HochwasserIm Zweifel den Keller volllaufen lassen

Häuser lassen sich aufwändig gegen Hochwasser schützen. Bauexperten raten stattdessen zu Untergeschossen, die geflutet werden können. Wem hilft was? von Christian Endt

Weite Teile Deutschlands versinken in den Fluten. Passau, Dresden, Halle und viele weitere Städte im Süden und Osten stehen oder standen unter Wasser. Für die Anwohner bedeutet das: vollgelaufene Keller, geflutete Wohnungen, ruinierter Hausrat. Wie können sich Anwohner vor Hochwassern schützen?

Bei ausgiebigen Regenfällen schwellen nicht nur Bäche und Flüsse an, auch die Abwasserkanäle müssen deutlich mehr Wasser aufnehmen. Im Extremfall kommt es zu einem Rückstau und Abwasser dringt über die Abflüsse zurück in die Wohnungen. Davor kann man sich mit Rückstausicherungen relativ leicht schützen. Das sind Klappen, die in eine Fließrichtung dichtmachen. Für Anschlüsse im Keller werden sowieso bei jedem Neubau Rückstausicherungen montiert, in Hochwasser-Risikogebieten müssen sie eben auch höher angebracht werden.

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Im Kampf gegen das Hochwasser selbst und auch gegen steigendes Grundwasser gibt es zwei gegensätzliche Ansätze. Die eine Taktik beruht darauf, das Wasser um jeden Preis herauszuhalten aus den Räumen. Der Keller wird dann als sogenannte "weiße Wanne" konstruiert, mit Wänden und Böden aus wasserdichtem Beton. Fenster und Türen sind inzwischen in wasserdichten Ausführungen zu haben. Und wenn die Flut kommt, werden vor dem Haus mobile Schutzwände montiert, Sandsäcke und Schläuche verlegt. Mit Glück lässt sich das Wasser so zurückhalten.

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Schutz aus Jute und Erde. Klicken Sie auf das Bild um die Fotostrecke anzusehen.

Schutz aus Jute und Erde. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke anzusehen.  |  © Jan Woitas/dpa

So erzählt es auch Jeannette Buschner, die seit 2010 vier Mal Hochwasser auf ihrem Grundstück im sächsischen Leukersdorf hatte: "Wir haben immer Sandsäcke im Haus." Fachleute wie Patrick Hesse vom Lehrstuhl Wohnbauten der TU Dresden schlagen jedoch das genaue Gegenteil vor, zumindest für Neubauten. Statt sich mit allen Mitteln gegen eindringende Fluten zu wehren, sollten sich Anwohner mit dem Wasser arrangieren, findet Hesse. Anwohnern von Risikogebieten schlägt er vor, Keller und Erdgeschoss von vornherein hochwassertauglich einzurichten.

Wo ist das Hochwasser am schlimmsten?



Elektrogeräte und Haustechnik wie Heizung müssen dazu im Obergeschoss untergebracht werden. Möbel und Hausrat sollten problemlos in Sicherheit gebrachten werden können, wenn sich das Wasser nähert. Auch Boden- und Wandbeläge müssen wasserfest sein. Teppiche und Tapeten sind tabu, am besten eignen sich Sichtbeton oder Kacheln. In der Gegend um Passau ist es vielerorts sogar verboten, Erdgeschosse als Wohnfläche zu nutzen. Meistens nutzen die Leute die Fläche dann nur als Garage, erzählt Edgar Küblbeck vom Landratsamt in Passau.

Leserkommentare
  1. ... lassen! Ich bin wirklich kein Experte, aber diese Idee habe ich vor vielen Jahren, als Köln mal wieder komplett abgesoffen war, schon gehabt, dazu eventuell die Kellerräume komplett fliesen und, bevor das Wasser steigt, alle Abflüsse versperren und sauberes Wasser aus der Wasserleitung einlassen, innen immer 10 cm höher als die Dreckflut draußen, so ist zwar der Keller nass, aber wenigstens sauber.
    Heute denke ich auch, dass man die Fenster und Türen mit Platten verschließen könnte, das Haus dann komplett in Stretchfolie einwickeln, die Folie außen auf dem Boden festtackern und das dann noch eindringende Wasser zwischen Folie und Hauswand abpumpen. Dann lohnt es sich auch, im Keller einen Pumpensumpf und eine Lenzpumpe einzusetzen, für das Wasser, was noch durch den Boden und die im Erdreich befindlichen Kellerwände eindringt. Ich verstehe das nicht, ich würde nur einmal den Dreck aus der Bude hinausschippen müssen ...

