Tierversuche : Die Uni Bremen darf weiter Affenversuche durchführen

An der Uni Bremen sind Experimente mit Affen zulässig. Das hat ein Gericht in Bremen entschieden. Die Richter sehen die Tiere durch die Forschung nur mäßig belastet.

An der Bremer Universität dürfen Forscher weiter mit Affen experimentieren. Das Oberverwaltungsgericht Bremen wies nach einem Jahre dauernden Rechtsstreit durch mehrere Instanzen eine Berufung der Tierschutzbehörde zurück. Diese hatte argumentiert, das Leid der Affen bei den Versuchen sei ethisch nicht zu rechtfertigen. Zuvor hatte sich die Bremer Bürgerschaft für ein Ende der Versuche ausgesprochen.

Das Gericht in Bremen sieht die Affenversuche dagegen als vertretbar an und lässt eine Revision nicht zu. Seit 1998 forschen Wissenschaftler um den Zoologen Andreas Kreiter neurologisch an Makaken . Bei den Versuchen fixieren sie die Köpfe der Tiere. Die Affen müssen an den Experimenten aktiv teilnehmen, um an Wasser zu gelangen. Dabei messen die Wissenschaftler die Hirnaktivität. Sie erhoffen sich von den Experimenten Fortschritte bei der Therapie von Krankheiten wie zum Beispiel Epilepsie.

Bei der Verhandlung am Montag ging es im Wesentlichen um die Frage, wie stark die Tiere unter den Versuchen leiden. Beide Seiten führten Gutachten mit unterschiedlichen Bewertungen dazu an. Das Gericht ging bei seiner Entscheidung von einer mäßigen Belastung der Tiere aus.

Die Universität wertete die Entscheidung als Bestätigung ihrer Haltung. "Vom Urteil des Oberverwaltungsgerichts bin ich nicht überrascht", sagte Kreiters Kollege Reinhard Fischer, der für die Makakenversuche zuständig ist. Die Forschungsarbeiten fänden international höchste Anerkennung. Zum anderen achte Kreiter seit Beginn der Versuche vor 15 Jahren darauf, "dass alle Bestimmungen des Tierschutzgesetzes genauestens eingehalten werden".

Tierschützer wollen nicht aufgeben

Der Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel , bedauerte die Entscheidung. Aus seiner Sicht seien einseitig die Argumente der Universität hochgehalten worden. "Es ist zudem völlig unverständlich, dass das Gericht trotz der grundsätzlichen Bedeutung keine Revision zugelassen hat", sagte er. "Wir werden politisch und rechtlich weiter alles unternehmen, um diese qualvollen Tierversuche zu beenden."

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Kommentare

65 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Was ich nicht verstehe...

...und das meine ich weder polemisch noch reisserisch:
Wenn den Tieren tatsächlich nur der Kopf fixiert wird um sie an der Teilnahme am Experiment zu bringen, warum macht man sowas nicht gleich am Menschen?
Wenn es der Forschung nützt hätte ich kein Problem damit es selbst zu machen.
Irgendwie fehlt mir da der Sinn des Tierversuchts wenn es am Menschen auch geht und die Information wesentlich wertvoller wäre...

weil die Versuche invasiv sind:

Der Kopf der Affen wird fixiert, um eine Einführung von Messelektroden zu ermöglichen. Das wird in dem Artikel nicht thematisiert. Wo möglich wird dies aber auch beim Menschen gemacht, etwa bei Epilepsie-Patienten. Was nicht heißen soll, dass Epilepsie-Patienten als Versuchskaninchen missbraucht werden. Die Affen hingegen müssen nach dem Versuch meist eingeschläfert werden.

Das klingt alles ganz schrecklich, aber die Bigotterie und der Zynismus radikaler Tierschützer ist für mich noch um einiges erschreckender.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel, und wo möglich, sollte man auf andere nicht-invasive Methoden umsteigen. Das wird auch gemacht. Man sollte aber auch auf Fleischkonsum verzichten. Ein Schwein gilt als ebenso intelligent (wenn nicht intelligenter) als ein Makak. Die Millionen geschlachteten Schweine in Deutschland stehen im keinem Verhaeltnis zu den in Tierversuchen geopferten Affen im zweistelligen Bereich. Die Empörung ist genau diametral dazu. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind hochinteressant und nicht gerade schmeichelhaft für unseren Verstand, auf den wir so stolz sind. Kann sich jeder ja mal ein paar Gedanken zu machen.

da hast du wahrscheinlich recht

ich bin von neurowissenschaftlicher Forschung ausgegangen, dabei werden die Affen meines Wissens in den meisten Fällen nach den Experimenten eingeschläfert. Diese Experimente haben aber mehrere Durchgänge, das ist richtig. Allerdings nehmen die Makaken nicht an unterschiedlichen Experimenten teil, soweit ich weiß. In der medizinischen Forschung sieht das noch einmal anders aus, denke ich, hier müssen die Affen nicht zwangsläufig eingeschläfert werden, da die Versuche weniger invasiv sind.

schon wieder Neuigkeiten

aus Bremen, na die häufen sich ja in den letzten Wochen.

