WechseljahreIn den Wechseljahren leidet das Gedächtnis

Zwei Studien belegen: Vor allem direkt nach der Menopause ist das Erinnerungsvermögen von Frauen schlecht. Danach bessert sich die geistige Leistungsfähigkeit wieder. von 

Wie hieß noch gleich der Schauspieler? Oder der italienische Ort, in dem wir im Sommer waren? Mit dem Alter  lässt das Erinnerungsvermögen nach. Doch nicht immer müssen das schon Anzeichen von Demenz sein. Bei Frauen beeinträchtigen auch Hormonschwankungen in den Wechseljahren das Gedächtnis, wie amerikanische Forscher jetzt berichten. Die gute Nachricht: Nach der Umstellung des Körpers pendelt sich der Hormonhaushalt wieder ein – und auch das Gedächtnis wird wieder besser.

"Frauen in den Wechseljahren berichten immer wieder von Schwierigkeiten, sich an Informationen zu erinnern und geistige Aufgaben zu bewältigen, die normalerweise Routine sind", sagt Miriam Weber von der Universität Rochester. Für eine Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt Menopause erschienen sind, ist die Psychologin der Frage nachgegangen, ob dieser subjektive Eindruck der Frauen stimmt.

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Weber und ihre Arbeitsgruppe untersuchten 117 Frauen, die sie vier zeitlichen Stadien während der Wechseljahre bis nach der Menopause zuordneten. Die Studienteilnehmerinnen absolvierten Aufgaben, mit denen die Aufmerksamkeit, das sprachliche Lernen, das Arbeitsgedächtnis, die Feinmotorik und die Geschicklichkeit getestet wurden. Alle Aufgaben entsprachen Anforderungen, wie sie sich im Alltag etwa beim Merken eines neuen Internet-Zugangscodes oder einer Einkaufsliste stellen. Zusätzlich wurden Angaben der Frauen zu typischen Symptomen wie Hitzewallungen, unterbrochenem Schlaf und Stimmungsschwankungen erhoben und die Hormone Estradiol und FSH (Follikel stimulierendes Hormon) bestimmt.

Das Ergebnis: Die Frauen, die ihre letzte Monatsblutung seit kurzem hinter sich hatten, taten sich in fast allen Aufgaben am schwersten. Und zwar unabhängig davon, ob sie über mehr, weniger oder gar keine typischen Wechseljahressymptome berichteten. "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass die geistigen Probleme von Frauen in dieser Übergangsperiode unabhängige Prozesse sind und nicht die Folge von schlechtem Schlaf oder von Stimmungsschwankungen auftreten", erklärt Weber in einer Pressemitteilung ihrer Universität.

Ob eine Hormontherapie gegen Gedächtnisschwund hilft, ist ungeklärt

Die Probleme konnten nicht zu den ermittelten Hormonwerten in Beziehung gesetzt werden, die allerdings in dieser Lebensphase meist beträchtlich schwanken. Weber hält es für möglich, dass es gerade diese Schwankungen sind, die dem Gedächtnis einiger Frauen zusetzen. In diesem Zeitraum könnten Frauen besonders von Veränderungen ihres Lebensstils, gegebenenfalls aber auch von Hormonpräparaten profitieren, meint die Psychologin. "Am wichtigsten ist aber die Zuversicht, dass diese lästigen Probleme normal und wahrscheinlich vorübergehend sind."

Zudem macht die Amerikanische Akademie für Neurologie auf eine Studie aufmerksam, die im März bei ihrem Treffen in San Diego vorgestellt werden soll: Dafür wurden Daten von 1.839 Frauen ausgewertet, die an einem Langzeitprojekt über Gedächtnis und Altern teilgenommen haben. Alle waren am Ende der Untersuchung zwischen 53 und 100 Jahren alt, bei fast einem Drittel von ihnen waren die Wechseljahre aufgrund einer Entfernung der Eierstöcke deutlich früher eingetreten als normalerweise.

Auch die Frauen, die an dieser Studie teilnahmen, machten bei Tests zu Denk- und Gedächtnisleistungen mit. Außerdem dokumentierten die Forscher, wie alt die Teilnehmerinnen bei ihrer ersten und letzten Menstruation waren. Bei der Auswertung zeigte sich, dass diejenigen älteren Frauen, die sich der Operation besonders früh hatten unterziehen müssen, in verschiedenen Gedächtnisleistungen deutlich schlechter abschnitten. Außerdem fanden sich bei der Untersuchung des Gehirns von verstorbenen Studienteilnehmerinnen bei den Frauen, die früh in die "chirurgische" Menopause gekommen waren, mehr Eiweißablagerungen im Gehirn, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

Die frühe operationsbedingte Menopause war auch mit mehr Alzheimer-Diagnosen verbunden. Waren die Frauen natürlicherweise so früh in die Wechseljahre gekommen, zeigte sich dieser Zusammenhang aber nicht. Und offensichtlich waren diejenigen operierten Frauen besser geschützt, die über eine gewisse Zeit Östrogene nahmen. Ob eine Hormontherapie das Gehirn nach frühzeitiger Entfernung der Eierstöcke schützt, sei noch ungeklärt, meint die Neurologin und Studienautorin Riley Bove vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Die 2002 veröffentlichte WIH-Studie kam zu dem ernüchternden Schluss, dass eine Hormontherapie nicht vor geistigem Verfall, Demenz, schützt.

Erschienen im Tagesspiegel

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  • Schlagworte Alzheimer | Demenz | Gehirn | Hormonhaushalt | Schlaf | Studie
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