Die havarierte japanische Atomanlage Fukushima kommt auch zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben und dem anschließenden Tsunami nicht aus den Schlagzeilen. In letzter Zeit häufen sich die Pannen, auch am heutigen Sonntag hat es wieder einen Zwischenfall gegeben. Aus einem unterirdischen Sammelbehälter sei möglicherweise radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten und in den Boden eingedrungen, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. In Wasserproben außerhalb des Behälters seien radioaktive Werte gemessen worden. Es sei somit zu befürchten, dass eine kleine Menge Wasser aus dem Behälter ausgetreten sei, obwohl in dem Tank selbst kein niedrigerer Wasserpegel festgestellt worden sei.

Erst in der Nacht zum Samstag waren nach Tepco-Angaben bis zu 120 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem anderen unterirdischen Tank ausgetreten. Das Becken steht den Angaben zufolge jedoch etwa 800 Meter vom Ufer entfernt, weshalb der Betreiber es für unwahrscheinlich hielt, dass verseuchtes Wasser bis ins Meer gelangte. Ob es ins Grundwasser gelangt ist, teilte der Betreiber nicht mit.

Am Freitag war eines der Kühlsysteme für Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe für drei Stunden ausgefallen. Nach einer Überprüfung wurde die Anlage nach Angaben von Tepco wieder in Betrieb genommen. Mutmaßliche Ursache seien technische Arbeiten gewesen. Im März waren vier Kühlbecken für 30 Stunden ausgefallen, nachdem eine Ratte einen Kurzschluss in der Schaltanlage verursacht hatte.

Nach einem Beben der Stärke 9,0 und einem mehrere Meter hohen Tsunami waren vor zwei Jahren der Strom und die Notstromversorgung zusammengebrochen. In den Reaktoren 1 bis 3 kam es zu Kernschmelzen. Große Mengen Radioaktivität traten aus. Wasserstoffexplosionen haben zudem die Außenhüllen der Blöcke 1, 3 und 4 schwer beschädigt.

Unmittelbar nach der Havarie der Anlage gelangte etwa ein Zehntel von der Menge an Radioaktivität in die Umwelt, die durch den bislang schlimmsten Atomunfall der Geschichte in Tschernobyl im Jahre 1986 freigesetzt wurde. Noch immer gelangen vereinzelt radioaktive Partikel von der Anlage in die Umwelt. Daher plant Tepco derzeit den am stärksten beschädigten Reaktorblock 3 mit einer Stahlkonstruktion und einer luftdichten Kunststoffhülle einzuhausen. Um Reaktor 1 ist dies bereits gelungen. Eine weitere Einhausung für das freiliegende Abklingbecken von Block 4 ist in Planung. Ende des Jahres sollen die ersten Brennelemente aus dem Reaktor geborgen werden.

Ende 2011 verkündete die japanische Regierung, das Kraftwerk Fukushima Daiichi sei unter Kontrolle. Dennoch bleibt die Anlage äußerst anfällig, insbesondere für den Fall eines neuen Erdbebens oder Tsunamis. Zahlreiche provisorische technische Hilfsmittel in der Anlage, mit denen die Sicherheit garantiert werden soll, gelten als störanfällig.