Goldglänzende Dächer auf einem Heer aus roten Säulen. Breite Treppenstufen, die zu imposanten Prachtbauten emporragen. Eine Armada aus Toren, Pavillons und Palästen – die Verbotene Stadt in Peking trumpft auf mit Prunk. Bis vor hundert Jahren durften ausschließlich Adlige das Kaiserviertel betreten. Normalsterbliche hatten zunächst nur Zugang, um das architektonische Meisterwerk zu bauen. Dafür mussten sie unter anderem riesige Felsbrocken für die Fundamente herbeischleppen, auf denen die Paläste heute noch thronen.

Wie die Arbeiter das bewerkstelligt haben, ist umstritten. Manche der Steine wiegen mehr als 120 Tonnen und stammen aus bis zu 70 Kilometer weit entfernten Gegenden. Chinesische Forscher haben nun herausgefunden: Die schwersten von ihnen wurden nicht nur mit reiner Muskelkraft nach Peking geschafft. Sondern auch mit einem Trick, den mancher Sportliebhaber sonst vom Curling kennt.

Schon länger war bekannt, dass chinesische Arbeiter im 15. und 16. Jahrhundert künstliche Eisbahnen anlegten, um schwere Gesteinsblöcke für die Verbotene Stadt mit Schlitten nach Peking zu bringen. Dabei wirkt die Methode auf den ersten Blick aus der Zeit gefallen, wie Jiang Li und ihre Kollegen von der University of Science and Technology in Peking schreiben. Die entscheidende Frage: "Warum wurden Schlitten noch benutzt, obwohl große Karren mit Rädern schon seit 2000 Jahren in China bekannt waren?"

40 starke Männer brauchte es wohl für einen Block

Die Ingenieure haben gleich zwei Gründe parat. Zum einen hätten die damaligen Wagen besonders schwere Felsbrocken nicht tragen können, schreiben sie im Magazin PNAS. Zum anderen sei der Transport via Schlitten weit schonender gewesen als die Steine mit einem Karren über holprige Wege zur Baustelle zu fahren. Eine Methode, die die damaligen Bauleiter perfektionierten. So mussten die Arbeiter die Bahn kurz vor dem Ziehen des Felsblocks zusätzlich wässern – eine neue, raffinierte Technik, die Li und ihre Kollegen aufgespürt haben.

Die chinesischen Forscher stützen ihre These auf ein 500 Jahre altes Dokument, das von den Eisbahnen berichtet. Entlang der Strecke habe alle 500 Meter ein Brunnen gestanden, heißt es in dem Schriftstück; ein weiteres Indiz für die Theorie. Weitere Hinweise lieferten Experimente zum Reibungswiderstand von Materialien.

Dank der Extraschicht Wasser sinkt der Reibungswiderstand eines Felsblocks auf Eis fast um das Zehnfache. Gut zu sehen ist solch verbessertes Gleiten beispielsweise während eines Curling-Spiels. Hier wischen die Spieler schnell über die Eisfläche, um durch die Reibungswärme einen Wasserfilm zu erzeugen, der Spielstein bleibt länger schnell.

Statt rund 300 Menschen habe es laut Berechnungen der Wissenschaftler bloß bis zu 40 starke Männer gebraucht, um einen 123 Tonnen schweren Stein zu bewegen. Mit knapp 300 Metern pro Stunde hätten sich die Brocken bewegt. Schnell genug also, um einen Felsbrocken in einem Monat bis nach Peking zu bringen.