TierversucheDie Uni Bremen darf weiter Affenversuche durchführen

An der Uni Bremen sind Experimente mit Affen zulässig. Das hat ein Gericht in Bremen entschieden. Die Richter sehen die Tiere durch die Forschung nur mäßig belastet. von dpa und

An der Bremer Universität dürfen Forscher weiter mit Affen experimentieren. Das Oberverwaltungsgericht Bremen wies nach einem Jahre dauernden Rechtsstreit durch mehrere Instanzen eine Berufung der Tierschutzbehörde zurück. Diese hatte argumentiert, das Leid der Affen bei den Versuchen sei ethisch nicht zu rechtfertigen. Zuvor hatte sich die Bremer Bürgerschaft für ein Ende der Versuche ausgesprochen.

Das Gericht in Bremen sieht die Affenversuche dagegen als vertretbar an und lässt eine Revision nicht zu. Seit 1998 forschen Wissenschaftler um den Zoologen Andreas Kreiter neurologisch an Makaken . Bei den Versuchen fixieren sie die Köpfe der Tiere. Die Affen müssen an den Experimenten aktiv teilnehmen, um an Wasser zu gelangen. Dabei messen die Wissenschaftler die Hirnaktivität. Sie erhoffen sich von den Experimenten Fortschritte bei der Therapie von Krankheiten wie zum Beispiel Epilepsie.

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Bei der Verhandlung am Montag ging es im Wesentlichen um die Frage, wie stark die Tiere unter den Versuchen leiden. Beide Seiten führten Gutachten mit unterschiedlichen Bewertungen dazu an. Das Gericht ging bei seiner Entscheidung von einer mäßigen Belastung der Tiere aus.

Chronik der Bremer Affenversuche: 1996/1997

März 1996: Andreas Kreiter vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung erhält einen Ruf an die Universität Bremen. In Frankfurt hat der Neurobiologe mit Makaken (Macaca) gearbeitet. Diese Versuche will er in Bremen fortsetzen – was er auch offen sagt. Bedenken werden nicht laut.
April 1997: Die Bremer Gruppe des Bundesverbands der Tierversuchsgegner klebt noch vor Kreiters Berufung ein Großplakat in der Bremer Innenstadt – mit Kreiters privater Adresse und Telefonnummer. Anonyme Morddrohungen sind die Folge. Familie Kreiter steht erstmals unter Polizeischutz.
Mai 1997: Der Bremer Tierschutzverein organisiert einen Bürgerantrag. Zwei weitere folgen. Insgesamt unterschreiben etwa 100.000 Bremer die Anträge gegen die Affenversuche.
August 1997: Die Aktion Tierbefreiung Bremen schreibt vor Kreiters Ankunft: "Was Sie den Affen antun, tun wir Ihnen an." Besonders freue man sich auf Kreiters kleinen Sohn Lukas: "Er passt in seinem Alter wunderbar in einen kleinen Affenstuhl."
November 1997: Trotz der Kampagnen wechselt Kreiter an die Weser.

1998-2008

1998: Die Bremer Gesundheitsbehörde genehmigt seine Versuche.
2001 und 2005: Andreas Kreiter stellt neue Anträge für seine Experimente, die Gesundheitsbehörde erteilt die Genehmigungen.
November 2005: Bündnis 90/Die Grünen stellen in der Bürgerschaft den parlamentarischen Antrag "Aus der Affenforschung aussteigen". Bremens Zukunft als Wissenschaftsstadt liege "in der Profilierung als tierversuchsfreier Standort".
März 2007: Vor der Bürgerschaftswahl stimmt eine Allparteienkoalition für einen Ausstieg aus den Affenversuchen.
November 2008: Kreiters vierter Fortsetzungsantrag für die Experimente wird von der Gesundheitsbehörde abgelehnt. Der Neurobiologe legt Widerspruch ein.
Dezember 2008: Die fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts Bremen erlaubt die vorläufige Fortsetzung der Tierversuche.

2009-2012

August 2009: Im Widerspruchsverfahren bleibt die Gesundheitsbehörde bei ihrer Ablehnung des Versuchsantrags. Kreiter klagt nun gemeinsam mit der Universität vor dem Verwaltungsgericht. Währenddessen können die Versuche weitergehen – vorerst bis zur ersten Hauptverhandlung. Dann soll entschieden werden, ob sie auch während des Hauptsacheverfahrens fortgesetzt werden dürfen.
Oktober 2009: Zwischenentscheid im Eilverfahren: Die fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts weist die Stadt Bremen an, die Versuche weiter zu gestatten.
22. April 2010: Nicht öffentlicher Erörterungstermin im Gerichtsverfahren, das über die Zukunft der Experimente entscheiden soll. Inzwischen können Kreiter und seine Kollegen mehr als 30 Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften vorweisen – vor allem zu Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Reiz- und Informationsverarbeitung.
Mai 2010: Das Verwaltungsgericht verweist den Fall zurück an die Richter in Bremen.
Dezember 2012: Das Bremer Gericht entscheidet, dass die Versuche zulässig sind.

