Einschlag in RusslandDer Meteoroid kam aus dem Nichts

War es Weltraumschrott oder ein US-Waffentest? Warum hat keiner den Meteoroiden kommen sehen? Forscher untersuchen Spuren, die der Himmelskörper in Russland hinterließ. von 

Meteore haben das Zeug zur Legende, das zeigte schon die Explosion im Tunguska-Tal im Jahr 1908. An jenem 30. Juni um kurz nach 7 Uhr erhellte ein gigantischer Blitz den Himmel über der ostsibirischen Taiga. Noch in 800 Kilometer Entfernung soll ein dumpfer Knall zu hören gewesen sein. Zeitzeugen berichteten von mehreren Explosionen. Bis heute ist unklar, was dort vor mehr als 100 Jahren explodierte.

Haben Außerirdische uns das Leben gerettet?

Eine der schönsten Theorien dazu kramte der russische Hobbywissenschaftler Juri Labwin im Jahr 2004 hervor: Außerirdische hätten an jenem historischen Tag einen Meteor kurz vor dem Aufprall auf der Erde abgeschossen, um die menschliche Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Labwin behauptete, auf einer Exkursion ins Tunguska-Tal Teile ihres Raumschiffs entdeckt zu haben.

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Und diesmal? Erste Verschwörungstheorien gibt es schon. So verneint der Chef der russischen Liberaldemokratischen Partei Wladimir Schirinowski, dass die Meteorite, die am Freitagmorgen in seinem Land einschlugen und viele Hundert Menschen verletzten, von einem natürlichen Himmelskörper stammen. Er verdächtigt vielmehr die USA, im All über Russland Waffen zu testen.

Der Gesteinsregen als Folge einer Panne der U.S. Army? Wissenschaftler glauben das nicht. Sie halten die Einschläge in Russland weder für menschengemacht, noch für Vorboten des 45 Meter großen Asteroiden namens 2012 DA14, dessen Vorbeiflug in nur 28.000 Kilometer Entfernung für Freitagabend unserer Zeit erwartet wird. "Das ist etwas völlig anderes", sagte ein Sprecher der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. "Flugbahn und Ort des Einschlages sprechen dagegen."

Warum wurde nicht gewarnt?

Könnte es herabstürzender Weltraumschrott gewesen sein, der über Russland verglühte? Theoretisch ja, sagt die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeister. Vergangene Woche sei in Teilen Deutschlands am Abendhimmel das Verglühen einer Sojus-Raketenoberstufe zu beobachten gewesen. Der von Augenzeugen gefilmte Feuerball über dem Ural sei aber eher natürlichen Ursprungs. "Wenn Weltraumschrott verglüht, sieht das anders aus", sagte Hüttemeister. Schrott-Teile in Erdnähe würden außerdem überwacht. "Man weiß, wenn ein solches Teil in die Atmosphäre eintritt." In diesem Fall wusste niemand im Voraus Bescheid.

Dagny Lüdemann
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Dagny Lüdemann leitet das Ressort Wissen, Digital und Studium bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Der Meteoroid über Russland war vermutlich natürlichen Ursprungs, aber einfach zu klein, um vorher entdeckt zu werden, sagt Christian Gritzner, Planetenforscher am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Erst ab einem Durchmesser von 45 bis 50 Metern könnten Teleskope solche Himmelskörper aus mehreren Millionen Metern Entfernung kommen sehen. "Der in Russland war aber schätzungsweise ein oder zwei Meter dick – also winzig", sagte Gritzner ZEIT ONLINE.

Trotzdem war der Himmelskörper groß genug, dass seine Splitter am Boden Schäden anrichteten. Nahe dem See Tschbarkul wurde ein frisch geschlagener sechs Meter breiter Krater entdeckt. Dass nicht noch größere Brocken auf die Erde prallten, liegt daran, dass der Großteil des Himmelskörpers verglühte, während er durch die Atmosphäre stürzte.

Erst in diesem Moment des Atmosphären-Eintritts kam er überhaupt in den messbaren Bereich von Astronomen. Deutsche Forscher haben seine Spuren ausgewertet. "Wir haben jetzt Daten verschiedener Stationen vorliegen", sagte Gernot Hartmann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe der Nachrichtenagentur dpa.

Leserkommentare
  1. 10. [...]