Es ist sehr sehr schade das diese Versuche weiterhin genehmigt werden , und das auch noch durch einen Richter beurteilt und erlaubt.

Das unsere Justiz in solchen Fällen jeweils regional urteilt ist mir ohnehin unverständlich genau so wie das Bremen ein eigenes Bundesland darstellt.

Immer diese Antispeziesten

Auf der einen Seite sind Tiere (genauer Viecher, da keine Menschen) auf der anderen Seite sind Menschen die man heilen könnte.

Schon krank wenn man da anfängt zu zweifeln, und der Wissenschaft reinplappert. Am ende leiden Menschen, die nicht leiden müssten. Das ist das einzig relevante.

tiefgreifend argumentiert...

Nach dieser Logik, die übrigens in keiner Weise wissenschaftlich generell untermauert werden kann, dass das Leid qualitativ im Vergleich zum Menschen von Tieren geringer wahrgenommen wird, sind demnach auch Babies, Kleinkinder und psychisch schwer geschädigte Menschen keine Menschen? Auch wenn mein Vergleich teils unpassend ist, diese Menschen haben mit vielen Versuchstieren eins gemeinsam: eine eingeschränkte, meist sehr subjektive beobachtbare "Weltsicht". Hauptaugenmerk liegt auf "beobachtbar". Viele dieser Tiere zeigen aber auch teils sehr komplexes Sozialverhalten, wie man es bei vielen unserer Artgenossen nicht finden würde, ebenso wurden in vielen Studien schon starke Indize für eine durchaus sehr vielfältige und tiefgreifendere Emotionswelt gefunden. Also seien Sie (und nicht sie...) doch wenigstens so ehrlich zu sich selbst und geben als Legitimierung einfach den Grund der Macht der Spezies Mensch an. Wir können es und wir dürfen es, weil wir glauben, unsere Existenz hat einen höheren Stellenwert und der Zweck h.d.M. Ich will nicht die Moralkeule schwingen und es gab eine Zeit, da waren Tierversuche für die Gesellschaft wirklich notwendig zum Überleben. Aber wir haben heute eine Großzahl an Alternativen, die in Zukunft noch bedeutender werden. Dazu zähle ich das verteilte Rechnen und Simulieren von Wirkstoffen (rosetta z.B.), welches zwar noch in den Kinderschuhen steckt und nicht alle Fragen klärt, wohl aber viele unnötige Tests durchaus jetzt schon verhindern kann.

.........

"Es kommt nur darauf an ob Leid empfunden wird oder nicht. Wird es empfunden ist es falsch."

Aber sie müssen sich schon entscheiden.Wollen sie nicht das die Tiere leiden werden dafür Menschen leiden. Irgendjemand leidet immer. Das lässt sich nicht vermeiden.

Und da uns Menschen in der Regel näher stehen als Tiere, nimmt man das Leid der Tiere in Kauf umd das Leid von MEnschen zu reduzieren. So lange man nicht Tiere mit Menschen gleichstellt ist das die logische Schlussfolgerung.

Es sind die Antispesziesten die behinderte Menschen etc. weniger rechte einräumen wollen als gesunden Menschen, weil Sie sich an einer "Leidensfähigkeit" orientieren. Ich nicht. Behinderte Menschen sind Menschen. Da ist für mich die Argumentation schon zu ende. Die Antispes fangen dann an darüber zu phlosophieren das ein Mensch Trisomie 21 ja mehr deppert ist als ein Shimpanse. Mich interessiert das nicht. Mensch ist Mensch, Schmipanse ist Vieh*.

*Ich sag nicht Tier, da dann als nächstes die Frage kommt "Ist Mensch nicht auch Tier?" - ja klar ist er es. Ändert aber nichts.

Ob es "wisschschaftlich untermauert" werden kann? Äh, nein. Behaupte ich auch nicht. Ich DEFINIERE das Leid des Menschen als ordinal qualitativ wertvoller**.

**(im Sinne der Relevanz, nicht das menschliches Leid gut wäre, nur falls jemand etwas aus dem Zusammenhang reißen will)

Nein Ihr leid ist mehr Wert als das einer Giraffe

Ich ging davon aus das Sie Mensch sind. Und wenn Sie es nicht wären, dann wäre ein Bot (aus dem Serverraum der Peta) wahrscheinlicher als anderes nichtmenschlisches Leben.

Also für den Fall das Sie kein Bot* sind, ist ihr Leid mehr wert als das einer Giraffe.

*Nein, in ihren Kommentaren gibt es kein Hinweis darauf das Sie ein Bot sind.

Ich bin mir auch sicher das Sie ihre Meinung ändern, wenn Sie sich bewusst wären, was das für radikale änderungen bedeuten würde.
Nebenbei wären wir dann die einzige Spezies die ein *#*+ drauf geben würde wie sich andere arten fühlen. Das soll dann die "Bürde" unser Intelligenz sein? Sich selbst derart devot entrechten? Nur weil andere Arten leid fühlen können?