Die Universität wertete die Entscheidung als Bestätigung ihrer Haltung. "Vom Urteil des Oberverwaltungsgerichts bin ich nicht überrascht", sagte Kreiters Kollege Reinhard Fischer, der für die Makakenversuche zuständig ist. Die Forschungsarbeiten fänden international höchste Anerkennung. Zum anderen achte Kreiter seit Beginn der Versuche vor 15 Jahren darauf, "dass alle Bestimmungen des Tierschutzgesetzes genauestens eingehalten werden".

Tierschützer wollen nicht aufgeben

Der Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel , bedauerte die Entscheidung. Aus seiner Sicht seien einseitig die Argumente der Universität hochgehalten worden. "Es ist zudem völlig unverständlich, dass das Gericht trotz der grundsätzlichen Bedeutung keine Revision zugelassen hat", sagte er. "Wir werden politisch und rechtlich weiter alles unternehmen, um diese qualvollen Tierversuche zu beenden."

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 11. Dezember 2012 21:32 Uhr

    ...und das meine ich weder polemisch noch reisserisch:
    Wenn den Tieren tatsächlich nur der Kopf fixiert wird um sie an der Teilnahme am Experiment zu bringen, warum macht man sowas nicht gleich am Menschen?
    Wenn es der Forschung nützt hätte ich kein Problem damit es selbst zu machen.
    Irgendwie fehlt mir da der Sinn des Tierversuchts wenn es am Menschen auch geht und die Information wesentlich wertvoller wäre...

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    • Martim
    • 11. Dezember 2012 23:01 Uhr

    Der Kopf der Affen wird fixiert, um eine Einführung von Messelektroden zu ermöglichen. Das wird in dem Artikel nicht thematisiert. Wo möglich wird dies aber auch beim Menschen gemacht, etwa bei Epilepsie-Patienten. Was nicht heißen soll, dass Epilepsie-Patienten als Versuchskaninchen missbraucht werden. Die Affen hingegen müssen nach dem Versuch meist eingeschläfert werden.

    Das klingt alles ganz schrecklich, aber die Bigotterie und der Zynismus radikaler Tierschützer ist für mich noch um einiges erschreckender.

    Der Zweck heiligt nicht die Mittel, und wo möglich, sollte man auf andere nicht-invasive Methoden umsteigen. Das wird auch gemacht. Man sollte aber auch auf Fleischkonsum verzichten. Ein Schwein gilt als ebenso intelligent (wenn nicht intelligenter) als ein Makak. Die Millionen geschlachteten Schweine in Deutschland stehen im keinem Verhaeltnis zu den in Tierversuchen geopferten Affen im zweistelligen Bereich. Die Empörung ist genau diametral dazu. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind hochinteressant und nicht gerade schmeichelhaft für unseren Verstand, auf den wir so stolz sind. Kann sich jeder ja mal ein paar Gedanken zu machen.

  1. aus Bremen, na die häufen sich ja in den letzten Wochen.

    Es ist sehr sehr schade das diese Versuche weiterhin genehmigt werden , und das auch noch durch einen Richter beurteilt und erlaubt.

    Das unsere Justiz in solchen Fällen jeweils regional urteilt ist mir ohnehin unverständlich genau so wie das Bremen ein eigenes Bundesland darstellt.

    • Martim
    • 11. Dezember 2012 23:01 Uhr

    Der Kopf der Affen wird fixiert, um eine Einführung von Messelektroden zu ermöglichen. Das wird in dem Artikel nicht thematisiert. Wo möglich wird dies aber auch beim Menschen gemacht, etwa bei Epilepsie-Patienten. Was nicht heißen soll, dass Epilepsie-Patienten als Versuchskaninchen missbraucht werden. Die Affen hingegen müssen nach dem Versuch meist eingeschläfert werden.

    Das klingt alles ganz schrecklich, aber die Bigotterie und der Zynismus radikaler Tierschützer ist für mich noch um einiges erschreckender.

    Der Zweck heiligt nicht die Mittel, und wo möglich, sollte man auf andere nicht-invasive Methoden umsteigen. Das wird auch gemacht. Man sollte aber auch auf Fleischkonsum verzichten. Ein Schwein gilt als ebenso intelligent (wenn nicht intelligenter) als ein Makak. Die Millionen geschlachteten Schweine in Deutschland stehen im keinem Verhaeltnis zu den in Tierversuchen geopferten Affen im zweistelligen Bereich. Die Empörung ist genau diametral dazu. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind hochinteressant und nicht gerade schmeichelhaft für unseren Verstand, auf den wir so stolz sind. Kann sich jeder ja mal ein paar Gedanken zu machen.

