Wenn ein Affe ins Weltall fliegt, folgt ihm bald ein Mensch. Das hatten die Amerikaner vor fünf Jahrzehnten so vorgemacht, und so will nun auch der Iran mit seinem Raumfahrtprogramm die Öffentlichkeit begeistern. Am 28. Januar schickte das Land einen Affen ins All, der nach 20 Minuten zur Erde zurückkehrte. Wohlbehalten, wie es heißt.

Doch der PR-Coup war nicht so glanzvoll wie erhofft. Aus noch nicht vollständig geklärten Gründen, wurden neben den Fotos des echten Raumfahrers namens Pischgam ("Pionier") auch Bilder eines anderen Tieres veröffentlicht, das in der vergangenen Woche die Erde gar nicht verlassen hatte. Es könnte zur Auswahlmannschaft gehören, in der auch Pischgam ausgebildet wurde. Andere behaupten, der zweite Affe sei bereits 2011 bei einer missglückten Mission an Bord einer Rakete umgekommen.

Am 28. Januar meldeten die iranischen Behörden, in einer Raumkapsel einen Affen in den Kosmos geschickt zu haben. Bis zu 120 Kilometer hoch sei er geflogen, bevor er "unbeschadet" zur Erde zurückgekehrt sei. Bereits zuvor wurden Bilder des Raumfliegers veröffentlicht. Darauf hatte das Tier ein hellgraues Fell und einen roten Leberfleck oberhalb seines rechten Auges. Nach der Landung brachte die iranische Nachrichtenagentur Isna ein Foto in Umlauf, das einen Affen mit dunklerem Fell und ohne den markanten Leberfleck zeigt. Bald darauf begannen im Internet Diskussionen über die zwei verschiedenen Tiere. Hat Pischgam die Mission nicht überlebt? Oder ist er im All einem Arzt begegnet, der ihm das Muttermal entfernt hat?

Rätselraten um einen Leberfleck

Wie die israelische Zeitung Haaretz nun unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP berichtet, stamme das Bild des Affen mit Leberfleck aus dem Archiv. Es zeige ein weiteres Tier aus der Trainingsgruppe. Drei bis fünf Affen wären zugleich für den Flug getestet und davon zwei oder drei für den Start ausgewählt worden, wird Mohammad Ebrahimi zitiert, einer der Verantwortlichen des iranischen Weltraumprogramms. Auf der Website des iranischen Weltraumbehörde sind weitere Pressebilder des Tieres ohne erkennbares Muttermal zu sehen.

Der Flug des Affen habe in jedem Fall stattgefunden, sagte Ebrahimi am Wochenende. "Er ist in guter gesundheitlicher Verfassung und der Raumflug hatte keine physischen Folgen für Pischgam." Einige der veröffentlichten Fotos stünden nicht in Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Mission. "Es waren Archivbilder von Affen, die für den Start vorbereitet wurden."

Der US-Astronom Jonathan McDowell bezweifelt das. Es habe zwar einen Flug eines Primaten gegeben, zitiert ihn Haaretz. Aber das zweite Äffchen, dessen Bilder nun kursieren, habe eine andere Geschichte. "Das Tier wurde bei einem Start im Jahr 2011 ins All geschossen. Doch die Rakete stürzte ab und der Affe kam gar nicht bis in den Weltraum."

Würmer im Weltall

Offiziellen Angaben zufolge gab es in dem Jahr weder einen Flug eines Affen, noch eine gescheiterte Mission. Bestätigt sind allerdings Raumflüge mit anderen Tieren. Demnach wurden 2010 erfolgreich eine Maus, eine Schildkröte und Würmer ins All gebracht.

Der Termin für den aktuellen Flug ist nicht zufällig gewählt. Er steht im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 34. Jahrestag der islamischen Revolution von 1979. Laut den Medienberichten sollte der kurze Ausflug von Pischgam Irans ersten bemannten Raumflug vorbereiten. Dieser soll nach den Worten von Präsident Mahmud Ahmadinedschad bis spätestens 2020 stattfinden.

Erschienen im Tagesspiegel