FörderpreisMehr Migranten sollen promovieren

Die Türkische Gemeinde in Deutschland lobt erstmals einen Dissertationspreis aus, um Forscher mit Migrationshintergrund zu fördern. Bewerben darf sich allerdings jeder. von Sarah Schaschek

Die Türkische Gemeinde in Deutschland will ihren wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Sie schreibt in diesem Jahr erstmals einen Preis für herausragende Dissertationen aus. Der Preis ist offen für alle, doch Forscher mit Migrationshintergrund werden besonders aufgefordert, sich zu bewerben. "Wir wollen zeigen, was Migranten in der Wissenschaft erreichen", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, am Freitag in Berlin. "Dann denken mehr Studenten selbst über eine Doktorarbeit nach."

Der Preis wird in drei Kategorien vergeben und ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Die Arbeiten sollen sich mit multiethnischen Gesellschaften auseinandersetzen, wobei die Themenschwerpunkte variieren. Aus den Naturwissenschaften werden in diesem Jahr Dissertationen über erneuerbare Energien gesucht.

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"Durch den Wirtschaftsboom haben wir schlimme Umweltprobleme in der Türkei", sagt Muharrem Satir, emeritierter Geochemiker der Universität Tübingen, der im Auswahlgremium sitzt. Deutschland sei bei der Umwelttechnik führend, er hofft auf Forschungsimpulse für die Türkei.

Ähnlich ist es bei dem Thema Genderpolitik, das das Gremium wegen seiner aktuellen Brisanz für den Bereich Sozial- und Geisteswissenschaften gewählt hat. Gerade in Einwanderungsländern wie Deutschland sei bei der Geschlechtergerechtigkeit "viel zu tun", sagt Jurymitglied Süheyla Schröder, die den Berliner Campus der türkischen Bahcesehir-Universität leitet.

Laut Angaben der Türkischen Gemeinde hat Deutschland rund 30.000 türkische Studierende. Dazu kommen knapp 60 Professoren und 300 Postdocs mit türkischen Wurzeln. Genau ist das schwer zu beziffern, da viele einen deutschen Pass haben. Die Recherchen beruhten auf türkisch klingenden Namen, heißt es. Für die bessere Vernetzung legt die Türkische Gemeinde gerade eine Datenbank von türkischen Wissenschaftlern samt Forschungsthemen an.

Für den Wissenschaftspreis können Dissertationen, die in den letzten zwei Jahren an einer deutschen Hochschule entstanden sind, bis zum 15. Juli bei der Türkischen Gemeinde eingereicht werden.

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Leserkommentare
  1. Sehr interessant dann
    "Gerade in Einwanderungsländern wie Deutschland sei bei der Geschlechtergerechtigkeit "viel zu tun", sagt Jurymitglied Süheyla Schröder, die den Berliner Campus der türkischen Bahcesehir-Universität leitet."

    Gerade in den Herkunftsländern ist natürlich nichts weiter zu tun bei der Geschlechtergerechtigkeit, oder ist da nur nichts zu machen?

    Würde die genannte Frau Schröder eigentlich mitzählen, bei Recherchen die auf türkisch klingenden Namen beruhen?

    Für die Vernetzung legt die Türkische Gemeinde eine Datenbank an? Hatten die so zur Vernetzung Erfassten bislang kein Bedürfnis sich nach solchen Herkunftskriterien zu organisieren? Vielleicht sind die ja schon vernetzt, in der jeweiligen Fachcommunity, die am Ende gar nicht nach/auf deutsch oder türkisch oder russisch kräht?

    11 Leserempfehlungen
  2. "Gerade in Einwanderungsländern wie Deutschland sei bei der Geschlechtergerechtigkeit "viel zu tun", sagt Jurymitglied Süheyla Schröder, die den Berliner Campus der türkischen Bahcesehir-Universität leitet."