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    Bist Du sicher, Martin, daß die Affen eingeschläfert werden müssen? Ich dachte, daß sie ziemlich lange leben und auch öfters an den Versuchen teilnehmen. Troztdem macht man am Menschen keine Hirnoperation ohne, daß sie Teil einer Therapie ist, am Äffchen schon.

    Sphinxfutter

    • Martim
    • 12. Dezember 2012 7:57 Uhr

    ich bin von neurowissenschaftlicher Forschung ausgegangen, dabei werden die Affen meines Wissens in den meisten Fällen nach den Experimenten eingeschläfert. Diese Experimente haben aber mehrere Durchgänge, das ist richtig. Allerdings nehmen die Makaken nicht an unterschiedlichen Experimenten teil, soweit ich weiß. In der medizinischen Forschung sieht das noch einmal anders aus, denke ich, hier müssen die Affen nicht zwangsläufig eingeschläfert werden, da die Versuche weniger invasiv sind.

    nicht vegearisch oder gar vegan leben.
    Klar, aber Hauptsache erst mal was unterstellen, was die Integrität von Tierschützern,-rechtlern in Zweifel zieht.
    Nicht einfach von sich auf Andere schließen.

  2. Bist Du sicher, Martin, daß die Affen eingeschläfert werden müssen? Ich dachte, daß sie ziemlich lange leben und auch öfters an den Versuchen teilnehmen. Troztdem macht man am Menschen keine Hirnoperation ohne, daß sie Teil einer Therapie ist, am Äffchen schon.

    Sphinxfutter

  3. Und das sind Sie eben nicht. Ihr Leid ist nicht auf einer Ebene mit menschlichem Leid. Einfach weil es keine Menschen sind.

    Antwort auf "Die Frage ist nicht"
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    aber das wolltest du nicht ansprechen, stimmt's?

    Es kommt nur darauf an ob Leid empfunden wird oder nicht. Wird es empfunden ist es falsch. Egal ob ein Mensch oder eine Giraffe dieses Leid empfindet.

    Nach dieser Logik, die übrigens in keiner Weise wissenschaftlich generell untermauert werden kann, dass das Leid qualitativ im Vergleich zum Menschen von Tieren geringer wahrgenommen wird, sind demnach auch Babies, Kleinkinder und psychisch schwer geschädigte Menschen keine Menschen? Auch wenn mein Vergleich teils unpassend ist, diese Menschen haben mit vielen Versuchstieren eins gemeinsam: eine eingeschränkte, meist sehr subjektive beobachtbare "Weltsicht". Hauptaugenmerk liegt auf "beobachtbar". Viele dieser Tiere zeigen aber auch teils sehr komplexes Sozialverhalten, wie man es bei vielen unserer Artgenossen nicht finden würde, ebenso wurden in vielen Studien schon starke Indize für eine durchaus sehr vielfältige und tiefgreifendere Emotionswelt gefunden. Also seien Sie (und nicht sie...) doch wenigstens so ehrlich zu sich selbst und geben als Legitimierung einfach den Grund der Macht der Spezies Mensch an. Wir können es und wir dürfen es, weil wir glauben, unsere Existenz hat einen höheren Stellenwert und der Zweck h.d.M. Ich will nicht die Moralkeule schwingen und es gab eine Zeit, da waren Tierversuche für die Gesellschaft wirklich notwendig zum Überleben. Aber wir haben heute eine Großzahl an Alternativen, die in Zukunft noch bedeutender werden. Dazu zähle ich das verteilte Rechnen und Simulieren von Wirkstoffen (rosetta z.B.), welches zwar noch in den Kinderschuhen steckt und nicht alle Fragen klärt, wohl aber viele unnötige Tests durchaus jetzt schon verhindern kann.

  4. Schön zu sehen, dass man sich bei der Bremer Justiz (anders als offenbar in Teilen der Bürgerschaft des Bundeslandes) Verstand und Verantwortungsbewusstsein bewahrt hat. Deutschland ist ohnedies schon eines der Länder, in denen emotionsgesteuerte Moralapostel den Forschern mit am Meisten im Wege stehen und sie bei ihrer Arbeit behindern dürfen. Es ist vollkommen unnötig das noch zu verschärfen und die beteiligten Wissenschaftler endgültig aus dem Land zu treiben.

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    Werter DerIrrste, verwechselen Sie bitte nicht Moral und Ethik in einer Diskussion über den Wissenschaftsstandort Deutschland.
    Die Haltung der Gegner der Experimente ist ethisch fundiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Bremen | Affe | Epilepsie | Gericht | Krankheit | Therapie
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