    8 Leserempfehlungen
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    • dapf15
    • 07. Juni 2013 13:37 Uhr

    Das Dümmste, was man machen kann, ist, den vollgelaufenen Keller bei anhaltend hohem Grundwasserspiegel leer zu pumpen, es sei denn, man füllt sauberes Wasser nach.
    Andernfalls muss man sich nicht über gerissene Bodenplatten wundern. Ist nichts weiter als Alltagsphysik...

    • M-F.
    • 07. Juni 2013 14:20 Uhr

    1."Ich verstehe das nicht, ich würde nur einmal den Dreck aus der Bude hinausschippen müssen ..."

    Aber wenns bezahlt wird,dann doch vier,fünfmal eventuell?;-)
    ich finde es auch unmöglich,dass sich die Menschen dauernd wieder überschwemmen lassen und der Steuerzahler darf zahlen,das ist doch
    nicht normal.Dann läßt man wenigstens die unteren 1 oder 2 Etagen frei,gerade wenn man sicher weiß,dass die nächsten Überschwemmungen mit Sicherheit kommen.

    • hairy
    • 07. Juni 2013 12:17 Uhr

    Hochwasserschutz muss am Wasser selbst passieren, nicht an den schon bestehenden Häusern. Jetzt kommen wieder allerlei Geschäftemacher und schwatzen den Leuten auf, was eigentlich Politiker verpennt haben.

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    Zum Teil ist es aber nicht möglich, die Hochwasserproblematik am Wasser selbst zu lösen. Welche Art des Hochwasserschutzes in welchem Gebiet Sinn macht, ist nichts, was ein Laie so einfach beantworten kann.

    schon bestehenden Häusern.
    Der effektivste Hochwasserschutz wäre in vielen Fällen nicht "am Wasser selbst", sondern in den Einzugsgebieten zu gewährliesten:
    Weniger Flächenversiegelung, Rückbau von Flächenversiegelungen im besiedelten Bereich, Rückbau von Dränagen im landwirtschaftlichen Bereich, Wiederöffnung weiterer Retentionsräume...
    Das löst das Problem von "Jahrhunderthochwässern" nicht, könnte es aber deutlich mindern.
    Viele "schon bestehende Häuser" wurden auch fahrlässig und spekulativ in Überschwemmungs- oder überschwemmungsgefährdeten Gebieten gebaut.
    Das "Pferd von hinten aufzäumen" ist wenig effektiv.

    .... A) wenn es allein an der "Versiegelung" liegen würde, hätte es früher im Mittelalter keine Hochwasserkatastrophen geben dürfen;
    B) wenn es allein an den fehlenden Auwäldern und an der Flussbegradigung liegen würde, hätte es früher im Mittelalter keine Hochwasserkatastrophen geben dürfen;
    C) Man kann zwar Hochwasserflutbecken anlegen, aber nur, wenn man 1) Platz hat und 2) dann das Volumen ausreichend groß ist. Aber wie groß ist "groß genug"?
    D) Man kann Deiche und Spundwände bauen bzw vorhalten, aber wer sagt denn, dass das nächste Hochwasser 5 cm unter der Krone anhält und kürzer ist, als die Deiche zur Auflösung brauchen?
    Wenn es lange nieselt, nimmt der Boden den Regen bis zur Sättigung auf; wenn es nach längerer Trockenheit einen Platzregen gibt, läuft der einfach so ab, weil das Wasser nicht einsickern kann. Wenn es tage- bzw wochenlang mittelmäßig bis stark regnet, ist der Boden so vollgesogen, dass er nichts mehr aufnehmen kann und der weitere regen läuft soooo auf der Oberfläche ab: Direkt in die Städte, direkt in die ( vollen ) Hochwasserflutbecken, direkt über die Spundwände und die Deiche. DANN sollten wir eine weitere Verteidigungslinie haben und nicht jammervoll in die kamera heulen müssen, dass wieder mal alles ruiniert ist. ich mache den menschen ( abgesehen von denen, die direkt in den Flutraum bauen, wegen "der schönen, unverbaubaren Aussicht" ) keinen Vorwurf, meine Kritik richtet sich die Experten, die die Menschen einfach so absaufen lassen.

