Genforschung : Oberstes US-Gericht verbietet Patente auf menschliches Erbgut

Die menschliche DNA ist ein Produkt der Natur, das nicht patentiert werden darf, hat der Supreme Court entschieden. Für künstlich erzeugtes Erbgut soll das nicht gelten.

Das oberste Gericht der USA hat in einer Grundsatzentscheidung Patente auf menschliches Erbgut verboten. Die menschliche DNA sei ein "Produkt der Natur", das nicht patentiert werden könne, urteilte der Supreme Court. Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, "da es nicht von der Natur hergestellt wird", teilte das Gericht mit.

Die Richter entschieden über eine Klage gegen das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das sich Patente auf zwei krebsauslösende Gene gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Diese Gene können Brust- und Eierstockkrebs auslösen.

Die Kläger warfen dem Unternehmen unter anderem vor, die mehrere Tausend Dollar teuren Tests seien für viele Patienten unerschwinglich. Zudem blockiere die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen oder Institutionen.

Das Urteil dürfte Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Bereiche der Gentechnik und der Medizin haben. Patente wurden unter anderem auch im Zusammenhang mit anderen Krebskrankheiten sowie Alzheimer angemeldet.

"Naturgesetze" und "Naturphänomene" könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie "fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit", entschieden die Richter. Ein Gen könne nicht einfach nur deswegen patentiert werden, "weil es isoliert wurde". Die neun Richter fällten ihre Entscheidung einstimmig.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

"natürliches Erbgut "

Das ist schwer zu definieren.
Im Prinzip sind (fast)all unsere Haustiere, Nutztiere, Nutzpflanzen sowie die schönen dekorativen Pflanzen NICHT natürlich.
Wir haben sie schließlich durch Jahre/Jahrhunderte/Jahrtausende Zucht wenig bis vollkommen verändert.
Einige Arten können sich nur noch durch unser Zutun vermehren.

Prinzipiell aber zu begrüßen. So gibt es in Zukunft weniger DNA-Raub.

Knebelverträge + Lizenz

Man benötigt nicht einmal Patente.
Sondern nur entsprechende Knebelverträge, die besagen, dass alle Tiere der Rasse X nur verliehen werden, aber noch dem ursprünglichen Besitzer gehören. Wenn im Vertrag dann noch steht, dass entsprechender Nachwuchs dem Vertragsgeber gehört und Wildtiere mit entsprechenden Kosten eingefangen werden müssen...
Das ist ein durch und durch kapitalistisches Problem, dafür braucht man nicht einmal Patente.

Mehr zum Thema: Komplett neu erstellte Organismen für bestimmte Zwecke, sagen wir mal: Herstellung von Vitaminen, Aminosäuren oder Medikamenten.
Sollte es dafür auch gar keine Patente geben?
Ich meine die Entwicklung wird noch Jahrzehnte sehr teuer sein.
Das ist im Prinzip biologische Software. Wenn der Konkurrent der entsprechenden Firmen den Ansatz direkt kopieren kann.
Ja, dann werden Millionen gestohlen. Da kann man auch schlecht sagen: "Nein, das muss alles frei verfügbar sein."

Es ist zu teuer

Also ihre Idee finde ich gut.
Aber solche Forschungen sind teuer.
Politiker werden dies gegeneinander ausspielen.
Die Akzeptanz der Bürger muss für jedes neue Projekt gewonnen werden (man kann und sollte sowas ja schließlich nicht über unsere Köpfe entscheiden).
Und Bürokratieaufwand. Die Wirtschaft wird andauernd beteuern, dass es viel zu aufwändig und ineffizient ist.
Zudem versucht man ja seit Jahren dem Staat sämtliche Aufgaben zu nehmen.

Die Firmen sollen ihre Forschung nicht aufgeben.

Und die Firmen werden auch weiterforschen wenn Sie sich davon einen Kosten- oder Marktvorteil versprechen.

Positive Ergebnisse der öffentlichen Forschung kann allen interessierten Firmen, gegen Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Durch das Entgelt der Firmen sollten die Forschungskosten wieder reinkommen. Weiterer Vorteil ist die Kalkulation der Firmen bei den Herstellungskosten und damit verbundene, insgesamt niedrigere Preise, für die Verbraucher. Monopolpreise fallen zum Teil weg. Und das Wichtigste, es wird auch für diejenigen, Geforscht wo das Forschen wegen Gewinnmaximierung unterbleibt!