Astronomie : Teleskop Alma soll tiefer denn je ins Weltall blicken

Kosmischer Staub versperrte bislang die Sicht auf weit entfernte Objekte im All. Ein neues Teleskop in Chile erleichtert Astronomen den Durchblick.

Wie wird ein Stern geboren? Wie entsteht eine Galaxie? Und wie formen sich Planeten? Das Rätsel um die Anfänge des Universums beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten. In der Atacama-Wüste im Norden von Chile will eine Gruppe aus japanischen, europäischen und amerikanischen Astronomen der Lösung näher kommen: Hier, an einem der trockensten Orte der Erde, wird heute das Weltraumteleskop Atacama Large Millimeter Array (Alma) eröffnet. Mit ihm wollen die Forscher entlegene Regionen des Weltalls erkunden.

Im Gegensatz zu den meisten Teleskopen fängt es nicht sichtbares Licht ein, sondern Strahlen mit Wellenlängen im Submillimeter-Bereich. Solche Strahlen stammen meist von Sternen im All, die mitunter Milliarden von Lichtjahren entfernt und von kosmischen Staubwolken verdeckt sind.

Staubkörner stören Astronomen bei der Erforschung des Universums. "Sie verschlucken sichtbares Licht, weil sie in etwa die gleiche Größe haben wie dessen Wellenlänge", sagt Thomas Wilson, der jahrelang für die Europäische Organisation für Astronomie (ESO) in Alma gearbeitet hat. Im Submillimeterbereich hätten die Staubkörner dagegen eine geringe Wirkung. "Mit Strahlen im Submillimeterbereich können wir also auch die Orte im All anschauen, die sich hinter kosmischem Staub verstecken."

Normalerweise werden diese Strahlen bei der Ankunft in der Erdatmosphäre von Wasserteilchen geschluckt. Damit sie Alma überhaupt erreichen, steht es in der extrem trockenen und hochgelegenen Atacama-Wüste, in der die Luft kaum Wasserdampf enthält.

Ein Spiegel aus 66 Antennen

Die Auflösung des Teleskops ist vergleichbar mit einem Haar, das man quer durch ein Fußballstadion noch erkennen könnte. Und zwar auf das Hundertstel seiner Breite genau. Diese Präzision verdankt Alma einem Trick: Statt einer einzigen unbeweglichen Antenne bauten die Ingenieure und Astronomen 66 mobile Antennen per Computer zu einem großen "Spiegel" zusammen, der im Maximum einen Durchmesser von 15 Kilometern hat.

Die Bauteile des Teleskops stammen aus Japan, Europa und Amerika. Die Baukosten von rund 1,3 Milliarden Dollar tragen die Projektpartner gemeinsam. Für das Projekt haben sich Ingenieure, Astronomen, Chemiker, Informatiker mit verschiedensten Spezialisierungen und aus verschiedensten Ländern zu einem eigenen kleinen Volk zusammengeschlossen. "Manchmal ist es hier wirklich wie beim Turmbau zu Babel. Alle sprechen andere Sprachen und jeder spricht Englisch mit einem kuriosen Akzent", sagt Lorenzo Martinez, der als Ingenieur am Supercomputer arbeitet, der Alma steuert.

"Die größte Herausforderung in Alma ist die kulturelle", sagt Denis Barkats, der als französischer Astronom in Alma arbeitet. Mindestens die Hälfte der Fehler beim Bau des Teleskops sei auf Kommunikationsprobleme zwischen den verschiedenen Forscherteams zurückzuführen. "Und wir reden hier über Sachen, die richtig Geld kosten."

Andererseits hat es auch Vorteile, wenn viele verschiedene Länder sich an einem großen Projekt beteiligen. "Wir haben hier spezielle Antennen aus Japan, Kalibrierungssoftware aus Deutschland und so weiter. Quasi das Beste aus allen Ländern", sagt Juán Cortes, der als einer der ersten Chilenen in Astronomie promoviert hat. "Das ist eine einzigartige Chance."

