Asteroiden sind schwer zu bereisen, denn sie sausen durchs All. Trotzdem sollen ab 2025 Astronauten auf solchen Himmelskörpern landen. Soweit der Plan, den US-Präsident Barack Obama schon vor fast drei Jahren in einer Rede zur Zukunft der Raumfahrt verkündete.

Nun wird es ernst. Die Nasa brütet derzeit über einer aberwitzig klingenden Machbarkeitsstudie. Die US-Behörde muss entscheiden, ob sie das Projekt finanzieren soll, das ihr eine Gruppe Raumfahrtingenieure vorgelegt hat. Deren Ausgangsfrage lautete: Wie schnappt man sich einen Asteroiden, der mit mehreren Tausend Kilometern pro Stunde durchs All saust? Und ihre Antwort ist: mit einem Beutel.

Die Experten schlagen eine Robotersonde vor. Sie soll als erstes Jagd auf einen etwa sieben Meter messenden, rund 500 Tonnen schweren Gesteinsbrocken machen, den Erdobservatorien zuvor ausgespäht haben.

Brocken hinterm Mond sind leichter zu erforschen

Die Idee: Die Sonde wird ins All geschossen und nimmt den kleinlastergroßen Fels ins Visier, um ihm kurzerhand einen Riesenbeutel überzustülpen (15 Meter im Durchmesser und zehn Meter lang). Ist der Stein im Sack, soll er in die Umlaufbahn des Mondes gebracht werden – denn dort könnten Astronauten ihn in Ruhe ansteuern und erforschen. Zur Erde lässt sich so ein Fels nämlich nur schwerlich transportieren, er würde wohl in der Atmosphäre wie ein trockener Keks zerbröseln.

"Noch ist nichts entschieden", sagt Louis Friedman, einer der Leiter der Studie zur Asteroidenjagd, die am Keck-Institut für Weltraumforschung entstanden ist. "Unser Ziel ist es, 2017 oder 2018 mit der Mission zu starten", sagt der Ingenieur, der auch viele Jahre für die Nasa arbeitete. Gerade jetzt stünden die Zeichen dafür günstig. Die Technik für das Unterfangen, erstmals einen Himmelskörper aus seiner Bahn zu reißen, sei mittlerweile vorhanden.

Drei entscheidende Punkte sprächen für das Gelingen der Mission, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Machbarkeitsstudie: Erstens könne man heute eine ausreichende Zahl an kleineren erdnahen Asteroiden aufspüren und charakterisieren. Zweitens stünde man kurz davor, Solarantriebe zu entwickeln, die kräftig genug sind, einen eingesackten Asteroiden zu transportieren. Und drittens stimme der Zeitrahmen mit den Nasa-Plänen überein, demnächst Menschen auf einen Asteroiden zu schicken. Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?

Was das kosten würde, ist noch ungewiss, allerdings sagt Friedman: "Die Robotermission läge wohl so bei 2,5 Milliarden Dollar." Dieser Teil des Projekts wäre damit ähnlich kostspielig wie die Mars-Science-Laboratory-Mission, die den Rover Curiosity vergangenen August auf den Mars gebracht hat.

Asteroiden als Sprungbrett für Fernreisen ins All

Der Raumfahrtexperte ist überzeugt, dass die Nasa von der Mission profitieren würde. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen, etwa über die Rohstoffe, die im All schlummern, und den Aufbau von Asteroiden, sieht Friedman das größte Potenzial für künftige bemannte Raummissionen: "Das Projekt ist ein Sprungbrett für Missionen, die viel tiefer ins All vordringen können."

Gemeint ist der Mars, den Obama 2010 als weiteres Ziel für den Menschen ausrief. Auf einem Asteroiden im Mondorbit ließen sich auch Astronauten trainieren. Und das Wissen darüber, wie man die Gesteinsbrocken aus der Bahn wirft, könnte helfen, sich gegen drohende Asteroiden-Einschläge auf der Erde zu wappnen.

Die Autoren der Asteroiden-Einfang-Studie sehen in dem international angedachten Projekt auch eine Chance, den Pioniergeist zu wecken, der seit Ende des Apollo-Mondprogramms im Kalten Krieg eingeschlafen ist. Einen abgeschleppten Asteroiden zu erforschen, könnte eine neue Begründung für globale Erfolge und Inspiration bieten, heißt es am Ende der Studie. "Erstmals würde die Menschheit damit beginnen, den Himmel zu verändern und für sich zu nutzen."

Etwa sechs bis zehn Jahre würde die Mission der Keck-Forscher schätzungsweise dauern. Das Team um Friedman geht davon aus, dass sich die Nasa Ende 2013 dazu äußern wird, ob sie die Beutel-Mission finanziert.

Für die Felsbrocken interessieren sich aber nicht nur staatliche Wissenschaftler. Die private Asteroiden-Bergbau-Firma Planetary Resources hatte zuletzt eine ähnliche Mission in Aussicht gestellt. Sie will den flinken Steinen wertvolle Rohstoffe wie Eisen, Nickel oder Platin abnehmen. Dabei wird das Unternehmen von  Hollywood-Regisseur James Cameron beraten und finanzkräftig etwa von Google-Mitgründer Larry Page unterstützt.

Es hängt nun also vom irdischen Geldbeutel ab, wer die kosmischen Brocken zuerst einsackt.