Tierversuche : "Heilsversprechen dürfen den Tierschutz nicht unterlaufen"
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Suchen Forscher ernsthaft nach Alternativen?

ZEIT ONLINE: Bislang sind die meisten Alternativen – wie etwa Zellkulturen oder künstlich gezüchtete Organe – noch nicht so ausgereift, als dass sie Labortiere ersetzen könnten.

Kurth: Ich sehe da nicht genug Engagement unter Forschern und in der Politik. Es müssen mehr Fördergelder bereit gestellt werden. Außerdem sollte die Forschung nach Alternativen stärker gewürdigt werden, denn auch Wissenschaftler sind für öffentliches Ansehen empfänglich. Wer sich in der Forschung einen Namen machen möchte, versucht, seine Ergebnisse in renommierten Fachzeitschriften zu publizieren. Ich habe den Eindruck, dass sich in Nature und Science wenige Studien zu alternativen Versuchsmethoden finden.

ZEIT ONLINE: Vereinzelt findet man schon auch in angesehenen Fachmagazinen Artikel über Alternativmethoden. Welche Maßnahmen sollte die Politik ergreifen, um diesen Forschungszweig stärker zu fördern?

Kurth: Zum Beispiel müssen entsprechende Haushaltsmittel im Forschungsministerium dringend aufgestockt werden. Auch könnte das Bundesforschungsministerium Preise für diese Forschung ausschreiben. Da muss man fantasievoller werden.

ZEIT ONLINE: Ihre Partei hatte verlangt, dass künftig alle Versuche an Tieren veröffentlicht werden. Laut dem neuen Gesetz gilt dies jetzt nur für besonders schmerzhafte Experimente und Versuche mit Affen. Warum halten Sie es für wichtig, jeden Versuch bekannt zu machen?

Kurth: Weil man so vermeiden könnte, dass unnötige Versuche mehrfach in verschiedenen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden. Die Zahl der Versuchstiere ist zu hoch: Im Jahr 2000 wurden etwa 1,8 Millionen Tiere "verbraucht", 2011 waren es schon 2,9 Millionen – das ist inakzeptabel.

ZEIT ONLINE: Das Gesetz muss nur noch durch den Bundesrat. Schon jetzt scheint es so gut wie beschlossen. Was werden die Grünen nun tun?

Kurth: Aus dem Bundesrat gab es 53 Änderungsanträge zu dem Gesetzesentwurf. Die schwarz-gelbe Koalition hat davon allerdings nur drei berücksichtigt. Deshalb wird jetzt – hauptsächlich von den Grün-mitregierten Ländern forciert – die Einberufung des Vermittlungsausschusses mit 19 begründeten Anträgen gefordert. Klar ist auch, dass wir das gesamte Tierschutzgesetz im Fall einer Regierungsbeteiligung auf den Prüfstand stellen werden.

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Kommentare

171 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Sicher

einfach ist es nicht. Aber bloß, weil man niemals alles richtig machen kann, bedeutet das, man kann aufhören es zu versuchen, die Lage zu verbessern?
Jede Epoche entwickelt ihre Aufgaben. Ich halte das Verhältnis zu den anderen Arten für einer unseren. Und ich möchte mir nicht Argumente suchen, mit denen ich mir mein Nichtstun erklären kann.
Vielen Dank aber für die Anregung.

näher beisammen...

Es ist schön zu sehen, dass wir von der Einstellung her gar nicht so weit auseinander sind. Sicher haben Sie auch mein erklärendes Posting gesehen.

Das das Spannungsfeld Tierschutz/Menschenschutz Abwägungen braucht, gerade wenn man sich nicht nur auf's Nichtstun zurückziehen möchte, macht für mich die Einnahme einer kategorischen Position (für/gegen Tierversuche) unmöglich.

Ein notwendiges Übel

@2: für Kosmetika sind Tierversuche bereits verboten.

zum Artikel: also derzeit ist es in Deutschland so, dass für jeden Tierversuch ein Genehmigungsverfahren nötig ist, für den der Forscher detailliert aufzeigen muss, warum der Versuch nötig ist. Das ändert sich auch durch die EU-Richtlinie meines Wissens nicht. Und wie die Box auf Seite 2 bereits richtig feststellt haben wir hier in Deutschland schon mit das strengste TierSchG europaweit.
Die Forschung steht Alternativmethoden keinesfalls im Weg, wie das im Interview angedeutet wird. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Tierversuche extrem aufwändig und kostenintensiv sind.
Den Vorschlag, Ergebnisse aus Tierversuchen veröffentlichen zu müssen halte ich generell für richtig, aber damit das einen Effekt hat müssen auch gute Voraussetzungen geschaffen werden. Es ist nun mal so, dass Paper mit uninteressanten Ergebnissen von den Journals abgelehnt werden. Die Wissenschaft hat ohnehin das Problem des Publikationsbias, der meiner Meinung nach langfristig durch eine zentrales Veröffentlichungsmedium (wie auch immer das aussieht) gelöst werden müsste.