Nein, es geht ausnahmsweise mal nicht um das Weihnachtsgebäck, das jetzt schon seit Wochen in den Supermarktregalen einstaubt. Es geht um einen Kometen, der die dunkle Vorweihnachtszeit auf der Nordhalbkugel ein wenig erhellen könnte. Ein bisschen vielleicht wie der Stern von Bethlehem, wobei der kein Komet war. Denn für Dezember erwarten Astronomen ein spektakuläres Leuchten am Nachthimmel – ausgelöst durch einen steinig-eisigen Brocken namens Ison, der gerade Richtung Sonne saust. Heute passiert der Komet den Roten Planeten.     

Erst im Jahr 2012 entdeckten russische Forscher das kosmische Bruchstück, das schon jetzt als "Jahrhundertkomet" gefeiert wird. Dabei steht noch nicht einmal fest, ob der Brocken aus Gestein, Gasen, Wasser und Staub überhaupt heil an der Sonne vorbeikommen wird, der er dann am nächsten sein wird, wenn die Amerikaner Thanksgiving feiern: Am 28. November. Sollte er den Sonnen-Transit heil überstehen, wird er im Dezember am Himmel auch über Deutschland strahlen. Am dichtesten dran an der Erde wird Ison am zweiten Weihnachtstag sein.

Heute führt die Reise durchs All den Kometen aber erst einmal in einem Abstand von 10,9 Millionen Kilometern am Mars vorbei. Und das ist deshalb so interessant, weil wir Erdenbewohner auf und rund um den Roten Planeten jede Menge Beobachtungsstationen mit Kameras und Messgeräten postiert haben, die schon jetzt ziemlich gute Schnappschüsse und Analysen von dem Himmelskörper machen können.

Die Wissenschaftler wollen vor allem wissen, wie groß Ison ist. Dafür, wie hell und weit der Komet am Himmel leuchten wird, ist seine Größe entscheidend. Je dicker der Brocken ist, desto größer sind seine Chancen, die Höllentour an der Sonne vorbei zu schaffen.

Hoffnungen auf einen Riesenschweif

"Wenn der Kern größer ist als 500 Meter, dann hat Ison gute Aussichten, seinen nahen Vorübergang an der Sonne am 28. November zu überstehen", sagt Astronom Carey Lisse von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. "In diesem Fall könnte er zu einem der spektakulärsten Himmelsereignisse seit vielen Jahren werden." Optimisten rechnen damit, dass Ison Anfang Dezember fast so hell wie der Vollmond leuchten wird. 

Außerdem soll er einen Schweif entwickeln, der sich über ein Drittel des Himmels erstreckt. Allerdings sind solche Prognosen sehr unsicher, wie im Frühjahr der Komet Panstarrs demonstrierte: Trotz großer Erwartungen war er mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Für Wissenschaftler ist der Vorbeiflug von Ison am Mars auch deshalb spannend, weil der Himmelskörper dabei die Schneegrenze des Sonnensystems passiert. Der Komet erreicht also den Bereich, in dem die Strahlung der Sonne stark genug ist, um gefrorenes Wasser zu verdampfen.

Kometenkerne sind keine festen felsigen Körper. Sie bestehen aus einem Gemisch aus Gesteinsbrocken und Staub, eingebettet in gefrorene, flüchtige Substanzen wie Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Methan. Diese Substanzen bilden den auffälligen Schweif des Kometen, wenn sie sich der Sonne nähern. Wie sich dieser Schweif bildet, wollen Astronomen natürlich in ihre Fotoalben aufnehmen und den Prozess genau untersuchen. "Wasser macht 90 Prozent der flüchtigen Substanzen aus", sagt Lisse. Deshalb sollte der Schweif nach Überqueren der Schneegrenze schnell wachsen, "und die Marssonden sitzen dabei sozusagen in der ersten Reihe".

Curiosity guckt auch nach dem Kometen

Die besten Aussichten, den Kometen zu beobachten, hat der amerikanische Mars Reconnaissance Orbiter. Die Nasa-Raumsonde ist mit einem Teleskop ausgestattet, das mit seiner 50 Zentimeter großen Öffnung leistungsfähig genug ist, um Ison aufzuspüren. Allerdings wurde das Instrument konstruiert, um schnelle Aufnahmen von der Marsoberfläche zu machen – schließlich soll sie den Mars kartografieren. 

"Unsere maximale Belichtungszeit ist deshalb – im Vergleich zu Weltraumteleskopen – beschränkt", erklärt Alfred McEwen von der Universität von Arizona, der für das Fernrohr verantwortlich ist. "Das schränkt uns bei der Beobachtung des Kometen sehr ein. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir Ison aufspüren können."

Auch der amerikanische Orbiter Mars Odyssey sowie der europäische Mars Express werden ihre Linsen auf Ison richten. Selbst die Kamera des Marsrovers Curiosity soll den Kometen fotografieren – auch wenn unsicher ist, ob Ison überhaupt hell genug für den Rover sein wird.

Für die Astronomen sind die Beobachtungen zugleich eine Übung für das kommende Jahr: Am 19. Oktober 2014 zieht dann der Komet Siding Spring in einem Abstand von nur 37.000 Kilometern an der Oberfläche des Roten Planeten vorbei. Dann bietet sich erneut die Gelegenheit, mit den Instrumenten der Marssonden einen Kometen aus nächster Nähe zu beobachten. 

Der geringe Abstand, in dem Siding Spring vorbeisaust, birgt dann allerdings auch Gefahren. Die Orbiter und Rover könnten durch sich mit hoher Geschwindigkeit bewegende Staubpartikel oder größere Bruchstücke des Kometen beschädigt werden.

In unseren Advents- und Weihnachtsvorbereitungen werden uns beide Kometen nicht stören. Sie fliegen beide zu weit an der Erde vorbei, um uns gefährlich zu werden.