Eines Tages werden vielleicht Menschen auf dem Mars herumlaufen – wie in dieser Illustration. © Nasa

Würde der Mensch zum Mars fliegen, müsste er sich neben allerlei anderer Dinge womöglich auch um sein Krebsrisiko sorgen. Erstmals liegen Messdaten zur Strahlenbelastung eines Trips zum Roten Planeten unter realistischen Bedingungen vor. Das Ergebnis: Die Dosis, der ein Mensch dabei ausgesetzt wäre, kommt gängigen Grenzwerten gefährlich nahe. "Die Belastung ist nicht viel zu viel", sagt der Physiker Robert Wimmer-Schweingruber, einer der Autoren der Studie, die im Magazin Science erschienen ist. "Aber auch nicht zu vernachlässigen." Das Risiko, als Raucher an Lungenkrebs zu erkranken, sei wesentlich höher.

Was Mars-Reisenden zusetzen würde, sind elektrisch geladene Teilchen im All. Die Protonen und vollständig ionisierte Atomkerne bewegen sich mit hohen Geschwindigkeiten. "Die durchdringen fast alles", sagt Wimmer-Schweingruber. Die kosmische Strahlung kann Elektronen aus den Atomen im menschlichen Körper herauslösen. Das schädigt das Erbgut und kann krankhafte Tumoren verursachen.

Die Daten der Studie stammen von Curiosity, der seit vergangenem August auf dem Mars buddelt und herumkurvt. Der Roboter trug auf seinem Flug ein Strahlungsmessgerät bei sich. 253 Tage dauerte es, ehe das Gefährt auf dem Mars aufsetzte. Hätte an seiner Stelle ein Mensch die Reise angetreten, wäre er einer Strahlenbelastung von 0,47 Sievert ausgesetzt gewesen. Inklusive Rückflug wäre somit fast der Grenzwert von einem Sievert erreicht, den die Europäische Weltraumorganisation Esa für die komplette Karriere eines Astronauten festgelegt hat. Wer diese Dosis einmal angesammelt hat, für den erhöht sich das Risiko, an Krebs zu sterben, um fünf Prozent.

“"Das bestätigt unsere Erwartungen", sagt der Ingenieur Robert Zubrin von der Mars Society dem Magazin Science. "Das Risiko ist einigermaßen tragbar." Schließlich bringe eine Marsmission noch ganz andere Risiken mit sich.

Marsreisende sollten sich beeilen

Allerdings hätte Curiositys Strahlenbelastung auch höher ausfallen können. Auf seiner Reise begleiteten den Roboter nur eher schwache Sonnenwinde. Die Teilchenströme trugen nur fünf Prozent zur gemessenen Strahlendosis bei. Sie schwanken aber stark. Wimmer-Schweingruber hält eine drei- bis fünffache Intensität für denkbar.

Seine Kapsel schirmte Curiosity kaum von der kosmischen Strahlung ab. Ein wesentlich besserer Schutz sei nicht möglich, schreiben die Forscher. Der Grund: Beim Eintreten der Strahlung in das Abschirmmaterial kommt es zu Wechselwirkungen, wodurch wiederum Teilchen freigesetzt werden. Ein dickeres Gehäuse führe damit sogar zu einer Zunahme der Strahlenbelastung.

Mehrere Staaten und kommerzielle Unternehmen wollen in den nächsten Jahrzehnten Menschen auf den Mars schicken. Für den Physiker Wimmer-Schweingruber gibt es für Reisende zum Roten Planeten daher nur eine Lösung: Sie sollten sich beeilen. "Wir müssen uns mehr um die Antriebstechnik kümmern." Derzeit könne man die Reisezeit zum Mars vielleicht auf 180 Tage verkürzen. Damit ließe sich die Strahlenbelastung auf 0,66 Sievert für Hin- und Rückflug reduzieren. Allerdings muss auch die Dosis berücksichtigt werden, die ein Mensch während seines Mars-Aufenthalts aufnimmt. Wie hoch die ist, bekommt derzeit Curiosity zu spüren.