Intelligente Säugetiere

Zuerst einmal sind das keine Antispeziesten, sondern (wenn schon) Antispeziesisten. Und ich bin einer von ihnen, weil ich mich, wie die Affen, zu den intelligenten Säugetieren zähle. Und ich zähle die Speziesisten zu den weniger intelligenten Säugetieren. Mag man ihren Kopf fixieren und mit Sonden bestücken. Und weil sie es sicherlich freiwillig täten (es würde ihnen ja auch kaum Schaden zufügen), handelte es sich nicht um Folter. Für unsere Brüder und Schwestern, die des abstrakten Denkens nicht fähig sind, ist es Folter. Und ich bin gegen jede Art von Folter. Auch gegen die Folter von »Viechern«, weil sie Angst ebenso fühlen, wie wir. Aber es wird wohl noch einige Jahrzehnte, vielleicht auch Jahrhunderte dauern, bis auch der letzte Speziesist von seiner Empathielosigkeit erlöst ist und sein armes trauriges Speziesistendasein beendet hat.

Martialische Argumentation

Unrecht mit Unrecht vergelten - leider eine allzu menschliche Reaktion. Ich verstehe die Frustration, die Sie empfinden - mit ihrer Schlußfolgerung kann ich allerdings nicht ganz so viel anfangen.

Ich bin - ganz einfach formuliert - gegen Tierversuche und wie Sie vertrete ich diese Haltung durch die Überzeugung, dass die Fähigkeit Leiden, Angst oder Schmerzen zu empfinden ausschlaggebend ist. Andererseits sehe ich auch das damit verbundene Dilemma. Jeder Mensch profitiert im Laufe seines Lebens von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die auf der Grundlage tiermedizinischer Versuchsreihen entstanden sind. Und das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern - was nicht heißt, dass die Wissenschaft nicht alles daran setzen muss, Alternativen dafür zu finden und sie umzusetzen.

Die oft bemühte Forderung, dann solle eben der Mensch - ein anderes Lebewesen also - für die Versuche herhalten, ändert doch aber nichts an dem Problem. Das Leiden würde nur auf eine andere Spezies übertragen. Ich sage nicht, dass man sich deswegen damit abfinden muss , ich bestreite auch nicht, dass der Mensch ein besonders grausamer Vertreter der intelligenten Säugetiere ist. Aber Sie und ich - wir gehören dazu. Und tragen mit unserem Lebensstil genauso dazu bei. Sich zu wünschen, dass kein Lebewesen je mehr zu leiden hätte, ist eine Utopie, der wir leider nicht gerecht werden können.

Absurde Tierversuche

Solche eine generelle Befürwortung von Tierversuchen finde ich sehr erschreckend.

Es gibt zu viele absurde Versuche, die ohne jeglichen Nutzen für den Menschen oder völlig unsinnig sind (z.B. Versuche zu dem was im Gehirn von genmanipulierten Mäusen passiert, die beim Geruch von Fuchskot vor Schreck erstarren; Versuche um heraus zu finden, dass Alkohol nicht gut für Kinder ist).

Es werden immernoch Versuche für Kosmetikprodukte durchgeführt. Damit lässt sich wohl niemand heilen und es gibt wohl auch schon mehr als genug Kosmetik.

Es werden unnötige Versuche an Tieren durchgeführt, da hierfür schon lange alternative Versuchsmethoden ohne Tiere zur Verfügung stehen.

Warum stopft sich der Mensch mit wissentlich ungesunden Lebensmitteln voll, und quält und tötet dann Tiere um Medikamente zu entwickeln, die gegen seine ungesunde Lebensweise helfen?

Sie stellen das Tierleid zu hoch

Alkohol, Kinder: Das es schädlich ist, mag man wissen, aber WIE schädlich ist es? Das sind wichtige Erkenntnisse.

Kosmetik: Es ist wichtig das die Kosmetik die es gibt schonend ist für den Menschen. Hier wurden große Fortschritte herzielt. Und dem Menschen zu sagen, er solle sich nicht schön machen, wenn Kosmetik ungesund ist, ist genauso vequer wie dem Strauß zu erklären das er ohne diese blöden Federn besser vor Raubtieren wegrennen könnte.

Ich bin jedenfalls nicht bereit mir von Tierliebhabern erklären zu lassen das die Forscher dumm Forschen. Die Tierliebhaber wollen die Tiere schützen, der Fortschritt und das Menscheleid das man verhindern könnte ist ihnen egal.

Ein gutes Urteil für den Forschungsstandort

Schön zu sehen, dass man sich bei der Bremer Justiz (anders als offenbar in Teilen der Bürgerschaft des Bundeslandes) Verstand und Verantwortungsbewusstsein bewahrt hat. Deutschland ist ohnedies schon eines der Länder, in denen emotionsgesteuerte Moralapostel den Forschern mit am Meisten im Wege stehen und sie bei ihrer Arbeit behindern dürfen. Es ist vollkommen unnötig das noch zu verschärfen und die beteiligten Wissenschaftler endgültig aus dem Land zu treiben.