Mark Post ist kein Sternekoch. Doch wenn der Niederländer heute Nachmittag in London den Pfannenwender schwingt, wird Forschern aus aller Welt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn Post serviert ihnen den ersten Burger aus dem Labor, künstliches Hack à la Rinder-Stammzelle, liebevoll angerichtet im Brötchen samt Soße und Salat.

Mit seinem strategisch geplanten PR-Coup will der Biomediziner der Universität Maastricht nicht weniger, als die Welt verändern. Post möchte ein Zeichen setzen: "Es ist im Prinzip möglich, Fleisch künstlich herzustellen", sagte er dem Online-Magazin der Universität. Die Werkzeuge seien vorhanden. Und doch tritt die Forschung schon lange auf der Stelle. Es ist Zeit für den Fortschritt. Posts Vision: Dank Labortechnik mit einer einzigen Rinderherde die nach Fleisch lechzende Weltbevölkerung ernähren.

Schon heute gehen 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen weltweit auf das Konto der Viehmast. Tendenz steigend. Die Welternährungsbehörde FAO schätzt, dass es Mitte des Jahrtausends 460 Millionen Tonnen Fleisch braucht, um die Gelüste der Menschheit zu befriedigen. Das bedeutet eine Verdopplung des Konsums innerhalb von nur 50 Jahren.

Auch hierzulande türmen sich auf den meisten Tellern noch immer Fleischberge. Im Durchschnitt isst jeder Deutsche im Laufe seines Lebens laut des aktuellen Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung 1.094 Tiere: Vier Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Ein Hunger, der kaum mehr zu stillen ist.

Kultiviertes Fleisch für die Verfechter der Fleischkultur

Bereits seit Jahrzehnten kursiert die Idee, Fleisch im Labor zu züchten. Weltweit arbeiten Forscher am In-Vitro-Filet vom Fließband – für eine Massenproduktion ohne Massentierhaltung. Es geht weder um Fleischersatz aus Soja oder ähnlichen Proteinquellen, noch um Gentechnik, sondern um das gezielte Heranzüchten von Zellen, die im Labor schließlich zu einem saftigen Steak oder eben Hack á la Mark Post heranwachsen.

Die Motive sind ehrenhaft. Eine Studie der Zoologin Hanna Tuomisto von der University of Oxford zeigt etwa, dass eine Massenproduktion von In-Vitro-Fleisch den Verbrauch von Wasser, Land und Energie maßgeblich senken würde. Auch Emissionen von Methan und anderen Treibhausgasen fielen im Vergleich zur herkömmlichen Viehzucht weit geringer aus. Zudem könnten im Laborfleisch die Anteile von Fett und Cholesterin künstlich gesenkt werden, sodass es gesünder ist, als die Lenden aus der Tiermast.

Gutes für Mensch, Tier und Umwelt – eine entzückende Vision. Der New York Times verriet der Biomediziner Post, er sei kein besonders leidenschaftlicher Mensch. Doch was er vorhabe, wäre bedeutsam für die Gesellschaft. "Das ist eine riesige Motivation."

Der Traum von einer besseren Welt kostet allerdings noch ordentlich Geld. Allein in den Stammzell-Burger sind nach Angaben von Post rund 300.000 Euro geflossen. Zuvor hatte bereits die niederländische Regierung mit zwei Millionen Euro in seine Forschung investiert.