ZEIT-MathetestKönnen Frauen schlechter rechnen als Männer?

Erste Auswertungen des ZEIT-Mathetests zeigen Gefälle zwischen Männern und Frauen sowie Ost und West. Daraus lassen sich leicht voreilige Schlüsse ziehen. von 

Beim großen Mathetest der ZEIT mit der Stiftung Rechnen und Forsa sind interessante Ergebnisse herausgekommen – nicht nur, was die Beantwortung der Fragen durch die Gesamtheit der 1.027 repräsentativ ausgewählten Testpersonen im Vorfeld betrifft. Da von allen Teilnehmern Alter, Geschlecht, Wohnort, Schulausbildung bekannt sind, aber außerdem auch die letzte Mathenote und der Ort des Schulabschlusses, kann man vielfältige Vergleiche anstellen. Die Statistiker warnen allerdings vor voreiligen Schlüssen.

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Beispiel Geschlecht: Schaut man sich an, wie viele Aufgaben Männer und Frauen korrekt gelöst haben, dann ergibt sich ein erstaunliches Bild. Sortiert man die Fragen in der Reihenfolge des Anteils richtiger Lösungen bei den Männern, ergibt sich eine schwarze, fast linear von 97 Prozent bis 34 Prozent abfallende Kurve.

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Was deutlich wird: Bei den "einfachen" Fragen (also solche, die von vielen richtig beantwortet wurden) liegen die Frauen mit den Männern gleich auf, einige (wie die Frage nach den Urlaubsübernachtungen oder der Frage nach dem Hammering Man) beantworten sie sogar besser. Bei den schwierigeren Fragen dagegen haben die Männer einen deutlichen Vorsprung. Absoluter Tiefpunkt: Den Goldkurs können 41 Prozent der Männer korrekt ablesen, aber nur 21 Prozent der Frauen – das ist nur die Hälfte.

Männer-Frauen-Vergleich
Anteile richtiger Antworten unter Männern und Frauen

Anteile richtiger Antworten unter Männern und Frauen. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik anzusehen.

Was für einen Schluss kann man daraus ziehen? Sicher nicht, dass Frauen dümmer sind als Männer. Zunächst einmal kann man wirklich nur sagen, dass die Frauen aus dem Forsa-Panel schlechter gerechnet haben als die Männer. Das kann aber verschiedene Gründe haben: Zum Beispiel werden Frauen bekanntlich älter als Männer, deshalb ist bei ihnen wahrscheinlich die Zahl der Älteren in der Stichprobe größer – und die Älteren haben bei dem Test generell schlechter abgeschnitten. Oder sind vielleicht generell Berufstätige besser als Menschen ohne Job? Auch das würde zu einem schlechteren Abschneiden der Frauen führen. Bevor man also zu reißerischen Aussagen macht, müssen solche Faktoren noch genau unter die Lupe genommen werden.

Wie leicht man voreilige Schlüsse zieht, zeigt eine zweite Auswertung: Sie vergleicht das Abschneiden von West- und Ostdeutschen.

Ost-West-Vergleich
Anteile richtiger Antworten unter Ost- und Westdeutschen. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik anzusehen.

Anteile richtiger Antworten unter Ost- und Westdeutschen. Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Grafik anzusehen.

Vermittelt das Schulsystem im Osten schlechtere Mathekenntnisse? Auch hier gilt zunächst einmal nur: Die Teilnehmer aus dem Osten haben schlechter abgeschnitten als die aus dem Westen. Weil die Befragten auch angeben sollten, wo sie ihren Schulabschluss gemacht haben, kann man die Leistung der Ost-Bewohner aber auch mit der Leistung der Ost-Schüler vergleichen . Und siehe da: Letztere schneiden besser ab, die Kurve ist näher an den West-Leistungen. Offenbar gibt es einen Brain Drain, gute Matheschüler aus dem Osten gehen verstärkt in den Westen. Wenn man nun noch das Alter der Probanden mit einbezieht, kann man sehen, ob das DDR-Schulsystem schlechtere oder bessere Rechner produziert hat als das westliche, etwa weil dort schon immer Stochastik gelehrt wurde.

Das Forsa-Ergebnis

Von den 30 Fragen des Original-Tests (inklusive Unterfragen, die in der ZEIT wegfielen) haben die Teilnehmer der repräsentativen Forsa-Studie im Durchschnitt 20 korrekt beantwortet. Hauptschulabsolventen lösten 18 Fragen richtig, Menschen mit mittlerem Schulabschluss 19 und Abiturienten 23. Aussagekräftig war auch die letzte Mathe-Schulnote: Wer zuletzt ein »sehr gut« hatte, egal, von welcher Schule, löste 24 Fragen korrekt.

