Kabinettsbeschluss : Regierung will anonyme Geburt abschaffen

Frauen sollen Babys künftig unter einem Pseudonym zur Welt bringen dürfen. Die Regierung will erreichen, dass die Kinder später die Namen der Mutter erfahren könnten.

Die Bundesregierung will Frauen eine vertrauliche Geburt ermöglichen und damit eine Alternative zur anonymen Geburt und den Babyklappen schaffen. Das Kabinett verabschiedete dazu einen Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).   

Statt ihren Namen zu verheimlichen, kann die Mutter ein Pseudonym nennen, unter dem sie das Kind zur Welt bringt und zur Adoption freigibt. Ihre wahren Daten hinterlegt die Mutter in einem verschlossenen Umschlag beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Dort kann das Kind sie einsehen, wenn es 16 Jahre alt wird. Denn dann hat es ein Recht auf Kenntnis der mütterlichen Identität. 

Dem Gesetzentwurf zufolge sollen die Frauen vor der Geburt eine "umfassende, niederschwellige und ergebnisoffene Beratung" erhalten. So will die Regierung den Schwangeren die Chance geben, sich doch für ein Leben mit dem Kind zu entscheiden. Erst wenn sie die nicht wahrnimmt, wird die vertrauliche Geburt angeboten. 

Bisher war in einem Teil der deutschen Krankenhäuser anonyme Geburt möglich – Mütter verheimlichen ihre Identität dann völlig.   

Ministerin Schröder will mit der Neuregelung vermeiden, dass Mütter ihre Kinder heimlich zu Hause zur Welt bringen und sich sowie ihr Baby dabei in Gefahr bringen. Außerdem will sie verhindern, dass Frauen ihr Neugeborenes aussetzen oder töten. Das neue Gesetz soll zum 1. Mai 2014 in Kraft treten.

Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) entbanden zwischen 1999 und 2010 nahezu 1.000 Mütter anonym oder legten ihr Kind in eine Babyklappe. Bis zu 35 Kinder pro Jahr werden direkt nach der Geburt ausgesetzt oder getötet. 

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Kommentare

49 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

@SubspaceEcho: Anonyme Geburt gibt es nicht in allen Kliniken

Wenn die neue Regelung in allen Krankenhäusern gilt, ist es vielleicht niedrigschwelliger, dorthin zu gehen anstatt heimlich zu entbinden.
Die Babyklappe hat angeblich auch nicht die Kindstötungen vermindert, warum sollten sie _wieder_ zunehmen?
Manche Menschen erreicht man durch keine Maßnahme, fürchte ich.
Ich finde allerdings, daß man von Frauen in Notsituationen auch erwarten kann, Eigeninitiative zu ergreifen. Alles andere wäre paternalistisch.
Die bisherige Praxis war jedenfalls Beihilfe zum Gesetzesbruch.

Frau Schröders "Argumentation" wundert mich lange nicht mehr

Eine Frau, die von sich behauptet, Sie weigere sich, Familien vorzuschreiben, wie Sie Ihre Kinder erziehen sollen und mit diesem Argument Ihre Ablehnung der flächendeckenden Versorgung mit KiTa-Plätzen begründet, kann mich auch an anderen Stellen nicht von Ihrer geistigen Gesundheit überzeugen.

Wenn ich als Mutter anonym bleiben will, dann werde ich das Kind zuhause gebären und dann vor der nächsten Kirche/Krankenhaus ablegen.

Das wird wahrscheinlich das Ergebnis dieses Vorstoßes werden.

Und mal ganz dumm gefragt, was ist denn mit diesen "echten" Findelkindern:
Haben diese neben dem Recht auch die Möglichkeit den Namen zu erfahren?
Wenn die Mutter den Vater nicht nennt gibt es keine Möglichkeit des Zugriffs auf diese Information und er wird auf immer geheim blieben. Was dann? Die Mutter auf Preisgabe des Namens verklagen? Mit welchen Bußen würde die Nichtnennung belegt?
Warum soll ich als Elternteil nicht auch das Recht haben, meine Elternschaft zu verheimlichen, zählen denn mein Persönlichkeitsrechte gar nichts? Insbesondere wenn ich sowieso weiß, dass ich mein Kind zur Adoption freigeben werde und nie wieder mit diesem in Kontakt kommen möchte. Warum soll mir dann die Bekanntschaft aufgezwungen werden?

Informieren Sie sich bitte

Ja, das Recht des Kindes wiegt mehr als das Persönlichkeitsrecht der Eltern. Warum? Na, die Eltern können sich aussuchen, ob sie Eltern werden wollen oder nicht. Das Kind hat keine Wahl, wenn es erstmal gezeugt und geboren ist. Diese Informationen sind frei zugänglich, niemand hindert Sie daran, sich aufzuschlauen.

Wenn eine Mutter den Namen des Vaters verschweigt, wird sie auch keine Leistungen vom Staat bekommen, der möchte nämlich wissen, bei wem er sich ggf. den Unterhalt zurückholen kann. Und welche alleinerziehende Mutter kommt schon ohne staatliche Leistungen aus? Auch diese Information ist frei zugänglich.

Von Staats wegen sollte man also die Anzahl der "echten" Findelkinder begrenzen und nicht noch Möglichkeiten schaffen, diese Anzahl zu erhöhen. Die Prävalenz von Kindstötungen ist sehr gering, und Frauen, die dieses in Panik tun, gehen nicht zur Schwangerenberatung und fahren nicht in ein Krankenhaus und auch nicht zu einer Babyklappe.

Die Babyklappen haben kein Kind gerettet.

Was wurde aus den 200 verschwundenen Kindern, die in die Klappen geliefert wurden und spurlos verschwunden sind?

Hier werden alle Schranken eingerissen, die noch eine Mutter ihr Unrecht erkennen lassen.

terre des hommes hat eine umfangreiche Stellungnahme verfasst:

Vertrauliche Geburt: Aktueller Gesetzentwurf ist unzureichend

Die Bunderegierung hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, wonach Mütter vertraulich entbinden können. In einer Stellungnahme kritisiert terre des hommes das Gesetz. …

Gibt es nicht

Man kann doch bereits vor der Geburt zum Jugendamt gehen und sagen, hej, ich bin ungewollt schwanger, ich kann ein Kind jetzt überhaupt nicht gebrauchen, ich möchte es gleich nach der Geburt zur Adoption freigeben. Da gibt es keine Sanktionen.

Natürlich würde man im Jugendamt erstmal Gespräche anbieten, ob es mit den diversen möglichen Hilfen vielleicht doch einen Weg gibt, das Kind selbst großzuziehen. Genauso ist es ja auch, wenn Eltern offensichtlich überfordert sind oder das Kindeswohl gefährdet ist. Aber wenn die Eltern das Kind zur Adoption freigeben wollen, dann können sie dieses tun.

Frauen, die ihre Kinder nach der Geburt töten, sind meist in einer absoluten psychischen Ausnahmesituation und werden von den meisten Hilfeangeboten gar nicht erreicht. Babyklappen verlocken nur dazu, den unbequemen Weg übers Jugendamt zu vermeiden und damit dem Kind die Möglichkeit zu nehmen, sein Recht auf Kenntnis der Herkunft wahrzunehmen.