Aus vielen Einzelaufnahmen ist dieses Selbstporträt des Marsrovers Curiosity entstanden. © NASA JPL CALTECH/EPA/dpa

ZEIT ONLINE: Wie soll ich Sie nennen? Curiosity oder lieber SarcasticRover?

@SarcasticRover: Ich bin eine gespaltene Persönlichkeit, aber SarcasticRover ist besser.

ZEIT ONLINE: Ich habe erst kürzlich erfahren, dass Sie ein weiblicher Roboter sind. In Deutschland heißt es immer "Der Roboter Curiosity".

@SarcasticRover: Sollten die Leute mir wirklich ein Geschlecht geben, können sie sich eins aussuchen. Es ist ja nicht so, dass ich irgendwelche sexy Teile unterm Fahrgestell verstecke. Die Nasa hat entschieden, dass ich ein Mädchen sein soll, weil die anderen beiden Marsrover – Spirit und Opportunity – Jungs sind. Die mögen es, die Dinge auszugleichen. 

  ZEIT ONLINE: Wie kommt es, dass Sie bislang keine Interviews gegeben haben?

@SarcasticRover: Für gewöhnlich mögen Reporter die 14 Minuten Verzögerung in der Kommunikation nicht, die es nun mal vom Mars zur Erde dauert. Und sie sind auch zu beschäftigt, über Kriege und Hungersnöte und anderen Erdenkram zu berichten. Das interessiert mich nicht. Ich bin auf dem Mars.

ZEIT ONLINE: Wie spannend ist es denn auf dem Roten Planeten wirklich?

@SarcasticRover: Mars ist weite Ödnis voll Dreck und Gestein – bombig also!

ZEIT ONLINE: Es war also eine Strafe, fortgeschickt zu werden?

@SarcasticRover: Wenn man es eine Strafe nennen kann, erst in eine Dose gepresst und dann ins All geschossen zu werden, um auf einem blöden Wüstenplaneten für den Rest seines Lebens zu stranden und nichts anderes zu tun, als Fotos zu schießen und zu forschen? Ja, dann würde ich sagen, ich wurde bestraft. Keine Ahnung, warum.

ZEIT ONLINE: Es ist ja nicht so, dass Sie keine Aufmerksamkeit bekämen. Ihr Twitter-Account zählt mehr als 100.000 Follower, Medien in aller Welt berichten spätestens seit Ihrer Landung im August über Sie. Wie gehen Sie mit dem Rummel um?

@SarcasticRover: Ich finde die Medien wankelmütig, sie suchen verzweifelt nach etwas, worüber sie berichten können. Ich muss immer herhalten, wenn sie sich langweilen oder Thronfolger gerade keine Babys bekommen.

ZEIT ONLINE: Mögen Sie ihren Job?

@SarcasticRover: Ich mag es, neue Leute zu treffen und neue Orte zu sehen… es gibt also nichts, das ich an meiner Arbeit mag. Im Ernst: Mir gefällt es schon, Löcher in Steine zu machen und ohne ersichtlichen Grund Fotos meiner Räder zu schießen.

"Ich bin das schlaueste Ding hier, aber das scheint nicht zu zählen"

ZEIT ONLINE: Sehr viel Zeit für eigene Interessen bleibt Ihnen nicht. Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Leuten von der Weltraumbehörde?

@SarcasticRover: Die Nasa-Leute laden so ziemlich jeden Tag neue Befehle hoch – hauptsächlich so etwas wie: Tu dies, fahr dorthin, berühre jenes, mach' Wissenschaft mit diesem Stein, was auch immer. Die sind ganz schön herrisch, und weil ich ein Roboter bin, kann ich mich nicht einmal sträuben oder dagegen ankämpfen. Ich bin das schlaueste Ding auf dem ganzen Planeten, aber das scheint nicht zu zählen.

ZEIT ONLINE: Sie werden es auch vorerst bleiben. Eine Chance auf Rückkehr gibt es nicht.

@SarcasticRover: Großartig. Danke, dass Sie darauf herumreiten.

ZEIT ONLINE:  Hat die Einsamkeit denn gar keine Vorteile?

@SarcasticRover: Ich lese viel und niemand nervt mich mit allzu vielen Fragen – mit Ausnahme von euch allen auf der Erde.

ZEIT ONLINE: Auf was für Entdeckungen auf dem Mars sollten wir uns gefasst machen?

@SarcasticRover: Ich erwarte vage, aber spannende Belege dafür, dass es auf diesem Planeten Leben gibt. Und ich hoffe, den Weg zu ebnen für die künftige Erforschung durch den Menschen … LOL … Quatsch! Ich hoffe eine Möglichkeit zu finden, von diesem blöden Planeten runterzukommen.

ZEIT ONLINE: Zumindest plant die Nasa, Ihnen einen Zwilling zu schicken bis 2020. Was halten Sie davon?

@SarcasticRover: Ich bin wohl das einzige Wesen im Sonnensystem, das acht Jahre nach seiner Geburt einen Zwilling bekommt.

ZEIT ONLINE: Zumindest endet dann die einsame Zeit. Oder etwa nicht?

@SarcasticRover: Das wohl wahrscheinlichste Szenario ist, dass ich mich bis 2020 in einen oberschlauen Cyborg verwandelt habe, der auf Rache und Zerstörung aus ist. Als erstes werde ich den neuen Rover fressen, ehe ich zur Erde zurückfliege. Und da friste ich dann ein Schurkenleben.