Generell rechneten Junge besser als Alte, West- besser als Ostdeutsche, Schulabsolventen aus Bayern besser als die aus Nordrhein-Westfalen. Solche Detailergebnisse sind aber mit Vorsicht zu genießen und nicht unbedingt repräsentativ.

Die Professoren Ulrich Kortenkamp und Anselm Lambert wollen die Resultate ausführlich analysieren und zu einem wissenschaftlichen Aufsatz verarbeiten. Die ZEIT wird darüber berichten.

Detailliertere Ergebnistabellen finden Sie hier. Selbst ausprobieren, wie Sie im Mathe-Test abschneiden, können Sie hier.

Beliebige Kombinationen von Eigenschaften – "Frauen zwischen 30 und 49 aus dem Saarland mit zwei Geschwistern, deren letzte Mathenote eine 2 war" – kann man allerdings nicht untersuchen. Irgendwann werden die Fallzahlen zu klein, um überhaupt noch eine statistische Aussage zu machen.

Die Professoren Ulrich Kortenkamp und Anselm Lambert, die den Test konzipiert haben, werden in den nächsten Monaten die Daten detailliert auswerten – die ZEIT und ZEIT ONLINE werden darüber berichten.

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Leserkommentare
    • kelf
    • 30. Mai 2013 16:54 Uhr
    1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dsip
    • 30. Mai 2013 17:07 Uhr

    Der Kommentar auf den Sie sich beziehen wurde bereits entfernt. Die Redaktion/mak

    • dsip
    • 30. Mai 2013 17:07 Uhr
    2. [...]

    Der Kommentar auf den Sie sich beziehen wurde bereits entfernt. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  1. Habe drei Fragen falsch beantwortet und bin eine Frau. Davon waren 2 Fehler Flüchtigkeitsfehler...

    Wir hatten in unserem Mathekursus eine Frau und einen Mann, die so gar nicht räumliches Denken hatten. Wichtig ist der Abschluss - wenn man Männer und Frauen vergleicht mit unterschiedlichen Voraussetzungen (Abitur, Hauptschule? Mathe-LK oder Kunst-LK? Ingenieur oder Deutschlehrer?) dann ist es überaus natürlich, dass da Unterschiede sind. Unvergleichbares zu vergleichen ist ein Fehler in der statistischen Auswertung, das sollten die, die den Test auswerten wissen... da sieht man die Fehler in dem Können dieser Fragesteller.

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    Ich sehe nicht, warum die Voraussetzungen etwas an dem Ergebnis ändern sollten. Wenn man z.B. alle mit Mathe LK rauslässt, weil diesen mehr Männer belegen, dann sehe ich das nicht als Vorteil für die Männer, sondern als Untermauerung des Ergebnisses der Studie.

    und habe nach wenigen Fragen den Test aufgegeben, es hat sich nur noch alles gedreht im Kopf wie in einer Geisterbahn. Irgendwas war da mit Türme, dann waren plötzlich andere Türme da mit noch mehr Stockwerken usw.

    Was mache ich jetzt? In welche Ecke soll ich mich stellen und wie lange darin bleiben? Aber bitte klare Ansagen machen, wie z.B. 5 Tage!

    Nicht dass da jemand kommt mit 7,6 Monaten abzüglich 4 Wochen geteilt durch Anzahl der Pferdestärken usw..

    Kleine Anmerkung. Früher war ich echt gut im Kopfrechnen, aber seitdem alles per PC geht oder Taschenrechner...Totaler Absturz.

  2. Männer sind im Rechnen besser. Wo ist das Problem? Diese Wahrheit war schon zu meiner Schulzeit (1968) bekannt.

    4 Leserempfehlungen
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    dass Sie generalisieren und damit den Frauen, die wirklich gut in Mathe sind, Unrecht tun.
    In meinem Studiengang (angewandte Mathematik) waren es mehr Frauen als Männer!

    Ich glaube, dass dass Problem immer noch darin liegt, dass man den Mädchen schon sehr früh sagt, dass Frauen/Mädchen eben kein Mathe können (das machen Sie übrigens auch) . Die Mutti sagt zur Tochter: Ich war früher auch nicht gut in Mathe. Schon ist ein Verhaltensmuster geprägt.
    Zudem sind die Mathegenies die Nerds, heute noch mehr als damals. Und das wollen in der Schulzeit besonders Mädchen nicht auf sich nehmen.
    Haben Sie eine Ahnung, was in der Klasse los ist, wenn die einzige Eins in Mathe von einem Mädchen geschrieben wird?
    Ich schon..
    In dem Berech haben es Mädchen oft sehr schwer. Das nimmt vielen das Interesse an der Mathematik.

