Leserartikel

HaitiErste Hilfe im Slum

In Port-au-Prince hilft Leser Bernhard Mandla als Sanitäter Kranken und Verletzten: Hunderten Patienten in wenigen Tagen. Sein Stethoskop schützt ihn vor Übergriffen. von Bernhard Mandla

Ende Dezember 2012 landen wir in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Wir sehen zu, möglichst zügig an unsere medizinische Ausrüstung zu gelangen, bevor die gepackten Notfallrucksäcke und randvoll gefüllten Sanitätskisten im Nirwana Haitis verschwinden. Ansonsten müssten wir unsere eigenen Sachen auf dem berüchtigten Schwarzmarkt der Hauptstadt gegen harte US-Dollars zurückkaufen.

Wir – das sind Barbara, eine Fachärztin für Chirurgie und Anästhesie sowie Reinhold und ich, zwei Sanitäter. Schon vor drei Jahren, kurz nach dem schweren Erdbeben, hatten wir wochenlang auf offener Straße und in diversen Feldlazaretten medizinische Hilfe geleistet.

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Nachdem ein paar Bucks aus unserer Privatschatulle unauffällig den Besitzer gewechselt haben, reduziert sich unsere Wartezeit auf eine erträgliche Stunde. Wir sind froh, Sanmy wieder zu sehen, der bereits ungeduldig rauchend vor dem Flughafen auf uns wartet. Der schlaksige Haitianer hat sich bereits in den vergangenen Jahren als guter Geist unseres Teams erwiesen.

Improvisierte Zeltlager

Sanmy fährt uns mit dem schweren Nissan-Geländewagen zu unseren Einsatzorten. Außerdem bringt er uns an Orte, die wir ohne bewaffneten Begleitschutz niemals aufsuchen könnten. In der übervölkerten Stadt wohnen immer noch ungezählte, obdachlose Menschen. Sie haben auf nahezu allen freien Flächen dieser unübersichtlichen Großstadt improvisierte Zeltlager errichtet. Die Kriminalität ist dort sehr hoch.

Unser Programm in Haiti ist eng gesteckt. Die deutsche Hilfsorganisation Interhelp, die als eine der ersten internationalen NGO unmittelbar nach dem furchtbaren Beben ein fünfzehn Helfer nach Haiti entsandte, hat in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Partnerorganisation We Advance erneut einen umfangreichen Einsatzplan für uns erarbeitet.

Zum zweiten Mal werden wir nun in der ambulanten Miniklinik Nap Vanse (Kreolisch für "Wir fördern") in Cité Soleil arbeiten, einem der gefährlichsten Slums in Port-au-Prince. Die beiden haitianischen Krankenschwestern Martha und Sonja, die wir im Vorjahr kennen- und schätzen gelernt haben, halten dort noch immer tapfer die Stellung. Nur Doctor Edson – ein junger, hoch motivierter haitianischer Arzt – ist neu dort.

Leserkommentare
  1. Vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Mit diesem oder auch einem veränderten Team werde ich sicherlich auch einen vierten Einsatz in Haiti "in Angriff nehmen".
    Es gibt dort noch unendlich viel zu tun...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hut ab"
  2. Das viele Spendengelder nicht ordentlich ankommen, ist vermutlich tatsächlich so. Aber gottlob nicht überall: "Interhelp" aus Hameln, die haitianische Organisation "Fondation Manmie Doune" und unsere neue Hilfsorganisation "Manmie Doune HELP for HAITI e.V."- Gründungsversammlung ist am 2.2.13) nehmen bislang nicht und werden auch zukünftig nicht einmal den gesetzlich abgesegneten und nicht unerheblichen "Verwaltungsaufwand" in Höhe von 30% (!!) der Spendengelder einbehalten. Unser Engagement ist vollkommen ehrenamtlich und kommt ohne bezahlte Teil- oder Vollzeitkräfte aus. Und so können wir tatsächlich 100% aller Spendengelder sinnvoll verwenden. Zum Beispiel für eigne medizinische Hilfseinsätze, den Kauf von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, Wiederaufbaumassnahmen vor Ort etc. Wir überweisen GENERELL kein Geld auf irgendwelche Konten in dem hilfsbedürftigen Land, sondern arbeiten und übergeben dabei die Sachspenden DIREKT vor Ort. Das kann dann IMMER auch durch entsprechende Quittungen (auch wichtig für das deutsche Finanzamt !)sowie durch Fotos und andere "Beweise" belegt werden. Aber ich vermute, daß DAS tatsächlich nur bei kleineren Organisationen ohne entsprechend gewaltigen Verwaltungsapparat funktionieren kann. Wie grössere Organisationen die eingehenden Spendengelder splitten und verwenden, kann ich leider nicht beurteilen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hut ab!"
    • F Holm
    • 24. Januar 2013 17:40 Uhr
    1. Hut ab

    Toll, dass Sie diese Arbeit auf sich nehmen!

