Säugetier-EvolutionUnser ältester Vorfahr war ein vierbeiniger Insektenfresser

Klein, pelzig, putzig: Forscher haben das Ursprungsgeschöpf aller höheren Säugetiere rekonstruiert. Nie zuvor wurden dafür so viele DNA- und Fossiliendaten untersucht. von 

So stellt sich ein Künstler den Vorfahr aller heutigen Säugetiere vor, die weder Eier legen noch Beuteltiere sind. Das kleine Tierchen ernährte sich wohl vor mehr als 60 Millionen Jahren vor allem von Insekten.

So stellt sich ein Künstler den Vorfahr aller heutigen Säugetiere vor, die weder Eier legen noch Beuteltiere sind. Das kleine Tierchen ernährte sich wohl vor mehr als 60 Millionen Jahren vor allem von Insekten.  |  © Carl Buell

Bis zu einem halben Pfund schwer, mit Fell und pelzigem Schwanz und vielleicht von ähnlicher Statur wie eine Ratte. So huschte das Geschöpf, von dem wohl alle höheren Säugetiere abstammen, vor mehr als 60 Millionen Jahren übers Land. Davon ist ein Team internationaler Wissenschaftler nach sechs Jahren Forschung überzeugt.

Die Biologen untersuchten genetische und fossile Daten sowie mehr als 4.500 körperliche Merkmale von mehr als 40 ausgestorbenen und 46 noch lebenden Arten. Herausgekommen ist die Rekonstruktion eines Lebewesens, dass am Anfang der Evolution von so unterschiedlichen Tieren wie Nagern, Elefanten, Walen und dem Menschen steht. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Embryonen in der Gebärmutter des mütterlichen Körpers über eine Plazenta ernährt werden. Daher werden sie auch als Plazentatiere bezeichnet.

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Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass die ersten Vorfahren dieser Tiere im Mesozoikum auftauchten, das vor rund 250 Millionen Jahren begann und vor rund 66 Millionen Jahren mit dem Massensterben der Dinosaurier und anderer Arten endete. Die Analyse der Wissenschaftler ergab, dass die Plazentatiere erst 200.000 bis 400.000 Jahre nach dem Niedergang der Dinosaurier auftauchten.

Ihre Studie bestätigt damit das sogenannte Explosiv-Modell. Dieses besagt, dass die höheren Säugetiere in dem radikal veränderten ökologischen Umfeld nach dem großen Massensterben, das durch den Einschlag eines riesigen Asteroiden ausgelöst wurde, die ökologischen Nischen besetzten, die mit dem Verschwinden der Dinosaurier und anderer Tiere freigeworden waren.

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Leserkommentare
    • mehrmut
    • 08. Februar 2013 1:29 Uhr

    Mit Verlaub, was Sie schreiben ist nicht besonders durchdacht.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, finden Sie "radikal veränderte ökologische Umfelder" offenbar grundsätzlich nicht weiter schlimm, und um die Umwelt besorgte Menschen sollen sich gefälligst nicht so anstellen. Zwischen den Dinosauriern und "unserer Spezies" gibt es aber einen gewaltigen Unterschied. Nach allem, was man weiß, sind die Dinosaurier nicht durch eigenes Verschulden ausgestorben, sondern durch eine verheerende Naturkatastrophe (nach gängiger Theorie ein Meteoriteneinschlag mit dramatischen globalen Folgen). Solche katastrophalen Ereignisse können auch wir Menschen kaum verhindern; wenn so etwas erneut passieren sollte, ist es eben Schicksal (und die nächste Gattung bekommt ihre Chance, die freigewordenen Nischen zu besezten).

    Auch wenn wir gegen kosmische Katastrophen machtlos sind, können wir zumindest versuchen, die Umwelt, wie wir sie kennen, nicht so zu verändern, dass wir uns unsere eigene Lebensgrundlage entziehen. Damit ist nicht nur die Erderwärmung gemeint (ich nehme an, Sie gehören zu denen, die den menschlichen Einfluss anzweifeln), sondern auch ganz einfache Dinge wie Abholzung von Wäldern oder Überfischung der Meere.

    Denken Sie lieber noch mal nach, bevor Sie radikal veränderte ökologische Umfelder derart verharmlosen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nun..."
  1. Wir stammen also von einer Art pelziger, Insekten fressender Ratte ab. So krass hat es nicht einmal Günter Grass ("Die Rättin") formuliert. Aber die Evolution, die wird's schon richten.
    In ein paar Millionen Jahren wird die Menschheit nicht mehr da sein oder sich in einen anderen Zustand verwandelt haben, der einer dann recht feindlichen Umwelt (Wüste oder Salzwasser) dann explosiv angepasst haben wird. Und wir alle freuen uns jetzt schon, dass wir das nicht mehr erleben dürfen. Fröhliche Wissenschaft!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gefällt Ihnen die Vorstellung nicht, dass wir von einer Ratte abstammen? Den Creationisten in den USA gefällt es nicht mal, dass wir und die Affen gemeinsame Vorfahren hatten. So einmalig sind wir nicht. Auch wenn Sie sich dafür halten. Wir sollten die Realität nicht für eine Schein-Realität, in der wir besser wegkommen, austauschen.

