@SarcasticRover"Erdenkram interessiert mich nicht. Ich bin auf dem Mars!"

August 2012: Der Roboter Curiosity landet auf dem Mars, seither twittert @SarcasticRover, sein Alter Ego, über Staub, Langeweile, Einsamkeit. Wir haben mit ihm gesprochen. von 

ZEIT ONLINE: Wie soll ich Sie nennen? Curiosity oder lieber SarcasticRover?

@SarcasticRover: Ich bin eine gespaltene Persönlichkeit, aber SarcasticRover ist besser.

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ZEIT ONLINE: Ich habe erst kürzlich erfahren, dass Sie ein weiblicher Roboter sind. In Deutschland heißt es immer "Der Roboter Curiosity".

@SarcasticRover: Sollten die Leute mir wirklich ein Geschlecht geben, können sie sich eins aussuchen. Es ist ja nicht so, dass ich irgendwelche sexy Teile unterm Fahrgestell verstecke. Die Nasa hat entschieden, dass ich ein Mädchen sein soll, weil die anderen beiden Marsrover – Spirit und Opportunity – Jungs sind. Die mögen es, die Dinge auszugleichen. 

Der Mann hinter @SarcasticRover
Jason Filiatrault

Jason Filiatrault  |  © privat

Jason Filiatrault ist Drehbuchautor für Film und Fernsehen. Die Idee für den Twitteraccount @SarcasticRover kam ihm, als er bemerkte, dass ihm zu viele Witze zum Marsroboter Curiostiy einfielen.

Innerhalb kurzer Zeit stieg die Zahl der Follower auf mehr als 100.000. "Ich bin noch immer erschrocken über die Reaktionen", sagt Filiatrault. Was anfangs als Scherz gedacht war, soll weitergehen.

Die Weltraumbehörde Nasa hat nichts gegen den Account, Filiatrault hat sogar mit den Missionsverantwortlichen gesprochen. Er selbst sagt von sich, er sei wissenschaftsbegeistert und versuche stets, "die Wissenschaft und den Geist des Programms so genau wie möglich abzubilden."

Jason Filiatrault bloggt auch über @SarcasticRover. Eine Facebook-Seite gibt es ebenfalls.

Der wahre Marsrover

Das Mars Science Laboratory (MSL) ist die erste astrobiologische Mission seit Viking in den siebziger Jahren. Mit ihr unternimmt Marsrover Curiosity seit August 2012 auf dem Roten Planeten Forschungsfahrten.

Infografik: Curiosity
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.  |  © Aurel Märki

Gut drei Meter misst das Geländefahrzeug in Länge und Breite, zwei in der Höhe – damit ist er fast so groß wie ein Kleinwagen. 900 Kilogramm bringt der Rover auf die Waage. Damit ist er doppelt so lang und fünf Mal so schwer wie seine Kollegen Spirit und Opportunity aus dem Jahr 2003.

Zudem ist das fahrende Labor weitaus besser ausgestattet: Zehn wissenschaftliche Instrumente hat Curiosity an Bord, darunter das Probenanalyse-Modul SAM und das Chemielabor CheMin.

Via UHF-Antenne werden Daten an die Erde übertragen. Auch kann die Mars-Odyssey-Sonde der Nasa als Relais verwendet werden.

Die Energie zum Fahren und Forschen liefert wie schon bei Viking ein Radioisotopen-Generator. So ist der Rover auch ohne Sonne funktionstüchtig.

  ZEIT ONLINE: Wie kommt es, dass Sie bislang keine Interviews gegeben haben?

@SarcasticRover: Für gewöhnlich mögen Reporter die 14 Minuten Verzögerung in der Kommunikation nicht, die es nun mal vom Mars zur Erde dauert. Und sie sind auch zu beschäftigt, über Kriege und Hungersnöte und anderen Erdenkram zu berichten. Das interessiert mich nicht. Ich bin auf dem Mars.

ZEIT ONLINE: Wie spannend ist es denn auf dem Roten Planeten wirklich?

@SarcasticRover: Mars ist weite Ödnis voll Dreck und Gestein – bombig also!

Jahresrückblick 2012

Zwölf Monate, zwölf Protagonisten: ZEIT ONLINE erzählt das Jahr 2012 aus der Sicht von Beobachtern und Menschen, die dabei waren, ohne im Scheinwerferlicht zu stehen. Jeden Tag veröffentlichen wir zwei neue Folgen.

Alle Geschichten im Überblick:

Was im August noch geschah

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im Zuge eines Streiks südafrikanischer Bergarbeiter kommen mehr als  40 Menschen ums Leben.

Die Bundesregierung beschließt die Einführung eines Presse-Leistungsschutzrechts, mit dem Verleger die Möglichkeit bekommen sollen, von Unternehmen wie Google Lizenzgebühren zu fordern, wenn Suchmaschinen mit Textschnipseln auf Zeitungsartikel hinweisen.

ZEIT ONLINE: Es war also eine Strafe, fortgeschickt zu werden?

@SarcasticRover: Wenn man es eine Strafe nennen kann, erst in eine Dose gepresst und dann ins All geschossen zu werden, um auf einem blöden Wüstenplaneten für den Rest seines Lebens zu stranden und nichts anderes zu tun, als Fotos zu schießen und zu forschen? Ja, dann würde ich sagen, ich wurde bestraft. Keine Ahnung, warum.

ZEIT ONLINE: Es ist ja nicht so, dass Sie keine Aufmerksamkeit bekämen. Ihr Twitter-Account zählt mehr als 100.000 Follower, Medien in aller Welt berichten spätestens seit Ihrer Landung im August über Sie. Wie gehen Sie mit dem Rummel um?

@SarcasticRover: Ich finde die Medien wankelmütig, sie suchen verzweifelt nach etwas, worüber sie berichten können. Ich muss immer herhalten, wenn sie sich langweilen oder Thronfolger gerade keine Babys bekommen.

ZEIT ONLINE: Mögen Sie ihren Job?

@SarcasticRover: Ich mag es, neue Leute zu treffen und neue Orte zu sehen… es gibt also nichts, das ich an meiner Arbeit mag. Im Ernst: Mir gefällt es schon, Löcher in Steine zu machen und ohne ersichtlichen Grund Fotos meiner Räder zu schießen.

Leserkommentare
  1. >> auf einem blöden Wüstenplaneten für den Rest seines Lebens zu stranden und nichts anderes zu tun, als Fotos zu schießen <<

    ... hört sich an wie Marvin, der paranoide Androide:

    "Here I am, brain the size of a planet, and they ask me to take you to the bridge. Call that job satisfaction, 'cause I don't."

    2 Leserempfehlungen
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    • gpue
    • 28. Dezember 2012 21:51 Uhr

    ... Marvin ist (oder 'war', je nachdem wie man die Zeitreisen im weiteren Verlauf einzieht) nicht paranoid, sondern manisch depressiv!

    • gpue
    • 28. Dezember 2012 21:51 Uhr

    ... Marvin ist (oder 'war', je nachdem wie man die Zeitreisen im weiteren Verlauf einzieht) nicht paranoid, sondern manisch depressiv!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hoppla, das ..."
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    Marvin wurde zwar als manisch depressiv beschrieben, aber immer wieder als der "paranoid android" betitelt. Ergo kein Widerspruch, zurück an die Hausaufgaben!

  2. Marvin wurde zwar als manisch depressiv beschrieben, aber immer wieder als der "paranoid android" betitelt. Ergo kein Widerspruch, zurück an die Hausaufgaben!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nicht paranoid,"

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  • Schlagworte Nasa | Rover | Mars | Shell AG | Avatar | Planet
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