Psychologie : Wer trauert, darf auch lachen
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Lachen hilft, psychisch und physisch stabil zu bleiben

Der Grund: Lächeln und Lachen gewähren den Hinterbliebenen eine Pause von der Trauer. Zudem wecken die Betroffenen bei anderen Menschen weniger Frust, wenn sie lächelnd über ihren Verlust sprechen können. Das klingt makaber – doch es schafft eine Brücke, dort, wo Außenstehende mit der Not des Betroffenen überfordert sind. "Wenn eine Person leidet, erfüllt der Schmerz den ganzen Raum und greift auf uns über", sagt Bonanno. Lachen angesichts des Todes helfe, am gesellschaftlichen Leben weiter teilzunehmen, Freunde und Bekannte zu behalten, und psychisch und physisch stabil zu bleiben.

Trauer verläuft in Wellenbewegungen. Nur dann ist sie erträglich, heißt ein allgemeiner Grundsatz in der Trauerforschung. In den ersten Tagen und Wochen schlagen die Wellen des Schmerzes hoch und flachen im Laufe von Monaten ab. Trauernde richten ihr Augenmerk auf den Schmerz des Verlustes, seine Tragweite und Bedeutung und wenden sich dann wieder ihrem Lebensumfeld zu, den anderen Menschen, den Vorgängen in der Gegenwart. Vorübergehend hellt sich die Stimmung auf. Dann tauchen Hinterbliebene erneut ab und die Trauer setzt sich fort.

Kummer ist nur eine "kurzfristige Lösung"

Kürzlich hat eine Studentin Eva Terhorsts Hilfe gesucht, deren Vater überraschend gestorben war. "Nach der dritten und letzten Sitzung lagen wir am Boden vor Lachen" erzählt Terhorst. "Und als der Damm gebrochen war, kam die Trauer ins Fließen." Ein anderes Mal war sie mit einer Trauergruppe im Yorkschlösschen, einer Kneipe in Berlin-Kreuzberg. Erst hat sich die Gruppe ruhig unterhalten. "Später haben wir laut gelacht", sagt Terhorst. "Trauer ist vielschichtig und ungeheuer lebendig."

Kummer ist dennoch ein wichtiger Überlebensmechanismus. Er ist aber nur als "kurzfristige Lösung" der Natur vorgesehen. Er verschafft den Trauernden eine "erzwungene Auszeit", indem er das biologische System drosselt. So kann sich der Trauernde zurückziehen, die Aufmerksamkeit nach innen wenden und sich an den Verlust gewöhnen. Das Mienenspiel der Trauer, etwa ein langes Gesicht, hat eine starke Signalwirkung auf die Umwelt. Es ist ein Mittel, um Sympathie, Verständnis und Hilfsbereitschaft bei anderen Menschen zu wecken.

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Kommentare

9 Kommentare Kommentieren

Vorbereitung

Ich bin davon überzeugt, dass man sich auf Trauerfälle auch *vor*bereiten kann.

Der Verlust der Eltern z.B. ist kein unvorhersehbares Ereignis oder ein schweres Schicksal, sondern dass dieser Trauerfall (irgendwann) eintritt, ist sogar die Regel.
Bei (Ehe-)Partnern liegt die Wahrscheinlichkeit den Partner durch Tod zu verlieren grob gesehen bei 50% (entweder ich oder du).

Da kann man sich doch schon mal zeitig überlegen, was man, wenn der Fall eintritt, machen wird!

Richtig schwierg wird es erst, wenn Menschen aus späteren Generationen (Kinder, Enkel, Neffen, Nichten) versterben.