Deutsche UniversitätenDAAD lehnt zusätzliche Gebühren für ausländische Studenten ab

Um weltweit attraktiv zu bleiben, brauchen deutsche Unis mehr ausländische Studenten, sagt die Austauschorganisation DAAD. Gebühren für Ausländer seien dabei hinderlich. von Sarah Schaschek

Um als Wissenschaftsstandort attraktiv zu bleiben, braucht Deutschland im kommenden Jahrzehnt aus Sicht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) rund ein Drittel mehr internationale Studierende. Bis zum Jahr 2020 müsste ihre Zahl auf 350.000 steigen, wenn Deutschland neben den USA, England, Frankreich und Australien weiterhin zu den fünf beliebtesten Studienländern der Welt zählen will, sagte DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel am Montag in Berlin. Ein weiteres Ziel der "Strategie 2020" des DAAD ist es, die Quote der deutschen Studierenden, die für ein Semester oder länger ins Ausland gehen, auf 50 Prozent zu steigern. Bislang sammelt nur ein Drittel Auslandserfahrungen.

Für beide Gruppen will der DAAD zusätzliche Stipendiengelder bereitstellen. Gleichzeitig plädierte Wintermantel für eine "ehrliche" Studienplatzfinanzierung" für Gaststudierende in Deutschland. Studiengebühren für Ausländer lehnt der DAAD ab. Den aktuellen Beschluss der staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, ab dem kommenden Semester Gebühren für Studierende ohne EU-Pass einzuführen, möchte eine Sprecherin des DAAD auf Anfrage nicht kommentieren. An der Haltung des Akademischen Austauschdienstes besteht dennoch kein Zweifel: "Wir wollen nicht, dass Universitäten mit Studiengebühren für Ausländer ihre Finanzierungsprobleme lösen." Wenn Deutschland mehr ausländische Studierende wolle, seien Studiengebühren kontraproduktiv. Stattdessen sollten die Hochschulen eine staatliche Betreuungspauschale erhalten, um die Kosten für internationale Studierende ausgleichen zu können, sagte Wintermantel. Dafür müsse das Kooperationsverbot von Bund und Ländern aufgehoben werden.

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Nachholbedarf haben die deutschen Hochschulen bei der Betreuung ausländischer Studierender. Während 75 Prozent der deutschen Studierenden die Uni abschließen, sind es nur 55 Prozent der "Bildungsausländer", ein großer Teil bricht das Studium ab. Gerade in den Ingenieurwissenschaften, die besonders von ausländischen Studierenden nachgefragt werden, müssten die Hochschulen zusätzliche Beratungsangebote schaffen, sagte Wintermantel.

Um ihrem Anspruch gerecht zu werden, sich zunehmend zu internationalisieren, sollten die Universitäten unter anderem mehr englischsprachige Masterstudiengänge einrichten und mehr Doktoranden aus dem Ausland anwerben. Verstärkte Aktivitäten wünscht sich der DAAD auch bei der Kontaktpflege zu ehemaligen Gaststudierenden.

Als Erfolg im Umgang mit aktuellen Krisen sieht Wintermantel die Transformationspartnerschaften mit den Ländern des Arabischen Frühlings. Kosten für duale Studien-Programme, die in Griechenland, Spanien und Italien wegen der Finanzkrise eingefroren wurden, übernimmt der DAAD aus einem Sonderfonds.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Ich bin eigentlich auch der Meinung des DAAD.
    An der Hochschule Darmstadt, sowie an der Göthe Uni Frankfurt hatte ich den Eindruck, dass die Anzahl der Studenten, die ein Auslandssemester gemacht haben geringer war, als die Zahl der Studenten, die für ein Gastsemester studiert haben.

    Das würde ja bedeuten, dass mehr Studenten aus Deutschland raus wollen, als rein wollen (trotz "kostenlosem" Studium - Die Kosten für die ausländischen Studenten sind ja trotzdem meist höher, als bei ihnen Zuhause).

    Es wäre auch schön, wenn man Deutschland für mehr Länder als Studienort attraktiv machen könnte, denn nach meiner eigenen Erfahrung kommen die meisten Auslandsstudenten doch aus östlichen Ländern, wie Indien und Pakistan und weniger aus Ländern der EU.

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    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/statistik-der-hochschulen-fast-...

    Naja, da war meine Einschätzung zu den Herkunftsländern wohl falsch. Jedenfalls kam es mir am Fachbereich Informatik so vor. :P

  2. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/statistik-der-hochschulen-fast-...

    Naja, da war meine Einschätzung zu den Herkunftsländern wohl falsch. Jedenfalls kam es mir am Fachbereich Informatik so vor. :P

    Antwort auf "Sehe ich ähnlich"
  3. die universität. ein ausländischer student, der anschließend wieder in seine heimat geht, nicht. welchen beitrag leisten ausländische studenten zur aufrechterhaltung der universitäten?