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    Vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Mit diesem oder auch einem veränderten Team werde ich sicherlich auch einen vierten Einsatz in Haiti "in Angriff nehmen".
    Es gibt dort noch unendlich viel zu tun...

  3. Meinen groessten Respekt!

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  4. Wirklich tolle Arbeit, die Sie leisten!

    Schade nur, dass all diese Hilfsgelder irgendwie nicht ordentlich ankommen :-(

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    Das viele Spendengelder nicht ordentlich ankommen, ist vermutlich tatsächlich so. Aber gottlob nicht überall: "Interhelp" aus Hameln, die haitianische Organisation "Fondation Manmie Doune" und unsere neue Hilfsorganisation "Manmie Doune HELP for HAITI e.V."- Gründungsversammlung ist am 2.2.13) nehmen bislang nicht und werden auch zukünftig nicht einmal den gesetzlich abgesegneten und nicht unerheblichen "Verwaltungsaufwand" in Höhe von 30% (!!) der Spendengelder einbehalten. Unser Engagement ist vollkommen ehrenamtlich und kommt ohne bezahlte Teil- oder Vollzeitkräfte aus. Und so können wir tatsächlich 100% aller Spendengelder sinnvoll verwenden. Zum Beispiel für eigne medizinische Hilfseinsätze, den Kauf von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, Wiederaufbaumassnahmen vor Ort etc. Wir überweisen GENERELL kein Geld auf irgendwelche Konten in dem hilfsbedürftigen Land, sondern arbeiten und übergeben dabei die Sachspenden DIREKT vor Ort. Das kann dann IMMER auch durch entsprechende Quittungen (auch wichtig für das deutsche Finanzamt !)sowie durch Fotos und andere "Beweise" belegt werden. Aber ich vermute, daß DAS tatsächlich nur bei kleineren Organisationen ohne entsprechend gewaltigen Verwaltungsapparat funktionieren kann. Wie grössere Organisationen die eingehenden Spendengelder splitten und verwenden, kann ich leider nicht beurteilen.

  5. , dann liegt innerhalb von Tagen wieder alles in Trümmern.

    Es gibt Situationen, da sollte man seine eigene Machtlosigkeit bezüglich nachhaltigen Veränderungen anerkennen und seinen (von Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel finanzierten) Abenteueraufenthalt zur Steigerung des eigenen Wertgefühls beenden.

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  6. NO-Cloud: ...ich weiß nicht, ob Sie jemals selbst an einem derartigen Einsatz teilgenommen haben, aber ich kann Ihnen versichern, daß diese Art von Einsätzen keinen "Abenteueraufenthalt" darstellen und auch keinesfalls zur "Steigerung des eigenen Wertgefühls" geeignet sind. Eher im Gegenteil. Ich war dort direkt nach dem Erdbeben 2010 wochenlang im Einsatz und ich kann Ihnen versichern, daß das kein wünschenwertes "Abenteuer" war. Danach habe ich jetzt zwei weitere Hilfseinsätze absolviert und bin nach über 22jähriger hauptberuflicher Tätigkeit im Feuerwehr- und Rettungsdienst auch keinesfalls auf eine solche Art von Selbstbestätigung angewiesen. Also urteilen Sie bitte nicht in dieser Art und Weise über die Motivation von Menschen, die Sie überhaupt nicht kennen und somit auch gar nicht beurteilen können. Vielen Dank !

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  7. Stimmt, ich kenne Sie nicht. Meine Intuition zeichnet mir aber ein deutliches Bild von Menschen, die "gerne helfen" - um dann später davon z.B. auf Zeit Online berichten zu können ;)

    Wenn Sie ehrlich wären, dann würden Sie zugeben, dass Ihre Hilfe keinerlei Langzeiteffekt mitbringt, da vor Ort keine Struktur ohne Führung von außen erhalten werden kann.

    Ja, es ist schrecklich, aber es gibt sie einfach, die failed states.

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  • Schlagworte Haiti | Anästhesie | Apotheke | Chirurgie | Hungersnot | Medikament
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