Hochwasser : Im Zweifel den Keller volllaufen lassen

Häuser lassen sich aufwändig gegen Hochwasser schützen. Bauexperten raten stattdessen zu Untergeschossen, die geflutet werden können. Wem hilft was?

Weite Teile Deutschlands versinken in den Fluten. Passau, Dresden, Halle und viele weitere Städte im Süden und Osten stehen oder standen unter Wasser. Für die Anwohner bedeutet das: vollgelaufene Keller, geflutete Wohnungen, ruinierter Hausrat. Wie können sich Anwohner vor Hochwassern schützen?

Bei ausgiebigen Regenfällen schwellen nicht nur Bäche und Flüsse an, auch die Abwasserkanäle müssen deutlich mehr Wasser aufnehmen. Im Extremfall kommt es zu einem Rückstau und Abwasser dringt über die Abflüsse zurück in die Wohnungen. Davor kann man sich mit Rückstausicherungen relativ leicht schützen. Das sind Klappen, die in eine Fließrichtung dichtmachen. Für Anschlüsse im Keller werden sowieso bei jedem Neubau Rückstausicherungen montiert, in Hochwasser-Risikogebieten müssen sie eben auch höher angebracht werden.

Im Kampf gegen das Hochwasser selbst und auch gegen steigendes Grundwasser gibt es zwei gegensätzliche Ansätze. Die eine Taktik beruht darauf, das Wasser um jeden Preis herauszuhalten aus den Räumen. Der Keller wird dann als sogenannte "weiße Wanne" konstruiert, mit Wänden und Böden aus wasserdichtem Beton. Fenster und Türen sind inzwischen in wasserdichten Ausführungen zu haben. Und wenn die Flut kommt, werden vor dem Haus mobile Schutzwände montiert, Sandsäcke und Schläuche verlegt. Mit Glück lässt sich das Wasser so zurückhalten.

Schutz aus Jute und Erde. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke anzusehen. © Jan Woitas/dpa

So erzählt es auch Jeannette Buschner, die seit 2010 vier Mal Hochwasser auf ihrem Grundstück im sächsischen Leukersdorf hatte: "Wir haben immer Sandsäcke im Haus." Fachleute wie Patrick Hesse vom Lehrstuhl Wohnbauten der TU Dresden schlagen jedoch das genaue Gegenteil vor, zumindest für Neubauten. Statt sich mit allen Mitteln gegen eindringende Fluten zu wehren, sollten sich Anwohner mit dem Wasser arrangieren, findet Hesse. Anwohnern von Risikogebieten schlägt er vor, Keller und Erdgeschoss von vornherein hochwassertauglich einzurichten.

Elektrogeräte und Haustechnik wie Heizung müssen dazu im Obergeschoss untergebracht werden. Möbel und Hausrat sollten problemlos in Sicherheit gebrachten werden können, wenn sich das Wasser nähert. Auch Boden- und Wandbeläge müssen wasserfest sein. Teppiche und Tapeten sind tabu, am besten eignen sich Sichtbeton oder Kacheln. In der Gegend um Passau ist es vielerorts sogar verboten, Erdgeschosse als Wohnfläche zu nutzen. Meistens nutzen die Leute die Fläche dann nur als Garage, erzählt Edgar Küblbeck vom Landratsamt in Passau.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

ein Wahnsinn

1."Ich verstehe das nicht, ich würde nur einmal den Dreck aus der Bude hinausschippen müssen ..."

Aber wenns bezahlt wird,dann doch vier,fünfmal eventuell?;-)
ich finde es auch unmöglich,dass sich die Menschen dauernd wieder überschwemmen lassen und der Steuerzahler darf zahlen,das ist doch
nicht normal.Dann läßt man wenigstens die unteren 1 oder 2 Etagen frei,gerade wenn man sicher weiß,dass die nächsten Überschwemmungen mit Sicherheit kommen.

Hochwasser - man kann sich schon einstellen (wenn man will)

Ich denke mal sich auf die Hochwassersituation einzustellen mach Sinn v.a. wenn man weiß dass das nächste Hochwasser so sicher kommt wie das Amen in der Kirche.

Mein Fahrradhändler direkt an der Donaulände in Passau beispielsweise war bei einem Hochwasser komplett abgesoffen - das Wasser stand mannshoch im Laden. Drei Tage nachdem das Wasser wieder weg war hatte er bereits wieder geöffnet - und sich entschuldigt dass sich die Reparatur meines Radls aufgrund des Hochwassers leider um einige Tage verzögert...ich war baff.

Er hat mir erklärt dass sie einen Plan und einen Transporter haben und wenn das Wasser kommt einfach alles ausräumen und abtransportieren und den Laden ab einem bestimmten Level mit Trinkwasser fluten damit sie nicht so viel aufräumen müssen wenn das Wasser wieder weg ist.

Aber wenn das Wasser viel höher steigt als normal (so wie diesmal) dann geht natürlich viel mehr kaputt. Oder wenn das Wasser noch nie da war, dann hat auch niemand damit geplant.