Auf dem Dachboden von Lutz Kettler lag jahrelang eine Mumie. Der 53-Jährige wusste nichts von ihr, bis sein zehnjähriger Sohn eine Kiste öffnete, in dem ein in Verbände gewickelter Körper lag. Wie die Mumie auf den Dachboden gelangte und wie alt sie ist, weiß keiner. Kettler, von Beruf Zahnarzt, vermutet, sein Vater habe sie von einer Reise mitgebracht, die er 1955 mit einem Freund nach Nordafrika unternommen hat. Der Vater war ebenfalls Zahnarzt und ist vor zwölf Jahren verstorben.

Kettler fuhr die Mumie ins Diepholzer Krankenhaus und ließ sie radiologisch untersuchen. Die Aufnahmen zeigten das Skelett eines Kindes, in dessen Augenhöhle eine Pfeilspitze steckt. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft in Verden die Ermittlungen auf und beschlagnahmte den Körper. Den Befund wird es in einigen Wochen geben.

Wie ermittelt man das Alter einer Mumie? Und was verbirgt sich unter den Verbänden? Antworten gibt Friedrich Rösing, Professor für Anthropologie an der Medizinischen Fakultät in Ulm.

ZEIT ONLINE: Was sollte man unternehmen, wenn man eine Mumie findet?

Friedrich Rösing: Die Polizei rufen. Vor allem, wenn man nicht weiß, wem sie gehört.

ZEIT ONLINE: Und was macht die Polizei dann?

Rösing: Vor allem Spuren sichern. Es ist wichtig, dass die Polizei den Fundort untersuchen kann, an dem die Leichenteile lagen. Wenn nur einzelne Gliedmaßen gefunden werden, dann ist dort manchmal noch mehr. Die stellt die Polizei sicher und schickt sie an die Rechtsmedizin oder die Anthropologie, wo sie untersucht werden.

ZEIT ONLINE: Was kann solch eine Untersuchung ergeben?

Rösing: Man sollte normalerweise schnell erkennen können, woher die Mumie stammt. Mumien aus Südamerika sind viel jünger und meist in Hockerstellung und Mumien aus Ägypten liegen ausgestreckt und weisen sehr spezifische Behandlungsspuren durch die Einbalsamierung auf. Beispielsweise Spuren der Entfernung von Weichteilen wie Gehirn oder Penis. Dafür gibt es Experten, die sich die Mumie ansehen sollten.