Trotz all dieser Einschränkungen: Beim Versuch, verlorene Fähigkeiten auszugleichen, ist die Forschung weiter, als beim Tuning des gesunden Körpers. Michael Goldfarb, Biomechaniker an der Vanderbilt University in Tennessee, erklärt das so: "Unsere Körpermotorik ist komplex und funktioniert eigentlich ganz gut. Das noch zu verbessern, ist mit den meist viermotorigen Systemen von heute schwer. Jemanden, der jedoch gelähmt ist, wieder zum Laufen zu bringen, ist wesentlich einfacher und das können wir heute schon."

Goldfarb forscht an einem Exoskelett, das die Arbeit der Beine unterstützt und in Kombination mit Krücken oder einem Gehwagen eingesetzt werden kann. Ihm geht es im Moment vor allem darum, das Gehen in komplizierten Situationen, etwa auf Treppen oder an Steigungen, zu optimieren. Goldfarbs Prototyp wiegt derzeit rund 12 Kilogramm, nachdem sein Tüftler-Team Batterie und Motoren des Roboters verkleinert hat. Das erhältliche ReWalk ist mit 18 Kilogramm im Vergleich dazu ein Schwergewicht.

Bis zu 100.000 Euro für ein Gerät

Bisher sind Exoskelette für einen flächendeckenden Einsatz zu teuer, zu schwer und zu wenig erprobt. Das ReWalk-System kostet beispielsweise 52.500 Euro für den Einzelnen. Für Klinken kommen sogar rund 100.000 Euro zusammen, da Hard- und Software für verschiedene Patienten verstellbar sein müssen. Andere Modelle sind ähnlich teuer, so dass erste Forschergruppen versuchen, mit neuen Prototypen unter die 10.000 Dollar-Marke zu kommen. Entscheidend wird außerdem sein, ob Versicherungen die Kosten übernehmen werden. "Ich glaube, dass die ersten Krankenkassen ReWalk bald in ihren Leistungskatalog übernehmen werden", sagt John Frijters, der bei ReWalk für den europäischen Markt zuständig ist. Er ist optimistisch, dass die teureren Modell sich durchsetzen werden.

Dazu müssten Studien den Vorteil der Roboter-Anzüge gegenüber anderen Gehilfen belegen. Zwar wurde im November 2012 eine Studie zu ReWalk veröffentlicht. Die Probandenzahl war mit zwölf Personen aber zu klein, um signifikante Aussagen zu treffen. Ein Vergleich mit Patienten, die eine herkömmliche Therapie durchliefen, fand nicht statt.

Exoskelett-Pioniere wie Frijters und Goldfarb sind sich daher einig, dass wesentlich größere und solidere Studien notwendig sind, um die Roboter zum Anziehen zu etablieren. "Ich hoffe, dass in zehn bis 15 Jahren Exoskelette zum Alltagsbild gehören und es dann ganz normal ist, dass Leute mit diesen Geräten durch die Städte laufen," sagt Goldfarb.

In seiner Vision steckt der Traum vieler gehbehinderter Menschen: eines Tages wieder laufen zu können. Der Wunsch nach Superkräften erscheint daneben vermessen.