In Niedersachsen sind belastete Futtermittel entdeckt worden. 3.560 Höfe im Bundesland verfütterten Mais an Rinder, Schweine und Geflügel, der mit krebserregendem und als hochgiftig geltendem Schimmelpilz verseucht war. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium teilte mit, eine Gefahr für Verbraucher sei wegen der starken Verdünnung des Pilzgiftes "unwahrscheinlich". Das belastete Futtermittel stammte aus Serbien, wo bereits im großen Stil belastete Milch entdeckt und vom Markt genommen worden war. Auch andere Balkan-Staaten sind betroffen und mussten Milch vernichten, wie ZEIT ONLINE kürzlich berichtete.

Nach Deutschland gelangte das belastete Viehfutter auf dem Seeweg. Mindestens 10.000 Tonnen des mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 kontaminierten Maisfutters seien über Futtermittelhersteller nun auch in Deutschland in Umlauf gekommen, hieß es weiter. 13 Futtermittelhersteller in Niedersachsen haben den belasteten Mais zur Herstellung von Mischfuttermitteln für Rinder, Schweine und Geflügel verarbeitet. Das Futter ging wohl auch an 14 Höfe in Nordrhein-Westfalen. Schon eine geringe Überschreitung der Höchstmenge im Futtermittel könnte zum Beispiel zu einer kritischen Belastung von Rohmilch führen. Der Mais wird üblicherweise zu Mischfutter verarbeitet.

Aflatoxine sind Giftstoffe, die von Pilzen produziert werden. Sie gelangen in die Nahrungskette, wenn Pilzsporen sich bei der Ernte in Mais, Reis, Trockenfrüchten, Nüssen oder ähnlichen Produkten ausbreiten. Über das Tierfutter nehmen dann auch Nutztiere die Gifte auf und geben sie etwa an die Milch ab. Die jetzt entdeckte Variante Aflatoxin B1 wird von den Schimmelpilzarten Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus gebildet.

Pilzgift verdünnt sich in Milch und Fleisch

Eine Gefährdung für Verbraucher in Deutschland sieht das Ministerium derzeit nicht. Weder Fleisch- noch für Milchprodukte seien bedenklich. "Nach einer ersten vorläufigen Einschätzung ist eine Belastung der Muskulatur (Fleisch) bei allen Tierarten und Nutzungsgruppen oberhalb der geltenden Höchstgrenze nicht zu erwarten", teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium in Hannover mit. Auch gefährlich Belastungen in Trinkmilch sei dereit nicht zu erwarten. Da Molkereien ihre Milch von verschiedenen Höfen abholen und sie dann vermischen. Mit dem Pilzgift belastete Milch wurde dementsprechend verdünnt. Dennoch soll es nun mehr Kontrollen geben. Die Produkte aller betroffenen Betriebe würden nun vorsorglich untersucht.

Insgesamt seien 45.000 Tonnen Mais über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden. 10.000 Tonnen seien in Brake, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen gesperrt worden. Neben Niedersachsen sind dem Ministerium zufolge auch noch geringe Mengen nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen geliefert worden. 

In verschiedenen Balkan-Staaten wurde zuletzt tonnenweise Milch aus den Regalen genommen, die mit Aflatoxinen belastet war. Dort überschritt der gemessene Wert in der Milch zulässige Grenzwerte. In der EU gelten derzeit keine einheitlichen Höchstwerte der Pilzgift-Belastung in Futter- und Lebensmitteln. Schon Monate zuvor war in Osteuropa mit dem Pilzgift belasteter Mais gefunden worden. Weil Verbraucher dort sehr spät und nur unzureichend informiert wurden, weitete sich der Fall dort zu einem länderübergreifenden Skandal aus.