Wäre er nicht ein kalter, lebloser Eis- und Felsbrocken, wir müssten den Mut des Kometen Ison bewundern. Mit 75.000 Kilometern pro Stunde jagt der Koloss aus den Tiefen des Weltalls durch unser Sonnensystem.

Um 19.37 Uhr unserer Zeit flog der Komet so nah an der Sonne vorbei, wie nie zuvor: Bis auf 1,7 Millionen Kilometer näherte er sich der Sonne. Laut Berechnungen der Astronomen sollte Ison dort quasi Wenden und Kurs in Richtung Erde aufnehmen.

Nur wenn Ison den Vorbeiflug weitgehend heil überstanden hätte, gäbe es eine gute Chance auf ein Leuchtspektakel im Advent. In den Stunden nach dem Sonnentransit stand zunächst nicht fest, ob der Kern des Kometen unbeschadet geblieben ist. Nach ersten Meldungen stand es nicht gut um Ison. Nasa TV berichtete live vom Vorbeiflug. Millionen Menschen verfolgten die Berichterstattung online.

Falls der Schweifstern doch überlebt hat, könnte er einer der wenigen besonders hellen Kometen werden, die die Menschheit nur alle zehn bis hundert Jahre zu sehen bekommt. Schon jetzt gilt er deshalb als "Jahrhundertkomet".

Totgesagte Kometen leben länger

Gebannt starren Astronomen daher schon seit Wochen in den Himmel, verfolgen und modellieren Isons Reise – Amateure und Profis gleichermaßen. Ist der Komet schnell genug? Wie hell leuchtet er? Ist er weiterhin auf Kurs?

Astronomie - Komet Ison nähert sich der Sonne Astronomen und Hobbyforscher fiebern seit Wochen dem Aufleuchten des Kometen Ison entgegen. Zwischenzeitlich hieß es, der Komet sei bereits zerbrochen. Forscher des Max Planck Institutes für Sonnensystemforschung aber sind sich sicher: Das Himmelsspektakel findet statt.

Anfang der Woche dürfte vielen Ison-Fans das Herz kurzzeitig stehen geblieben sein. Da machten nämlich erste Vermutungen die Runde, das lang ersehnte Himmelsspektakel sei bereits vorüber, bevor es angefangen hat. Michal Drahus, Astronom am California Institut of Technology, schrieb in einem Onlineforum, neuste Beobachtungen ließen vermuten, dass der Kern des Kometen schon jetzt nicht mehr intakt sei.

Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung gibt nun jedoch vorsichtig Entwarnung:"Es gibt keine Anzeichen dafür, dass etwas Dramatisches passiert ist. Auf den Bildern, die wir haben, schaut der Komet aus wie immer." 

Böhnhardt hat in den vergangenen Monaten Isons Wanderung eng verfolgt und am Mittwochmorgen Aufnahmen der Sonde Soho ausgewertet, die diese in der Nacht zuvor vom Kometen geschossen hat. Es seien keine Strukturen am Kometenkopf zu erkennen, die auf eine Auflösung hindeuten, sagt der Physiker.

Wieso seine Forscherkollegen zu einem anderen Schluss kommen, kann sich Böhnhardt derzeit nicht erklären. Sie müssten das Geschehen im Nachhinein noch einmal analysieren, sagt er. Und er hofft, dass er recht hat. Nicht die anderen. Das zeige sich aber wohl erst am Abend des 29. Novembers. Hält der Komet die Tortur um die Sonne herum durch, können Ison-Begeisterte sich auf einen besonders hellen Schweif am Himmel freuen.

Für die Forscher wäre das die beste Option. Zwar haben sie den Kometen schon auf dem Hinweg zur Sonne untersucht, allerdings war er bislang nur für wenige Stunden am Nachthimmel klar auszumachen. Auf dem Rückweg könnten sie Ison die ganze Nacht über beobachten und dementsprechend genauer sein charakteristisches Leuchten untersuchen.    

Eine Leuchtkraft wie die Venus?

Das Leuchten entsteht, sobald ein Gemisch aus Gas und Bruchstücken des Kometen, von der Sonne angestrahlt wird. Dabei entstehen zum einen der Koma genannte Strahlenkranz um den Kometen, zum anderen der Schweif. Da der Jahrhundertkomet der Sonne so nahe kommt, setzt er viel Material frei, das Sonnenlicht reflektieren kann. In der Spitze könne der Komet dann so hell wie die Venus werden.