Ein Goldhändler in Sulawesi, Indonesien (Archiv) © Yusuf Ahmad/Reuters

Gold fasziniert die Menschen, sie tun fast alles, um an das Edelmetall heranzukommen. Erstaunlich, dass noch immer unklar ist, woher es eigentlich kommt. Nur langsam fügen sich die Puzzleteile zu einem Bild. In einem Artikel im Fachblatt Geology stützt Damien Gaboury die These, wonach das Gold in einigen Minen sich einst in Ablagerungen auf dem Meeresboden befand. Dieser geriet unter das Festland und gab das Edelmetall frei, welches in das darüberliegende Gebirge aufstieg, wo es nun gewonnen wird.

Der Bergbau lohnt sich ab einem Goldgehalt von rund 0,0003 Prozent. Das ist 1.000 Mal so viel wie in einem durchschnittlichen Stück Erdkruste zu finden ist. Aber selbst diese 3 Milligramm Gold pro Tonne Fels sind ein unerhört großer Wert, der Wissenschaftler vor ein Rätsel stellt. Ihrem Modell der Planetenentwicklung zufolge, sollte nach der Entstehung der Erde vor 4,5 Milliarden Jahren fast alles Gold in einem großen Magmaozean versunken sein. Doch sie finden viel mehr von dem Metall an der Oberfläche, als ihre Gleichungen vermuten lassen.

Zwei Erklärungsversuche konkurrieren miteinander, einer verrückter als der nächste. Geht es nach Munir Humayun aus Florida und Kollegen, so ist nicht alles Gold ins Zentrum der Erde gesunken. Ein kleiner Teil bildete – gemeinsam mit anderen "eisenliebenden" (siderophilen) Elementen – in mehreren hundert Kilometern Tiefe Reservoirs. Später sollen diese Metalle durch Vulkanismus wieder nach oben gelangt sein.

Das widerspricht dem, was die Mehrheit der Geoforscher glaubt: Das Gold und die anderen siderophilen Elemente, wie auch jede Menge Wasser und vielleicht auch Aminosäuren, hagelten einst mit Meteoriten auf die junge Erde. Tatsächlich gelang es Matthias Willbold von der Uni Bristol und Kollegen 2011, einen starken Beleg für diese "Late-Veneer"-Hypothese vorzulegen. Sie hatten zwar nicht Gold, aber dafür das ebenfalls siderophile Element Wolfram analysiert, in 3,8 Milliarden Jahre alten Gesteinen aus Grönland. Darin war die Zusammensetzung des Erdmantels vor dem großen Meteoriten-Schauer konserviert.

Gold auf Meteoriten?

Das Verhältnis bestimmter Wolframisotope (Atome eines Elements, aber mit unterschiedlicher Masse) unterschied sich von dem in jüngeren Gesteinen, berichtete Willbold im Fachblatt Nature. Um das zu erklären, müsse "zusätzliches" Wolfram mit Meteoriten zur Erde gekommen sein. Und mit ihnen auch Gold. Derzeit bearbeitet er Proben aus Kanada, die bis zu 3,9 Milliarden Jahre alt sind. Noch sind keine Daten veröffentlicht, doch Willbold verteidigt die Late-Veneer-Hypothese nach wie vor als "elegant und wesentlich einfacher als andere Theorien."

Indes, die Menge, die der Erde zugeflogen sein muss, ist gigantisch. Um die Gleichungen zu erfüllen, hätten rund 20 Billiarden Tonnen vom Himmel stürzen müssen, das entspricht etwa einem halben Prozent des Erdmantels. "Man darf nicht vergessen, dass damals viel mehr Material durch das All flog als heute", sagt der Geochemiker Thorsten Kleine von der Uni Münster. "Die meisten Forscher halten diese Theorie für die plausibelste, um die Häufung siderophiler Elemente in der Erdkruste zu erklären."