Über den groben Ablauf der Dinosaurierära herrscht im Wesentlichen Einigkeit: Die ersten, einfachen Vorfahren der Sippe entstanden irgendwann nach dem größten Massensterben aller Zeiten im Perm, entwickelten sich bis zur späten Trias weiter, bildeten dann verblüffend rasch eine Vielfalt immer neuer, erfolgreicherer Modelle und gingen dann pünktlich am Schluss der Kreidezeit spektakulär für immer außer Serie.

Das Ende der Dinoära ist dabei häufiger beleuchtet worden als ihr ebenfalls rätselhafter Beginn: Wo entstanden die ersten Dinosaurier eigentlich? Wann begann ihre Erfolgsgeschichte, und mit wem? Auf der Suche nach Antworten entstaubten Paläontologen ein paar alte Museumsknochen und hoffen jetzt, dabei auf den neuesten ältesten Dinosaurierfund gestoßen zu sein: ein Exemplar von Nyasasaurus parringtoni .

Das Team um Sterling Nesbitt von der University of Washington hatte den rechten Oberschenkelknochen sowie mehrere Wirbelknochen von N. parringtoni -Funden neu untersucht , die schon in den 1930er Jahren am Malawi-See in Tansania ausgegraben wurden. Seit vielen Jahrzehnten hatten die Knochen dann in Museen in London und Kapstadt gelegen. Die Datierung des bisher nicht eindeutig systematisch zuordenbaren Fundes belegt, dass die Art vor rund 243 Millionen Jahren im Süden des Megakontinents Pangäa lebte.

Die Analysen der Forscher zeigen nun, dass er einige charakteristische Merkmale klassischer Dinosaurier aufweist – so etwa ein zu Lebzeiten typisches, sehr schnelles Wachstum. Dies macht den Fund entweder zum ältesten aller bisher gefundenen Dinosaurier oder zumindest zu einem sehr alten, sehr nahen Verwandten.

Erschienen auf spektrum.de © Screenshot ZEIT ONLINE

Bisher stammte der älteste sicher als Dinosauria klassifizierte Fossilfund aus dem beginnenden Karnium – der ältesten Stufe der Obertrias – vor 230 Millionen Jahren. Damals hatte die Gruppe sich noch nicht in die später dominierenden Linien aufgespalten, die Saurischia und Ornithischia, die dann explosionsartig rasch eine große Vielfalt von Arten hervorbrachten. Nyasasaurus parringtoni – ein ausgewachsen wohl etwa zwei bis drei Meter langes und bis zu 60 Kilo schweres Tier – steht dagegen am unteren Ende des Stammbaums: Er ist entweder der älteste bisher gefundene Dinosaurier oder ein Vertreter der Silesauridae.

In jedem Fall hatte die Stammgrupppe dieser Reptilien – die Archosaurier, zu denen heute noch die Krokodile zählen – nach dem Perm-Massenaussterben wohl schon einige verschiedenartige Formen hervorgebracht, aus denen heraus dann die später dominanten Dinosaurier die Konkurrenz ausstach.

Die Entwicklung der frühen Dinosaurier scheint sich jedenfalls im Süden von Pangäa abgespielt zu haben, schließen die Forscher aus ihrem Exemplar und den schon zuvor bekannten späteren Funden. Erst viel später, in der Kreidezeit, hat das zunehmende Auseinanderbrechen des Riesenkontinents dann die Entwicklung der unterschiedlichen modernen Dinosaurierformen in Nord und Süd gefördert.

Erschienen auf spektrum.de