    Vielen Dank für den Hinweis. Die Redaktion/cv

    • Varech
    • 15. Februar 2013 19:10 Uhr

    ... als es noch keine bösen Russen und Amerikaner gab, glaubten Leute, auf den Glutflitzern ritten(!) Teufel. Deshalb heute noch -riten, solange die Dinger oben sind.
    (Dies als Eselsbrücke oder hinreichende Bockleiter).

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Meteorid und Meteorit"
  2. 12. [...]

    Der Fehler wurde mittlerweile behoben. Danke. Die Redaktion/cv

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Marü09
    • 15. Februar 2013 19:20 Uhr

    Vielleicht hilft Ihnen das ja weiter, bin mir aber auch nicht ganz sicher, wie seriös und 'wissenschaftlich' das Ganze wohl ist :))
    http://www.astronomia.de/index.htm?http://www.astronomia.de/meteor.htm

    • m123
    • 15. Februar 2013 19:51 Uhr

    Singular: Meteoroid
    Plural: Meteoroide oder Meteoroiden
    Bedeutung: kleinerer interplanetarer Körper
    http://www.duden.de/rechtschreibung/Meteoroid

    Singular: Meteorit
    Plural: Meteoriten
    Bedeutung: in die Erdatmosphäre eindringender kosmischer Körper, der unter vollständiger oder teilweiser Verdampfung die Leuchterscheinung eines Meteors hervorruft
    http://www.duden.de/rechtschreibung/Meteorit

    • pat
    • 15. Februar 2013 19:12 Uhr

    nur Filem, Fotos von dem Flugkörper im Anflug. Warum gibt es keine Bilder von der Einschlagstelle? Das ist komisch, nicht mehr und nicht weniger.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tom1972
    • 15. Februar 2013 19:31 Uhr

    um Ihre Frage selbst zu beantworten bzw. um sich selbst zu beweisen, dass Sie unrecht haben?

    Dies ist ein wichtiges Instrument eines Wissenschaftlers und eines Ermittlers.

    Es ist überhaupt nicht komisch, dass es keine große Einschlagstelle gibt. Kleine Einschlagstellen wurden ja bereits gefunden, so gibt es Bilder eines kreisrunden Lochs in der Eisdecke eines Sees. Und große Einschlagstellen gibt es nicht, weil der Meteorit in der Atmosphäre verglüht ist. Bei einem Tempo von 30 km/s steckt in jedem Kilo des Meteoriten die Energie von über 100 Kilo TNT!

    Wenn man sich die Filme vom Eintreffen des Meteoriten anschaut, sieht man ja, dass er erst leicht glimmt (da ist er noch in hohen Luftschichten, so dass er kaum aufgeheizt wird), dann plötzlich extrem hell wird (genau in diesen Sekunden verglüht er!) und dann wieder dunkler wird (da fliegen kleine Bruchstücke weiter, die das Glück hatten, aerodynamisch so geformt zu sein, dass sie sich gerade nicht hoch genug aufheizten, um zu verdampfen). Und man sieht, dass die Flugbahn NICHT bis zum Boden führt, sondern deutlich höher endet.

    Fazit: Kein größerer Teil des Meteoriten hat es bis zum Erdboden geschafft. Der ist in der Luft komplett verglüht. Nur kleine Teile haben es zum Boden geschafft. In Form von Staub wird der Meteorit über die nächsten Monate verteilt runterrieseln. Bis dahin macht der Staub das Wetter etwas kälter und in den nächsten Tagen die Sonnenauf- und Untergänge über Russland auch deutlich dramatischer.

    Jag

    • habitus
    • 15. Februar 2013 19:18 Uhr

    [...]
    Aber ansonsten ist der Artikel "erste Sahne" ;-)

    Gekürzt. Vielen Dank für den Hinweis. Die Redaktion/cv

    • Marü09
    • 15. Februar 2013 19:20 Uhr
    16. Quelle

    Vielleicht hilft Ihnen das ja weiter, bin mir aber auch nicht ganz sicher, wie seriös und 'wissenschaftlich' das Ganze wohl ist :))
    http://www.astronomia.de/index.htm?http://www.astronomia.de/meteor.htm

    Antwort auf "[...]"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Russland | Asteroid | Kasachstan | USA | Bochum | Taiga
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