  2. Zum Teil ist es aber nicht möglich, die Hochwasserproblematik am Wasser selbst zu lösen. Welche Art des Hochwasserschutzes in welchem Gebiet Sinn macht, ist nichts, was ein Laie so einfach beantworten kann.

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    Ich denke mal sich auf die Hochwassersituation einzustellen mach Sinn v.a. wenn man weiß dass das nächste Hochwasser so sicher kommt wie das Amen in der Kirche.

    Mein Fahrradhändler direkt an der Donaulände in Passau beispielsweise war bei einem Hochwasser komplett abgesoffen - das Wasser stand mannshoch im Laden. Drei Tage nachdem das Wasser wieder weg war hatte er bereits wieder geöffnet - und sich entschuldigt dass sich die Reparatur meines Radls aufgrund des Hochwassers leider um einige Tage verzögert...ich war baff.

    Er hat mir erklärt dass sie einen Plan und einen Transporter haben und wenn das Wasser kommt einfach alles ausräumen und abtransportieren und den Laden ab einem bestimmten Level mit Trinkwasser fluten damit sie nicht so viel aufräumen müssen wenn das Wasser wieder weg ist.

    Aber wenn das Wasser viel höher steigt als normal (so wie diesmal) dann geht natürlich viel mehr kaputt. Oder wenn das Wasser noch nie da war, dann hat auch niemand damit geplant.

    • dapf15
    • 07. Juni 2013 13:37 Uhr

    Das Dümmste, was man machen kann, ist, den vollgelaufenen Keller bei anhaltend hohem Grundwasserspiegel leer zu pumpen, es sei denn, man füllt sauberes Wasser nach.
    Andernfalls muss man sich nicht über gerissene Bodenplatten wundern. Ist nichts weiter als Alltagsphysik...

    2 Leserempfehlungen
    • bayert
    • 07. Juni 2013 13:40 Uhr

    wenn die Haustechnik ohnehin im EG/OG angesiedelt ist. Da wäre eher Stelzenbau angebracht.

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    • brazzy
    • 07. Juni 2013 14:14 Uhr

    Wer will schon in Räumen mit komplett gefliesten Wänden, ohne Elektrogeräte und mit spartanischer Einrichtung wohnen? Die Nutzung als Garage ist aber durchaus vernünftig.

    Richtige Keller hingegen werden ja bevorzugt als Lagerräume genutzt, also gerade alles andere als leicht und schnell auszuräumen.

    • brazzy
    • 07. Juni 2013 14:14 Uhr
    6. Stimmt

    Wer will schon in Räumen mit komplett gefliesten Wänden, ohne Elektrogeräte und mit spartanischer Einrichtung wohnen? Die Nutzung als Garage ist aber durchaus vernünftig.

    Richtige Keller hingegen werden ja bevorzugt als Lagerräume genutzt, also gerade alles andere als leicht und schnell auszuräumen.

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    • M-F.
    • 07. Juni 2013 14:20 Uhr

    1."Ich verstehe das nicht, ich würde nur einmal den Dreck aus der Bude hinausschippen müssen ..."

    Aber wenns bezahlt wird,dann doch vier,fünfmal eventuell?;-)
    ich finde es auch unmöglich,dass sich die Menschen dauernd wieder überschwemmen lassen und der Steuerzahler darf zahlen,das ist doch
    nicht normal.Dann läßt man wenigstens die unteren 1 oder 2 Etagen frei,gerade wenn man sicher weiß,dass die nächsten Überschwemmungen mit Sicherheit kommen.

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    Das Totschlagargument gegen alle und alles, die nicht in "meinem" Sinne handeln. Ich zahl ja Steuern, also macht, wie ich es für richtig halte.

    Gerade im Hochwasserkontext in den letzten Tagen eine gern gewählte Aussage, zusammen mit verächtlichen: "Na, dann zieht halt weg, seid ja selber schuld." - Vorwürfen.

    Ich kann's nimmer hören.

  3. Das Totschlagargument gegen alle und alles, die nicht in "meinem" Sinne handeln. Ich zahl ja Steuern, also macht, wie ich es für richtig halte.

    Gerade im Hochwasserkontext in den letzten Tagen eine gern gewählte Aussage, zusammen mit verächtlichen: "Na, dann zieht halt weg, seid ja selber schuld." - Vorwürfen.

    Ich kann's nimmer hören.

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