Das Weltraumteleskop Kepler hat außerhalb unseres Sonnensystems zwei Planeten aufgespürt, die auf den ersten Blick der Erde recht ähnlich sind. Beide Himmelskörper befinden sich in einem solchen Abstand zu ihrem Stern, dass flüssiges Wasser auf ihnen möglich ist. Der Radius der Himmelskörper ist etwa 1,5-mal so groß wie der der Erde.

Das berichtet ein Astronomenteam unter Leitung der US-Weltraumbehörde Nasa im Magazin Science. "Das sind die ersten beiden Exoplaneten in einer habitablen Zone, die wegen ihres kleinen Radius höchstwahrscheinlich Felsbrocken sind", sagte die an der Studie beteiligte Astronomin Lisa Kaltenegger vom Max-Planck Institut für Astronomie.

Die Planeten Kepler-62e und Kepler-62f umrunden denselben Stern in 122 beziehungsweise 267 Tagen. Das Sternsystem aus insgesamt fünf Planeten ist 1.200 Lichtjahre von der Erde entfernt. Zum Vergleich: Der nächste Stern, Proxima Centauri, ist rund vier Lichtjahre weit weg.

Exoplaneten - Dr. Max: Auf der Suche nach einer zweiten Erde Astronomen haben rund 800 Planeten entdeckt, die um ferne Sterne kreisen. Nun wollen sie herausfinden, ob es da draußen Leben gibt. Das Vorhaben ist auch ein Selbsterfahrungstripp für die Menschheit.

Kaltenegger hat berechnet, wie die Atmosphären der neuen Exoplaneten aussehen könnten. Auf Kepler-62f könnte es demnach nur dann warm genug für flüssiges Wasser sein, wenn es große Mengen von Treibhausgasen in der Atmosphäre gibt. "Dort müssten Menschen dann in jedem Fall einen Raumanzug tragen", sagte sie. Kepler-62e bekomme dagegen etwas mehr Sonnenlicht als die Erde ab und bräuchte daher viele Wolken, damit Wasser auf der Oberfläche nicht verdampft. Kaltenegger hält es für wahrscheinlich, dass es sich bei beiden Planeten um Welten handelt, deren gesamte Oberfläche von riesigen Ozeanen bedeckt ist.

850 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems

Als zweite Erden möchten die Forscher ihre Entdeckung noch nicht bezeichnen. "Wir wissen nicht, ob Kepler-62e und Kepler-62f wirklich aus Stein bestehen und ob sie eine Atmosphäre sowie Wasser aufweisen", schränken sie in ihrem Science-Fachartikel ein.

Astronomen haben in den vergangenen 15 Jahren über 850 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt. Vier der bisher entdeckten Exoplaneten mit weniger als zehn Erdmassen befinden sich in der habitablen Zone ihres Sterns. Mit Kepler-62e und Kepler-62f kommen die bisher kleinsten Exoplaneten hinzu, die sich sicher in einer solchen Zone befinden.

Das Teleskop "Kepler" ist seit vier Jahren auf einen Himmelsausschnitt im Sternbild Schwan gerichtet und hat 170.000 Sterne im Blick. Zieht vor einem von ihnen ein Planet vorüber, verdunkelt sich der Stern minimal. Um Kepler-62e und Kepler-62f nachzuweisen, verglichen die Wissenschaftler ihre Beobachtungsdaten mit Computersimulationen. So konnten sie andere Ursachen für die Sternfinsternisse ausschließen. "Ich habe keine Zweifel daran, dass diese Planeten existieren", sagte Kaltenegger.