Maiskolben © Patrick Pleul/dpa

Der Genmais 1507 steht vor einer Zulassung in der Europäischen Union. Die große Mehrheit der EU-Minister sprach sich bei ihrem Treffen in Brüssel in öffentlicher Debatte zwar gegen eine Genehmigung aus. Allerdings kam dabei nicht die nötige Stimmenzahl für eine Ablehnung zusammen. Auch Deutschland enthielt sich der Stimme. Da es auch keine klare Mehrheit für die Zulassung gab, muss nun die EU-Kommission auf Grundlage wissenschaftlicher Bewertungen über eine Anbauerlaubnis entscheiden. Es wäre nach 15 Jahren die erste Neuzulassung für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais.  

Aller Voraussicht nach wird die EU-Kommission ihre Erlaubnis erteilen, da die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA keine Einwände gegen die umgangssprachlich "Genmais 1507" genannte Sorte erhoben hat. Der Begriff "Genmais" ist streng genommen nicht korrekt, weil alle Lebewesen Gene enthalten. Das Besondere – und Umstrittene – an diesem gentechnisch veränderten Mais ist, dass sein Erbgut künstlich umgebaut wurde.

Der Hersteller der Maissorte, die US-Firma Pioneer Dupont, wirbt mit zwei Eigenschaften für 1507: Zum einen bildet die Sorte ein Gift gegen den Maiszünsler und andere Schmetterlinge, deren Raupen zu den am häufigsten auftretenden Schädlingen auf Maisfeldern zählen. Zum anderen ist 1507 resistent gegen das Pflanzenschutzmittel Glufosinat, das gegen Unkraut eingesetzt wird.

Um der Maissorte 1507 diese Eigenschaften zu verleihen, haben Gentechniker ihr Erbgut verändert und der Pflanze Genabschnitte aus Bakterien eingeschleust: Die einen dieser Bakterien bilden von Natur aus ein Gift gegen Schmetterlingsraupen, die anderen sind immun gegen das Pflanzengift.

"Genmais" darf bereits im Essen enthalten sein

Die Maissorte 1507 darf bereits in die EU importiert und weiterverarbeitet werden. Als Lebens- und Futtermittel ist sie seit dem Jahr 2006 zugelassen. Die veränderte Pflanze darf also im Essen enthalten, das entsprechende Lebensmittel aber muss ab einer bestimmten Menge gekennzeichnet sein. Sind weniger als 0,9 Prozent von 1507 im Produkt enthalten, ist der Hersteller nicht dazu verpflichtet. Ebenso müssen Milch, Eier oder Fleisch von Tieren, die genetisch verändertes Futter gefressen haben, nicht extra deklariert werden.

Der Anbau von 1507 ist dennoch sowohl innerhalb der Bundesregierung als auch unter Landwirten und Wissenschaftlern umstritten. Die Parteien der großen Koalition konnten sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen und hatten darum bereits ihre Enthaltung bei der EU-Abstimmung angekündigt.

Landwirte fürchten, dass sich die Pollen der genveränderten Pflanzen unkontrolliert auf Nachbarfelder ausbreiten – etwa Äcker, auf denen ökologisch produziert wird. Gentechnikkritiker wiederum sagen, es gebe zu wenige Untersuchungen über mögliche gesundheitliche Risiken. Außerdem habe sich bereits mehrmals gezeigt, dass sich beim Anbau genetisch veränderter Pflanzen nicht mit Sicherheit verhindern lässt, dass Spuren davon in die Umwelt gelangen, die die Tier- und Pflanzenwelt verändern.     

Bislang wurden keine negativen Auswirkungen festgestellt

Befürworter wiederum argumentieren, dass bei 1507 bislang keine negativen Auswirkungen festgestellt wurden. Professor Gerhard Wenzel von der TU München sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Eigenschaften der Maissorte seien in der Praxis erprobt. "Es hat nirgendwo Probleme gegeben, und ich sehe keinen Grund, dass man 1507 jetzt nicht zulässt, wo dieses kombiniert vorliegt."

So wurden in einer vom Bundesforschungsministerium geförderten Langzeituntersuchung beispielsweise in mehr als 50 Projekten mögliche Umweltauswirkungen von gentechnisch verändertem Mais analysiert. Dabei ging es um die gesamte Lebensgemeinschaft im Maisfeld, also sowohl um Organismen auf den Pflanzen selbst als auch jene im Boden oder in der Luft. Das Ergebnis der Versuche: "Der Mais hält die Schädlinge in Schach, die er in Schach halten soll", sagt der Biologe und Projektleiter Stefan Rauschen in einem Video. Die anderen Organismen würden nicht beeinträchtigt. Bodenbeschaffenheit, Wetter und andere Faktoren hätten deutlich größere Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft im Maisfeld gehabt, sagen die Forscher.

Bundesländer diskutieren Ausstiegsklauseln

Auch die Untersuchungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatten der Maissorte im Jahr 2005 in einem wissenschaftlichen Gutachten bescheinigt, dass 1507 für Verbraucher genau so sicher ist wie herkömmlicher nicht gentechnisch veränderter Mais. Umweltorganisationen wie Greenpeace hingegen kritisieren, das Gutachten habe Mängel.

Selbst wenn die Kommission den Anbau EU-weit genehmigt, könnte er hierzulande noch am Veto der Bundesländer scheitern. Fast alle lehnen die Zulassung der Maissorte 1507 ab, Ausstiegsklauseln werden bereits diskutiert. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich ist dagegen: "Wir wollen den Anbau dieser neuen Sorte Pioneer 1507 in Deutschland nicht haben." Friedrich verweist darauf, dass vielen Verbrauchern und Bauern unwohl sei mit veränderten Organismen in der Nahrung. Laut einer Umfrage für das Ministerium erwarten mehr als 80 Prozent der Deutschen zumindest weitgehend, dass Bauern ohne Gentechnik arbeiten.

In der EU wird derzeit nur der gentechnisch veränderte Mais MON 810 der Firma Monsanto zu kommerziellen Zwecken gepflanzt. Hauptanbauland ist Spanien, gefolgt von Portugal und Tschechien. Deutschland verhängte 2009 ein Anbauverbot.