Hyperloop nennt Elon Musk die einzige Möglichkeit für superschnelles Reisen, die dem Menschen noch fehlt. Es sei denn, die Erfindung der Teleportation grätscht dazwischen – was "genial" wäre, weshalb sich doch "bitte jemand darum kümmern möge". Die Idee des Multimillionärs und Raumfahrt- sowie Elektroauto-Unternehmers: Die 560 Kilometer zwischen Los Angeles und San Francisco ließen sich durchaus in einer Röhre zurücklegen, in der Kabinen Passagiere bei Tempo 1.100 von Stadt zu Stadt befördern.

Diese "fünfte Art des Transports" nach Flugzeug, Zug, Auto und Schiff hat Musk nun mal eben zusammen mit einem Dutzend Ingenieure aus seinen Unternehmen SpaceX und Tesla Motors auf 57 Seiten skizziert. Macht ja sonst keiner. Schlimmer noch: Den Visionär Musk nervt seit Jahren ein Großprojekt in Kalifornien, das kurz vor Baubeginn steht. Die kalifornische Hochgeschwindigkeitsbahn, die ab 2029 Sacramento mit San Diego verbinden soll. Die Strecke Los Angeles – San Francisco sei dann mit dem Zug in unter drei Stunden zu bewältigen.

Das bringt Musk auf die Palme: Wie kann es sein, dass man in der Heimat des Silicon Valleys einen Expresszug baut, der "sowohl einer der teuersten pro Meile als auch einer der langsamsten der Welt ist"? Der enttäuschte Musk will nun den Anstoß geben, dass es auch ganz anders geht.

Wie realistisch ist der Hyperloop?

Der Physiker und Ingenieur John Hansman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) formuliert es so: "Ich sehe nichts, was fundamentale Regeln der Physik brechen würde." Theoretisch sei der Hyperloop also möglich. Wäre ja auch peinlich, wenn die heiß ersehnte Projektskizze von Musk an solchen Banalitäten scheitern würde. Mögliche Probleme haben der Multimillionär und seine Ingenieure natürlich gleich mitgedacht.

Was eben nicht funktionierte, war, einfach das altbekannte Prinzip Rohrpost zu vergrößern. Die Idee, Menschen wie Nachrichten in Containern durch eine Röhre per Druckluft zu pusten, erzeugt im großen Maßstab "so stupend viel Reibung, dass sie unmöglich für die Praxis ist", stellt Musk fest.

Wie wäre es also statt Pneumatik mit eloktromagnetischer Schwebetechnik ähnlich dem Transrapid? Damit experimentiert etwa das Konsortium Evacuated Tube Transport Technologies, kurz ET3. Würde bestens gehen, wenn es gelänge, die Röhre im luftleeren Raum zu halten. Denn der Luftwiderstand ist das größte Problem, wenn es um hohe Geschwindigkeiten geht. Ihn zu überwinden, würde zu viel Energie verbrauchen. Einen evakuierten Tunnel findet Musk aber schwierig: "Schon eine undichte Versiegelung oder ein kleiner Riss irgendwo in den Hunderten von Meilen an Rohr würde ausreichen – und das ganze System funktioniert nicht mehr."

Die Lösung des US-Visionärs ist der Hyperloop. Dessen Gondeln operieren in Röhren mit niedrigem Druck. Es geht auch mit Luft, sie muss nicht vollkommen aus der Röhre gesaugt werden. Simple Pumpen könnten die Luftdichte auch nach kleinen Schwankungen wieder ausgleichen.

Allerdings bleibt die verbliebene Luft in der Röhre ein Problem. Legt sich die Passagierkapsel zu nah an die Innenwand des Tunnels, verhält sie sich wie eine Spritze. Sie drückt die Luft vor sich her. Höchstgeschwindigkeiten kurz unterhalb der Schallmauer wären futsch. Es sei denn, man erweitert den Durchmesser der Röhre deutlich, was nicht mehr praktikabel wäre.

Oder die Gondeln rasen schneller als Überschallgeschwindigkeit. Das allerdings dürfte den meisten Passagieren nicht gefallen, sie müssten zu starke Beschleunigungen aushalten. Und ein Röhrentransport allein für Astronauten ist abwegiger als der Hyperloop selbst.

Wie genau könnte es also funktionieren?

Die Kabinen mit Platz für je 28 Passagiere sind so gedacht, dass sie wie Schlitten durch den engen Tunnel mit einem inneren Durchmesser von 2,23 Metern gleiten. Nicht auf Schnee oder Eis, sondern auf Luft. Ein Ventilator am Bug schaufelt die Luft hinter die Gondel. Das löst auch gleich das Problem mit dem Spritzeneffekt. Geschwindigkeiten von knapp über 1.100 Kilometern pro Stunde sollen so erreicht werden können.

Beschleunigen sollen die Kapseln lineare Wechselstrommotoren, die laut Musk im Abstand von etwas mehr als 100 Kilometern an der Röhre angebracht werden können. Ein magnetisches Leitgitter treibt die Kapsel an. Ein Prinzip, das auch Magnetschwebebahnen ausnutzen. Schließlich braucht es noch eine kleine Batterie, die den Bugventilator antreibt. Fertig ist die Laube. Der MIT-Physiker Hansman ist da nicht so sicher, sagte er dem Magazin Technology Review. "Ich denke, es gibt eine Reihe technischer Herausforderungen mit dem Fahrzeug", sagt Hansman, der auch das internationale Zentrum für Luftverkehr leitet. Eine der größten Fragen sei, wie viel Energie das System erfordert.

Die Röhre selbst stellt sich Elon Musk oberirdisch auf Stelzen entlang des Interstate-5-Highways vor. Von Los Angeles bis San Francisco betrüge die Reisezeit damit gut 35 Minuten. Derzeit brauche man mit dem Auto fünfeinhalb Stunden, mit dem Flugzeug eine Stunde und 15 Minuten und in frühestens 16 Jahren mit dem derzeit geplanten Hochgeschwindigkeitszug etwa zwei Stunden und 38 Minuten, rechnen Musk und sein Team vor. In Intervallen von zwei Minuten könnten Passagierkapseln im Hyperloop losdüsen, während der Rush Hour sogar alle 30 Sekunden. 7,4 Millionen Menschen ließen sich so jedes Jahr zwischen den beiden Großstädten pro Strecke befördern.