Freie Studienplätze : Trotz Absage an die Uni

Die Konkurrenz um Studienplätze ist groß. Wer eine Absage bekommt, muss nicht verzweifeln. Mit diesen Strategien findet man trotzdem noch einen Platz.

Viele Bewerberinnen und Bewerber haben bereits Post von der Uni erhalten, andere warten noch gespannt auf die Nachricht. Vielerorts ist die Konkurrenz um einen Studienplatz groß; die Bewerbungszahlen sind auch in diesem Jahr ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Wer am Numerus Clausus (NC) scheitert, muss nicht verzweifeln. Sechs Wochen vor Studienbeginn stehen andere Wege offen. Wir geben Tipps, wie es Abiturienten trotz Absage noch an die Uni schaffen.

Auf frei werdende Plätze warten

Viele Abiturienten bewerben sich an mehreren Unis und erhalten auch mehrere Zusagen. Diese Mehrfachbewerber springen den Hochschulen also auch wieder ab. Die frei gewordenen Plätze erhalten diejenigen, die bisher nicht zum Zug gekommen sind. Wie viele Plätze so vergeben werden, hängt vom gewünschten Fach und der gewünschten Uni ab. Horst Henrici, Leiter des Studierendenservice der Technischen Universität Berlin (TU), will Bewerbern zwar nicht allzu große Hoffnungen machen: "Wir gehen davon aus, dass wir wie in den vergangenen Jahren keine größeren Nachrückverfahren haben werden." Gleichwohl könne er für die TU absehen, dass es wahrscheinlich in kleineren Bachelor-Fächern "Restplätze" geben werde: wie in Wissenschafts- und Technikgeschichte oder Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft. Wie lange die Nachrückverfahren dauern, variiert ebenfalls je nach Studiengang und Uni.

Einen Studienplatz erlosen

Plätze, die zum Schluss immer noch unbesetzt sind, verlosen die Hochschulen. Hier haben wieder alle eine Chance: Für die Verlosung anmelden können sich auch diejenigen, die sich ursprünglich nicht für den Studiengang beworben haben. Jede Hochschule handhabt Fristen und die meistens formlosen Anträge unterschiedlich, Bewerber müssen sich frühzeitig über die Formalitäten informieren. Die Uni Magdeburg zum Beispiel wirbt bereits jetzt damit, in mehreren ihrer NC-Studiengänge Losverfahren durchzuführen. Darunter sind beliebte und meist mit einem hohen NC versehene Fächer wie BWL, Kulturwissenschaften und Soziologie. Einen Überblick über freie Studienplätze gibt ab 1. September die Internet-Studienplatzbörse der Hochschulrektorenkonferenz, die bis zum Semesterstart aktualisiert wird.

In eine andere Stadt gehen

Am einfachsten geht es auch jetzt noch an die Uni, wenn sich Abiturienten in ein Fach einschreiben, das keinen NC hat. Der Notenschnitt spielt dann nämlich gar keine Rolle, und die Immatrikulation ist oft bis kurz vor Semesterstart möglich. "Von einer Handvoll Fächer wie Medizin und Psychologie abgesehen, kann man eigentlich fast alles studieren, wenn man ortsflexibel ist", sagt Klaus Scholle vom Büro "Studieren in Berlin und Brandenburg"

Die BTU Cottbus-Senftenberg etwa bietet Technikinteressierten ein breites Spektrum an NC-freien Fächern. An der Uni Halle sind Jura, BWL und die großen Geisteswissenschaften zulassungsfrei, auch an der TU Chemnitz findet sich ein großes Angebot an Technik-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. An der Uni Würzburg können sich Erstsemester unabhängig von ihrem Notenschnitt nicht nur in Jura, sondern auch in beliebte Lehramtsfächer wie Deutsch, Englisch und Geschichte einschreiben. Bayern ist überhaupt ein gutes Ziel für NC-Flüchtlinge: die Uni Bamberg wirbt damit, dass von 34 Bachelor- und 32 Lehramtsstudiengängen nur acht Fächer mit einem NC belegt sind. Auch an der Uni Regensburg sind viele Lehrämter und große Geisteswissenschaften NC-frei.

Aufs Studium warten

Wenn die Note nicht für die Wunschuni reicht, Bewerber aber an ihr festhalten, könnten sie Zeit mit einem Auslandsaufenthalt oder einem Praktikum überbrücken. Einen Teil ihrer Plätze vergeben Hochschulen an Bewerber, die Wartesemester gesammelt haben. Hier spielt zunächst nur die Wartezeit eine Rolle und nicht die Note. Als Wartezeit zählt jedes Halbjahr ab Ausstellung des Abiturzeugnisses. Wer Wartesemester sammeln will, darf sich in der Zwischenzeit nicht anderswo einschreiben.

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Alternativ …

… einfach Widerspruch gegen die Ablehnung einreichen. Beispielsweise hat die Universität Bremen aufgrund finanzieller Probleme nur bei drei, vier Fächern (Psychologie, etc.) überhaupt die Möglichkeit, solchen Widersprüchen entgegenzutreten – alle anderen Widersprüche rutschen (offiziell im "Losverfahren") durch. Einfach mal beim AStA der jeweiligen Uni anfragen, die haben in der Regel kostenlose Beratungsstellen.