Teerschwarze Lungen, verfaulte Zähne und abgestorbene Zehen: Seit einigen Jahren sind Zigarettenpackungen in vielen europäischen Ländern mit ekelerregenden Schockbildern versehen. Sie sollen vor allem Kinder und Jugendliche vom Rauchen abschrecken. Glaubt man Forschern der britischen Universität Stirling, ist der Plan nicht aufgegangen. Auf Jugendliche, die regelmäßig rauchen, haben die Fotos offenbar kaum eine Wirkung, schreiben Crawford Moodie und sein Team im Fachmagazin Tobacco Control.   

In England müssen Zigarrettenpäckchen seit 2008 mit Warnungen wie "Rauchen ist tödlich" oder "Rauchen schadet ihrer Gesundheit" gekennzeichnet sein. Bald wurde vermutet, dass die Warnungen zu abstrakt sind. Deshalb kamen drei Jahre später die Schockbilder hinzu. Moodie und seine Mitarbeiter wollten herausfinden, ob sie dadurch tatsächlich wirkungsvoller und einprägsamer wurden.

Sie befragten in den Jahren 2008 und 2011 jeweils mehr als tausend Jugendliche im Alter von elf bis 16. Etwa zwei Drittel von ihnen hatten niemals geraucht, bei den übrigen handelte es sich um regelmäßige und Gelegenheitsraucher. Sie wurden gebeten, die Sichtbarkeit, Verständlichkeit und Glaubwürdigkeit der Warnungen auf den Zigarettenpackungen zu bewerten. Außerdem sollten sie angeben, ob diese einen großen Einfluss auf sie ausübten.

Beinahe alle Jugendlichen antworteten, dass ihnen die Fotos aufgefallen waren. Auch an der Echtheit zweifelte fast niemand. Ein Großteil der Nicht- und Gelegenheitsraucher hatten die bebilderten Warnungen als deutlich abschreckender empfunden als die reinen Schriftzüge. Nicht so die Raucher. Im Jahr 2008 gaben 13 Prozent von ihnen an, dass die (nicht bebilderten) Warnungen sie vom Rauchen abbringen könnten. Drei Jahre später, als die Schockbilder hinzugekommen waren, waren es 14 Prozent – also nicht bedeutend mehr.  

"Der Einfluss auf regelmäßige Raucher ist vernachlässigbar", resümieren die Forscher. Eine Erklärung sei womöglich die unprominente Platzierung auf der Rückseite der Packungen. Außerdem sei es möglich, dass die Raucher sich mit der Zeit an die Bilder gewöhnt hatten. Dem könnte man etwa entgegenwirken, indem man die Bilder regelmäßig austausche, heißt es in der Studie.