    6 Leserempfehlungen
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    ich nehme an, man erhofft sich einen Teil der ausländischen Studenten anschließend in der hießigen Wirtschaft als Fachkräfte beschäftigen zu können.
    Interessant zu wissen wäre, wie viele davon auch tatsächlich bleiben.
    Mal davon abgesehen, das wir mit unserer aktuellen Zuwanderung auch ganz viel ausländliches "menschliches Kapital" absorbieren, dort keine Ausbildungskosten erstatten,
    dient natürlich dieser Studentenaustausch auch irgendwo der Völkerverständigung:
    Wer nichts voneinander weiß und nichts vom anderen Land/Kontinent kennt, der hegt allzu leicht Ressistements, die neben gegenseitigem Unverständnis über vllt. im historischen Kontext gefallene Entscheidungen durchaus auch zu Unfrieden führen können.

    " ein ausländischer student, der anschließend wieder in seine heimat geht, nicht. welchen beitrag leisten ausländische studenten zur aufrechterhaltung der universitäten?"

    Geschäftskontakte.

    Jemand, der in Deutschland studiert hat, ist wahrscheinlich wesentlich aufgeschlossener gegenüber Kooperationen mit deutschen Firmen, und kennt auch die deutschen Eigenarten.

    Es lohnt sich so oder so.

    • subse
    • 16. April 2013 20:19 Uhr

    Es ist auch fraglich, wie verfassungskonform eine Gebühr ist, die nur ausländischen Studenten gilt.
    Kostenlose Bildung mit der Absicht eine bessere Welt zu schaffen, lohnt sich immer, auch wenn diese Studenten später nicht in dem Land arbeiten, das sie ausgebildet hat. Deutschland macht dadurch keine Fehlinvestition.

    3 Leserempfehlungen
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    Das Problem dabei ist aber, dass es kostenlose Bildung nicht gibt. Die Frage ist nur, wer die Kosten trägt. Bei uns ist das mehrheitlich das Allgemeinwesen, d.h. der Steuerzahler. Wenn der DAAD also mehr ausländische Studierende an deutschen Hochschulen haben möchte, dann heißt das, dass der Steuerzahler mehr Geld für die Lehre aufwenden muss. Und jeder Studierende, der nach dem Abschluss kein steuerpflichtiges Einkommen in Deutschland hat, fehlt bei der Refinanzierung.

  4. Das Problem dabei ist aber, dass es kostenlose Bildung nicht gibt. Die Frage ist nur, wer die Kosten trägt. Bei uns ist das mehrheitlich das Allgemeinwesen, d.h. der Steuerzahler. Wenn der DAAD also mehr ausländische Studierende an deutschen Hochschulen haben möchte, dann heißt das, dass der Steuerzahler mehr Geld für die Lehre aufwenden muss. Und jeder Studierende, der nach dem Abschluss kein steuerpflichtiges Einkommen in Deutschland hat, fehlt bei der Refinanzierung.

    5 Leserempfehlungen
  5. ich nehme an, man erhofft sich einen Teil der ausländischen Studenten anschließend in der hießigen Wirtschaft als Fachkräfte beschäftigen zu können.
    Interessant zu wissen wäre, wie viele davon auch tatsächlich bleiben.
    Mal davon abgesehen, das wir mit unserer aktuellen Zuwanderung auch ganz viel ausländliches "menschliches Kapital" absorbieren, dort keine Ausbildungskosten erstatten,
    dient natürlich dieser Studentenaustausch auch irgendwo der Völkerverständigung:
    Wer nichts voneinander weiß und nichts vom anderen Land/Kontinent kennt, der hegt allzu leicht Ressistements, die neben gegenseitigem Unverständnis über vllt. im historischen Kontext gefallene Entscheidungen durchaus auch zu Unfrieden führen können.

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  6. "Um weltweit attraktiv zu bleiben, brauchen deutsche Unis mehr ausländische Studenten"

    Die Logik erschließt sich mir nicht. Ist Blah, Blah.

    "Um weltweit attraktiv zu sein, brauchen deutsche Unis mehr englischsprachige Studiengänge" OK

    "Um weltweit attraktiv zu sein, brauchen deutsche Unis mehr spanischsprachige Studiengänge" OK

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  7. Durch die unselige Bologna-Reform ist die Möglichkeit für deutsche Studenten, eine zeitlang im Ausland zu studieren, stark eingeschränkt worden. Das gilt im umgekehrten Fall ebenso für ausländische Studenten, die hier studieren wollen. Es war ein Riesenfortschritt für alle, als es nach dem zweiten Weltkrieg wieder möglich wurde, durch ein Auslandsstudium den eigenen Horizont zu erweitern, und man hat damit eine Tradition wieder hergestellt, die die Wissenschaft als internationales Projekt begriffen hat.

    Wegen ein paar Euro Studiengebühren soll das in Frage gestellt werden?

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    Da haben Sie völlig recht. Die Horizonerweiterung ist gerade für junge Menshen sehr wichtig. Deswegen sollten auch wieder Studiengebühren für deutsche Studenten eingeführt werden. An den paar Euro Studiengebühren kann es ja nicht scheitern.

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  • Schlagworte Ausländer | DAAD | Finanzkrise | Frühling | Gebühr | Studiengebühr
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