Zwei von drei Kleinkindern in Deutschland werden nur unzureichend oder zu spät gegen Masern geimpft. Lediglich 37 Prozent der Kinder erhalten vor ihrem zweiten Geburtstag die empfohlene Doppel-Impfung, wie Wissenschaftler vom Versorgungsatlas der kassenärztlichen Vereinigungen am Mittwoch mitteilten. Die Forscher vom Versorgungsatlas hatten in ihrer Erhebung die Daten von mehr als 550.000 Kindern ausgewertet, die im Jahr 2008 geboren wurden. Das sind 81 Prozent des gesamten Jahrgangs.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will bis 2015 eine flächendeckende Impfquote von 95 Prozent erreichen. Am weitesten davon entfernt sind laut der Erhebung die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Bremen. In Bayern und Berlin waren im ersten Halbjahr 2013 die meisten  Masern-Fälle registriert worden.

Masern gelten als eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Schwere Komplikationen sind selten, aber es gibt sie. Im Juni starb ein 14-Jähriger an den Spätfolgen einer Infektion. Er hatte sich als Säugling in einem Wartezimmer mit Masern angesteckt, weil ein nicht geimpftes Kleinkind die Krankheit weitertrug. Auch ein Mädchen starb Jahre später durch diese Wartezimmer-Infektion.     

Erste Impfung bleibt manchmal wirkungslos

"Impflücken bei Kleinkindern können beispielsweise in Kindertagesstätten fatale Folgen haben, wenn die Infektion bei einem lokalen Masernausbruch eingeschleppt wird", warnte die Leiterin der Forschergruppe, Sandra Mangiapane. Bei drei bis fünf Prozent der Kinder schlage die erste Impfung nicht an. 

Bezogen auf die Gruppe der untersuchten Kinder waren der Studie zufolge zwischen 14.000 und 23.000 Kinder, die eine Erstimpfung bekommen haben, bis zur Zweitimpfung nicht geschützt, obwohl die Eltern das annahmen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt ebenfalls eine zweifache Impfung.

Wissenschaftler bemängeln niedrigere Impfquote

Auch die jüngsten Masern-Ausbrüche zeigen nach Meinung der Forschergruppe, dass die Impfquoten in Deutschland zu niedrig liegen und der Impfschutz in vielen Regionen sehr löchrig ist. In Erftstadt bei Köln musste vor Kurzem eine Waldorfschule geschlossen bleiben, nachdem dort mehr als zehn Schüler an  Masern erkrankt waren. Nur ein Viertel der Schüler konnte einen Impfschutz nachweisen.

Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 1.070 Fälle gemeldet, der Großteil davon in Bayern (478) und Berlin (400). Derzeit prüft das Bundesgesundheitsministerium, wie sich die Ausbreitung der Krankheit verringern lässt.

Der Versorgungsatlas wird vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung betrieben. Die Analysen seiner Forscher basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der Vertragsärzte.