Knapp drei Jahre, nachdem er mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist der britische Forscher Robert Edwards gestorben. Nach Angaben der Universität von Cambridge starb der Pionier der künstlichen Befruchtung am Mittwoch im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit.

Schon als Edwards 2010 mit der höchsten Ehre gewürdigt wurde, die ein Forscher zu Lebzeiten erreichen kann, war er gesundheitlich angeschlagen. Seine Frau hatte den Nobelpreis stellvertretend für ihn entgegengenommen.

Edwards hatte gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe, der bereits 1988 starb, seit den fünfziger Jahren die In-vitro-Fertilisation entwickelt. Dabei werden einer Frau nach einer Hormonbehandlung reife Eizellen entnommen, im Labor mit Spermien befruchtet und der Frau wieder eingesetzt. Heute ist das eine Standardbehandlung.

Seit den fünfziger Jahren arbeitete Edwards an der künstlichen Befruchtung. Klicken Sie auf das Bild, um das Porträt über den Nobelpreisträger zu lesen. © Central Press/Getty Images

Edwards wurde für seine Verdienste auch als "Vater des Retortenbabys" bezeichnet. Schon Anfang der fünfziger Jahre machte er Experimente mit Kaninchen-Eizellen, die er in der Petrischale befruchtete. Doch der Ansatz ließ sich nicht auf menschliche Zellen übertragen. Zahlreiche Rückschläge prägten seine Forscherlaufbahn. Viele Wissenschaftler hielten die Idee, Kinder im Labor zu zeugen, für wahnwitzig. Ethiker waren zum Teil entsetzt.

1969 gelang Edwards und Steptoe dann tatsächlich trotz aller Widerstände die erste Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers. Im Juli 1978 kam das erste Retortenbaby Louise Joy Brown zur Welt, was kinderlosen Paaren weltweit Hoffnung machte, doch noch Nachwuchs bekommen zu können. Mehr als 30 Jahre später gab es dafür den Nobelpreis für Edwards. Da die Ehrung aus Stockholm nicht posthum vergeben wird, konnte sein Forscherkollege Steptoe nicht mehr bedacht werden.

Geboren 1925 in Manchester ging Edwards nach dem Abitur zur Armee. Nach Auslandseinsätzen in Palästina, Jordanien, Ägypten und dem Irak studierte der damals 23-Jährige Zoologie und Landwirtschaft an der Universität Bangor in Wales. 1951 wechselte er ans Institut für Tiergenetik der schottischen Universität in Edinburgh. Direkt nach seiner Doktorarbeit bekam er ein Stipendium, um in die USA zu gehen und verbrachte ein Jahr am renommierten Institute of Technology in Kalifornien (Caltech).

Von da an begann eine beeindruckende Forscherkarriere, in deren Verlauf Edwards sich mit Biochemie, Gynäkologie, Physiologie und schließlich mit der von ihm mitentwickelten Reproduktionsmedizin befasste: Edwards arbeitete unter anderem am National Institute for Medical Research in London sowie an den Universitäten Cambridge und Glasgow. In den USA forschte er an der Johns-Hopkins-Klinik in Baltimore und an der Uni von North Carolina.

Edwards' Arbeit habe "die Leben von Millionen Menschen weltweit" verbessert, sagte der Chef der von Edwards und Steptoe gegründeten Fruchtbarkeitsklinik Bourn Hall in Cambridge. Alle, die mit ihm gearbeitet hätten oder von ihm behandelt wurden, würden den Reproduktionsmediziner in guter Erinnerung behalten.