Hans Rudolf Herren (Schweiz) © Peter Lüthi

Seine Feinde heißen Maniok- oder Mango-Schmierlaus oder auch Grüne Maniok-Milbe – Insekten, die Bohnen oder Mais fressen und ganze Ernten vernichten können. Denn Hans Rudolf Herren ist Schädlingsbekämpfer – allerdings auf akademischem Niveau und ohne Giftkanone. Dass die Schlacht gegen Käfer, Milben, Raupen und Pilze in der Landwirtschaft auch ohne giftige Chemikalien zu gewinnen ist, hat der Agrarwissenschaftler über Jahrzehnte bewiesen und umweltfreundliche Alternativen verfeinert. Dafür wird der 65-Jährige jetzt mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

Maniok ist in Afrika und Südamerika ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Ihre Wurzelknollen ernähren – wie in Europa die Kartoffel – in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern Millionen von Menschen. Als in den 1970er Jahren ein eingeschleppter Schädling – die Schmierlaus – anfing, Afrikas Maniok-Ernten zu vernichten, fing man an, hochgiftige Chemikalien auf den Feldern einzusetzen. Mit wenig Erfolg.

Herren war es, der schließlich am International Institute of Tropical Agriculture in Nigeria biologische Schädlingsbekämpfungsprogramme entwickelte, die das Schmierlaus-Problem lösten. Ganze 15 Jahre lebte der Agrarforscher in Afrika.

Mit Wespen kämpfte er gegen Läuse

Der entscheidende Durchbruch im Kampf gegen die Laus gelang Herren, als er in Paraguay eine Wespenart entdeckte, die als Parasit Schmierläuse befällt und tötet. Nachdem der Forscher sicher war, dass die absichtliche Verbreitung dieses natürlichen Feindes der Maniok-Schädlinge für die Umwelt kein noch größeres Risiko darstellen würde als die Läuse, wurde die größte Freisetzungskampagne aller Zeiten gestartet: In 24 Staaten des sogenannten Maniok-Gürtels Afrikas vom Senegal bis nach Angola wurden seit 1982 bis ins Jahr 1993 1,6 Millionen Wespen auf die Schmierläuse losgelassen. Von Flugzeugen aus wurden die Wespen über den Feldern verbreitet.

Inzwischen hat sich ein biologisches Gleichgewicht zwischen den Schmierläusen und ihren natürlichen Feinden eingestellt – und der Maniok-Anbau ist damit nachhaltig ohne den Einsatz von Chemikalien geschützt. 1995 erhielt Herren für diesen Erfolg den World Food Prize. Die Jury begründete ihre Entscheidung damals damit, der Forscher habe durch seine Arbeit das Leben von 20 Millionen Menschen gerettet.

Heute fördert Herren mit seiner Stiftung Biovision die biologische Schädlingsbekämpfung und ökologische Landwirtschaft in Entwicklungsländern Afrikas, wo Bauern mit weniger giftigen Methoden sogar höhere Erträge erzielen – ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Hunger und Armut. 

Als Sohn eines Landwirts hatte der Schweizer schon als Kind die negativen Auswirkungen von Pestiziden kennengelernt und begonnen, sich für ungiftige Alternativen zu interessieren. Nach seiner Promotion an der ETH Zürich, forschte Herren an der Berkeley-Universität in Kalifornien.

Er war über ein Jahrzehnt lang Herausgeber der Zeitschrift Insect Science and its Application und ist heute Mitglied der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (NAS).