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Bessere Formulierung?

Anderer Versuch, wieder Fußballstadien:
Wenn ihre Augen ALMA wären, könnten sie in einer Distanz der Länge von ca 100 Fußballstadien immer noch einen Haarriss im Beton des 101 Stadions als einen solchen erkennen.

Aber mal was anderes:
"Im Gegensatz zu allen bisher gebauten Teleskopen fängt es nicht sichtbares Licht ein, sondern Strahlen mit Wellenlängen im Submillimeter-Bereich. "

Wie man es dreht und wendet... es gibt jede Menge Radioteleskope (also Teleskope die nicht-Sichtbares Licht einfangen) neben ALMA.

Radioteleskope

Das ist kein Radioteleskop, sondern eher eine Teleskop für entferntes Infrarot, fast Mikrowellen (Radar). Die gucken durch jeden Staub durch und haben zudem noch eine wellenlängenbedingte viel bessere Auflösung als Radioteleskope, mit denen Sie in Ihrem Beispiel keine Haarrisse erkennen könnten. Andererseits könnte "Nicht-sichtbares Licht" z.B. auch "Röntgenstrahlung" bedeuten, was aber jetzt mit dem Artikel nichts zu tun hat.

Brauchen wir das?

Ich bin ganz und gar nicht technikfeindlich. Auch für die Entstehung unserer Erde und des Universums interessiere ich mich. Aber wenn ich sehe, wie viele Menschen auf unserer Erde leiden und sterben, durch Krankheit und Not, frage ich mich wirklich ob wir das brauchen, oder ob wir dieses Geld nicht besser in andere Forschungsfelder investieren sollten.

Je weiter weg wir schauen, desto weiter entfernen wir uns von unserer Realität. Wir sollten uns mehr um unsere Probleme im Hier und Jetzt kümmern, als E.T. zu finden, denn wir mit unserem heutigen Technikwissen, auch in den nächsten Tausend Jahren, nicht besuchen werden können.

Um einigen Kritikern zuvor zu kommen: Grundlagenforschung ist das nicht (mehr)!

Hallo sriegert

Sicher könnte man das Geld besser anlegen und nach anderen Dingen forschen.
Man könnte es aber auch viel schlechter anlegen und z.B. nach besseren Waffen forschen, die die Existenz unserer Erdkugel bedrohen könnten.

Ich finde es toll, was manche Wissenschaftler leisten können.
Wenn ich dagegen die Wirtschastswissenschaftler betrachte - die Bauen sich geistige Telescope und schauen in die Vergangenheit.

Würde so ein Wirtschaftswissenschaftler bei den wirklichen Wissenschaftlern mitarbieten müssen, dann kämen solche Theorien heraus:
"Unterstellt man, daß die Erde eine Scheibe ist und unterstellt man, daß die Scheibe auf einem Ozean schwimmt, dann gibt es theortisch unendlich viele Fische die man fangen kann. Also lasst und Schiffe bauen und Netze auswerfen - damit werden wir den Hunger besiegen"

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"Würde so ein Wirtschaftswissenschaftler bei den wirklichen Wissenschaftlern mitarbieten müssen, "

Die arbeiten dort schon von Anfang an mit. Oder wer glauben sie besorgt das notwendige Geld, zahlt die Löhne und Rechnungen, macht die Personalabrechnung, die Finanzplanung, die Personalverwaltung, die Vertragsgestaltung und achtet darauf das die Ausgaben im Rahmen bleiben? (nur ein kleiner Überblick)
Da sind genügend BWLér dabei und bei großen Projekten auch ab und zu ein VWLér.
Insbesondere bei Naturwissenschaftlern muss man immer wieder auf die Ausgaben achten. Geld spielt ja keine Rolle mehr wenn da neue "Spielzeug" nur toll genug ist.

Es haben beide Seiten ihre Berechtigung.