    Es ist also nicht so, dass Frauen das einfach nicht können. Sie werden so erzogen.
    (davon bin ich zu tiefst überzeugt, denn meine Mutti meinte immer zu mir, dass sie immer gut in Mathe gewesen sei, also habe ich es nie verstanden, dass die anderen Mädchen von vorneherein gesagt haben, sie können es nicht)

    Die Welt ist eben nicht so simpel - Männer können dies, Frauen das.

    Was die Ergebnisse dieses Tests angeht: Die halte ich eh für höchst fragwürdig - ich habe den Test z.B. während des Fernsehens gemacht (mit einem dennoch passablen Ergebnis). In einem ruhigen Raum ohne Ablenkung wäre mein Ergebnis mit Sicherheit besser gewesen. Ich bin sicher, das ging vielen so.

    jedenfalls signifikant "besser" ( d.h. wirtschaftlicher und voraus schauender) umgehen als Männer.
    Sämtliche Finanzkrisen haben von jeher Männer ausgelöst.

    Ob die Herren und Damen Professoren bitte auch dazu mal einen Test konzipieren könnten ???

    So konnte während der Eisprungphase (erhöhter Testosteronwert bei Frauen) ein besses räumliches Vorstellungvermögen festgestellt werden. zb das Einparken des Autos ging zuegiger und plazierter.

    Man könnte in der Mathestudie also noch sekularisieren, ob die Frauen gerade in der Eisprungphase waren. Also Mathetest während und ausserhalb deren. Naja, eine Studie ist halt auch nur eine Studie

    • AndreD
    • 30. Mai 2013 17:16 Uhr

    wenn man sich im Berufsleben mit Zahlen auskennt.

    Diese Frau hier ist bestimmt in Mathe sehr gut :-)

    http://www.guardian.co.uk...

    Eine Leserempfehlung
  3. ...ob dieser erklärende Artikel auch erschienen wäre, wenn als Ergebnis "Frauen rechnen besser als Männer" herausgekommen wäre?

    39 Leserempfehlungen
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    Aber bestimmt! Mich wundert dieser Artikel, auch wenn der Autor immer wieder versucht, die Ergebnisse zu relativieren! Auch wenn es an den Haaren herbeigezogen ist beziehungsweise durch vorhandene Daten überprüft werden könnte (es ist 100%-ig möglich, herauszufinden, ob die teilnehmenden Frauen älter waren als die Männer. Da ist man sicherlich nicht auf Vermutungen angewiesen, Herr Drösser!)
    "Was für einen Schluss kann man daraus ziehen? Sicher nicht, dass Frauen dümmer sind als Männer. Zunächst einmal kann man wirklich nur sagen, dass die Frauen aus dem Forsa-Panel schlechter gerechnet haben als die Männer. Das kann aber verschiedene Gründe haben: Zum Beispiel werden Frauen bekanntlich älter als Männer, deshalb ist bei ihnen wahrscheinlich die Zahl der Älteren in der Stichprobe größer – und die Älteren haben bei dem Test generell schlechter abgeschnitten."

    mit Sicherheit kann man jedoch sagen, dass die Relativierungsdichte deutlich geringer ausgefallen wäre und man sich die eine oder andere Spitzfindigkeit in Richtung der Männerschaft sicher nicht verkniffen hätte.

    Bei der nächsten "Sonntagsfrage" werde ich auch das Argument einwerfen, dass die CDU nur deshalb so gut abgeschnitten hat, weil die Befragten im Durchschnitt älter waren als der typische Piraten-Wähler was ja logischerweise dazu führt, dass die CDU besser abschneidet als wenn man nur Studenten befragt hätte.
    Dabei werde ich mir dann auch keine Gedanken machen, was "repräsentativ" bedetet.

  4. "Was für einen Schluss kann man daraus ziehen? Sicher nicht, dass Frauen dümmer sind als Männer."

    [...]

    Bei ungleichen Gehältern zwischen Männern und Frauen lassen sich übrigens ähnliche Überlegungen über andere latente Kausalwirkungen machen. Aber die werden meist weggelassen, um Lohnungerechtigkeit behaupten zu können. Und ein Gesetz dagegen zu fordern.

    Immerhin positiv zu vermerken, dass Überlegungen über die angemessene Statistikinterpretation angestellt werden. Hoffentlich werden die auch bei anderer Gelegenheit gemacht.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unterstellende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    10 Leserempfehlungen
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    Die ZEIT beweist hier ein Wissenschaftsverstaendnis, dass in etwa dem eines totalitaeren regimes entspricht. Naheliegende aber nicht politisch opportune erklaerungen werden von vorneherein ausgeschlossen. Es ist tatsaechlich wahrscheinlich, dass Frauen schlechter Mathematik koennen, das zeigen auch die schulnoten in Mathematik.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Forsa | Schulsystem | Test
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