@SarcasticRover : "Erdenkram interessiert mich nicht. Ich bin auf dem Mars!"

August 2012: Der Roboter Curiosity landet auf dem Mars, seither twittert @SarcasticRover, sein Alter Ego, über Staub, Langeweile, Einsamkeit. Wir haben mit ihm gesprochen.
Aus vielen Einzelaufnahmen ist dieses Selbstporträt des Marsrovers Curiosity entstanden. © NASA JPL CALTECH/EPA/dpa

ZEIT ONLINE: Wie soll ich Sie nennen? Curiosity oder lieber SarcasticRover?

@SarcasticRover: Ich bin eine gespaltene Persönlichkeit, aber SarcasticRover ist besser.

ZEIT ONLINE: Ich habe erst kürzlich erfahren, dass Sie ein weiblicher Roboter sind. In Deutschland heißt es immer "Der Roboter Curiosity".

@SarcasticRover: Sollten die Leute mir wirklich ein Geschlecht geben, können sie sich eins aussuchen. Es ist ja nicht so, dass ich irgendwelche sexy Teile unterm Fahrgestell verstecke. Die Nasa hat entschieden, dass ich ein Mädchen sein soll, weil die anderen beiden Marsrover – Spirit und Opportunity – Jungs sind. Die mögen es, die Dinge auszugleichen. 

  ZEIT ONLINE: Wie kommt es, dass Sie bislang keine Interviews gegeben haben?

@SarcasticRover: Für gewöhnlich mögen Reporter die 14 Minuten Verzögerung in der Kommunikation nicht, die es nun mal vom Mars zur Erde dauert. Und sie sind auch zu beschäftigt, über Kriege und Hungersnöte und anderen Erdenkram zu berichten. Das interessiert mich nicht. Ich bin auf dem Mars.

ZEIT ONLINE: Wie spannend ist es denn auf dem Roten Planeten wirklich?

@SarcasticRover: Mars ist weite Ödnis voll Dreck und Gestein – bombig also!

ZEIT ONLINE: Es war also eine Strafe, fortgeschickt zu werden?

@SarcasticRover: Wenn man es eine Strafe nennen kann, erst in eine Dose gepresst und dann ins All geschossen zu werden, um auf einem blöden Wüstenplaneten für den Rest seines Lebens zu stranden und nichts anderes zu tun, als Fotos zu schießen und zu forschen? Ja, dann würde ich sagen, ich wurde bestraft. Keine Ahnung, warum.

ZEIT ONLINE: Es ist ja nicht so, dass Sie keine Aufmerksamkeit bekämen. Ihr Twitter-Account zählt mehr als 100.000 Follower, Medien in aller Welt berichten spätestens seit Ihrer Landung im August über Sie. Wie gehen Sie mit dem Rummel um?

@SarcasticRover: Ich finde die Medien wankelmütig, sie suchen verzweifelt nach etwas, worüber sie berichten können. Ich muss immer herhalten, wenn sie sich langweilen oder Thronfolger gerade keine Babys bekommen.

ZEIT ONLINE: Mögen Sie ihren Job?

@SarcasticRover: Ich mag es, neue Leute zu treffen und neue Orte zu sehen… es gibt also nichts, das ich an meiner Arbeit mag. Im Ernst: Mir gefällt es schon, Löcher in Steine zu machen und ohne ersichtlichen Grund Fotos meiner Räder zu schießen.

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Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Hoppla, das ...

>> auf einem blöden Wüstenplaneten für den Rest seines Lebens zu stranden und nichts anderes zu tun, als Fotos zu schießen <<

... hört sich an wie Marvin, der paranoide Androide:

"Here I am, brain the size of a planet, and they ask me to take you to the bridge. Call that job satisfaction, 'cause I don't."