  2. Umgekehrte Evolution geht nicht. Rückwärtsblicke auf gemeinsame Vorfahren sind keine Evolution, sondern deterministische Betrachtungen, mit für uns umgekehrtem Zeitpfeil. Wenn schon Evolution, dann ganz ganz richtig ;-)

    • Kiebitz
    • 08. Februar 2013 9:17 Uhr

    .., auf dem Weg zur Schaffung seines Ebenbildes, als das er sich dann schließlich inkarnieren wollte, den Millionen Jahre langen Umweg über einzellige Lebewesen, devonische Panzerfische und solche putzigen "Urspitzmäuse" einzuschlagen... :-)

    Eine Leserempfehlung
  3. Es lohnt, den Artikel im Kontext zu http://www.zeit.de/2012/41/Vier-Grad-Klimapolitik-Klimawandel zur Klimakatastrophe zu lesen. Da ist dieser ein echter Muntermacher, denn:
    - Radikal veränderte Lebensbedingungen (Asteroiden-Einschlag, Klimawandel) sind keine Katastrophen, sondern Herausforderungen, die man zum eigenen Vorteil nutzen sollte. Diese Aussage kann jeder BWL-Student im 3. Semester bestätigen.

    - Die Bedeutung einer Art oder Gattung für die Bewahrung des Lebens auf der Erde wird generell überbewertet. Das sollte endlich den Druck von der Menschheit nehmen, die sich damit quält, sich stets zu vergegenwärtigen, das Richtige (Müll trennen, Energie sparen) zu tun und das Falsche (Fernreisen, Atomkraftwerke, Fleischkonsum) zu lassen.

    - Noch hat die Erde genug Zeit, verschiedenste Formen des Lebens hervorzubringen, da ja erst 4.5 Mrd. Jahre vergangen sind und wir ja noch 4.5 Mrd. Jahre Zeit haben, ehe die Sonne sich bis zur Umlaufbahn der Erde ausdehnt. Dies ist jedem Fußballfan klar, da ja ein Spiel bekanntlich 90 Minuten dauert. (Bayern:Manchester, Finale CL / Deutschland:Schweden, WM-Quali)

    - Gott erweist sich als wesentlich experimentierfreudiger, geduldiger und weitaus weniger Homo-Sapiens-fixiert, als allgemein bekannt ist. Sollten Theologie-Studierende diese Erkenntnis tatsächlich einmal durchdrungen haben, würden Sie nicht mehr ihr Stdudium zu Ende bringen und weiterhin Taxi fahren bzw. den Latte servieren.

    In diesem Sinne: SCHÖPFUNG .... WEITERMACHEN!

    Eine Leserempfehlung
    • tsnud
    • 08. Februar 2013 10:13 Uhr
    14. Nunja

    der eine sieht das ganze aus dem Sichtfeld des Menschens, der andere nicht. Man kann den Blickwinkel immer weiter vergrößern, irgendwann ist es dann normal das sich das ganze System selbst reguliert.

    Schaut man sich Hasen im Feld an, so können diese sich unbegrenzt vermehren und tun dies auch. Bis irgendein limitierender Faktor erreicht ist. Irgendwann gibt es zuviele Hasen so das keine Nahrung mehr da ist und alles, mit Verlaub, zugeschissen. Was dann? Abwandern oder die Hasenanzahl durch sterben soweit verringern bis wieder überleben möglich ist. Das Ganze kann man so auch auf den Menschen und seine Erde projezieren. Die angeblich so warme und freundliche "Mutter" Natur intressiert sich für sowas nicht, sie ist einfach. Einzelschicksale sind für uns tragisch, aber im größeren Kontext irrelevant. So wie eigentlich alles... aber nun wirds zu philosophisch. ;)

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    Antwort auf "Nun..."
  4. "King crab, Hummer, shrimps. etc"

    Schauen sie lieber noch mal nach, was genau eigentlich Insekten sind.

    Ansonsten steht im Text, dass die ersten Säugetiere erst nach dem Aussterben der Dinosaurier aufgetaucht sind.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Insektenesser?"
    • fhirsch
    • 08. Februar 2013 11:08 Uhr

    Na ja, wenn Sie kein Problem mit dem Aussterben haben...

    Irgendjemand wird schon unsere biologische Nische besetzen; vielleicht eine Riesenkakerlake, die sich von Atommüll ernährt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nun..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Asteroid | Dinosaurier | Embryo | Evolution | Forschung | Körper
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