    Kehren Sie erstmal vor der eigenen Tür, Frau Schröder. Laut einer Umfrage der Kirikkale Universität halten 62% der türkischen Ehemänner Gewalt gegen ihre Ehefrauen unter Umständen für notwendig. Dort haben Frau noch ganz andere gesellschaftliche Probleme, als in den Chefetagen unterrpräsentiert zu sein.

    19 Leserempfehlungen
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    Weil in der Türkei manche Männer ihre Frauen schlagen, brauchen wir uns um Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland keine Sorgen machen. Hahaha....

    "Kehren Sie erstmal vor der eigenen Tür, Frau Schröder."

    Wie ein beleidigtes kleines Kind!

    "Der Kevin hat den Lukas gehauen. Warum darf ich dann nicht Fensterscheiben einwerfen"

    • Cob
    • 22. April 2013 19:01 Uhr

    Sie haben Recht, dass in der Türkei in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch viel mehr zu tun ist als in Deutschland und die Aussage mit "gerade in Einwanderungsländern wie Deutschland" vor diesem Hintergrund ziemlich seltsam. Aber wieso die Türkei Frau Schröders "eigene Tür" sein sollte, ist mir nicht klar. Offensichtlich lebt und arbeitet sie doch in Deutschland.

    • persef
    • 22. April 2013 17:05 Uhr

    Bitte verfassen Sie sachliche Beiträge und bleiben beim konkreten Thema. Danke, die Redaktion/se

    2 Leserempfehlungen
  3. Weil in der Türkei manche Männer ihre Frauen schlagen, brauchen wir uns um Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland keine Sorgen machen. Hahaha....

    "Kehren Sie erstmal vor der eigenen Tür, Frau Schröder."

    Wie ein beleidigtes kleines Kind!

    "Der Kevin hat den Lukas gehauen. Warum darf ich dann nicht Fensterscheiben einwerfen"

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Glashäuser"
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    dass es um das "GERADE in deutschland" ging.
    so schlimm ist es hier denn doch nicht, dass "gerade hier" der vergleichsweise große handlungsbedarf festzustellen wäre.
    probleme mit der geschlechtergerechtigkeit bringen migranten zudem oft genug selbst mit ins einwanderungsland und dem wird das dann (wie hier) vorgehalten ... auch eine seltsame Herangehensweise.

  4. Wollen die "Forscher mit Migrationshintergrund" fördern? Oder bestimmte Forschungsprojekte, denn es darf sich ja "jeder" bewerben. Das passt doch gar nicht zusammen. Wie wählen die denn jetzt aus? Im Zweifelsfall den Türken...[…]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    3 Leserempfehlungen
    • Cob
    • 22. April 2013 19:01 Uhr

    Sie haben Recht, dass in der Türkei in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch viel mehr zu tun ist als in Deutschland und die Aussage mit "gerade in Einwanderungsländern wie Deutschland" vor diesem Hintergrund ziemlich seltsam. Aber wieso die Türkei Frau Schröders "eigene Tür" sein sollte, ist mir nicht klar. Offensichtlich lebt und arbeitet sie doch in Deutschland.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Glashäuser"
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    Natürlich wohnt Frau Süheyla Schröder in Deutschland - ist aber Vertreterin einer türkischen Hochschule.

  5. dass es um das "GERADE in deutschland" ging.
    so schlimm ist es hier denn doch nicht, dass "gerade hier" der vergleichsweise große handlungsbedarf festzustellen wäre.
    probleme mit der geschlechtergerechtigkeit bringen migranten zudem oft genug selbst mit ins einwanderungsland und dem wird das dann (wie hier) vorgehalten ... auch eine seltsame Herangehensweise.

    9 Leserempfehlungen
  6. Vielleicht würde eine repräsentative Umfrage von Muslimen in Deutschland darüber Klarheit verschaffen, ob sie Frauen wirklich in übergeordneten Rollen sehen möchten. Danach kann man vielleicht noch einmal über das Thema reden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Dissertation | Doktorarbeit | Nachwuchs | Student | Universität Tübingen
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