifelt noch nicht mal eine Eisenbahn haben.

    Natürlich hat der einzelne keinen direkten Vorteil von einer Mondlandung. Aber deutschland als Wirtschaftsstandort sehr wohl. Aber so spielen wir weiterhin zweite Geige, und das als Technologiestandort. Schade.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 16. November 2012 12:55 Uhr

    interessiert mich nicht, denn vaon habe ich nichts.

    "Deutschland als Wirtschaftsstandort" hat "seine" Macht ja nicht vom Mond, sondern von der Ausbeutung derjenigen, die sich am wenigsten wehren können. Wenn diese naheliegende Ziel erst einmal gelöst ist, können wir uns mit 300.00kn entfernz liegenden Oroblemen beschäftigen.

    Ein schönes Zitat von Günther Grass: Deutschland ist zu einem Wirtschaftsstandort verkommen (sinngemäss)

  7. In Deutschland leistet man es sich, die Ministerialbürokratie jahrzehntelang zwischen der Hauptstadt und der ehemaligen Hauptstadt für teures Geld hin- und hertingeln zu lassen.

    In Deutschland gönnt man sich nicht nur eines der aufgeblähtesten und teuersten Parlamente der Welt, sondern weitet dieses mitten in der weltweit grössten Wirtschaftskrise auch noch kräftig aus.

    In Deutschland zieht man dem Bürger per Zwangsabgabe jährlich 7 1/2 Milliarden Euro aus der Tasche für ein Rundfunksystem, das so nützlich ist wie der neue Berliner Flughafen und so unabhängig wie Tibet, und dem selbst diese irrwitzige Summe noch nicht ausreicht.

    In Deutschland verballert man hunderte von Milliarden für die alle paar Wochen fällig werdende Rettung diverser Kleptokratien und eine Währung, die das Papier nicht wert ist, auf das sie gedruckt ist.

    Aber für Forschung - nein, tut uns leid, da fehlt uns leider das Geld. Und die vielbeschworene europäische Solidarität, dank derer man Milliarden in klamme Staatshaushalte investiert, reicht anscheinend nicht aus, um diesen auch ein paar Millionen für eine Raumfahrtmission zu spendieren.

    Man kann wie man sieht Geld sehr unterschiedlich einsetzen. Man kann es z.B. in Wissenschaft und Bildung investieren, in geschäftliche Vorhaben - oder man schichtet es auf einen grossen Haufen, zündet diesen an und freut sich über das schöne Feuerchen.

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  • Schlagworte Mond | Bundeswirtschaftsministerium | CDU | Euro | Region | Staatssekretär
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