In unserem Essen steckt er längst, der sogenannte Genmais. Nun wird die gentechnisch veränderte Sorte 1507 auch auf Europas Feldern wachsen dürfen, nachdem die Minister der EU-Staaten die Entscheidung über deren Zulassung an die EU-Kommission weitergereicht und damit faktisch durchgewunken haben.

Für Gentechnik-Gegner ist das ein Schlag ins Gesicht. Vor allem für die Deutschen, von denen 88 Prozent laut einer aktuellen Umfrage gegen Gentechnik in der Landwirtschaft sind. Aber der eigentliche Skandal ist ein ganz anderer: Statt sich klar in der Gentechnik-Frage zu positionieren, sich auf Fakten zu stützen und den Ärger der Bürger auszuhalten, haben sich die EU-Minister mit ihrer unklaren Haltung aus der Affäre gezogen. Denn sie stecken in einem Dilemma: Die Mehrheit der Europäer ist gegen den Anbau von Gentech-Pflanzen. Ernsthafte wissenschaftliche Einwände dagegen gibt es aber nicht.

Ein ehrliches Ja zum Anbau wäre wichtig gewesen. Und zwar – Achtung! – mit der entsprechenden Begründung: Es besteht keine unmittelbare Gefahr für Umwelt und Gesundheit. Weder im Fall der Maissorte 1507 noch von anderen gentechnisch veränderten Pflanzen, sei es Raps, Zuckerrübe oder Baumwolle. Die US-Organisation zur Aufklärung über Biothemen, Biofortified, hat eine Liste mit mehr als 100 unabhängigen Studien erstellt, die genau das zeigen. Um den Einwand vorwegzunehmen: Die Betreiber werden nicht von der Industrie finanziert.

In Zeiten, in denen die Gentechnik-Debatte von Aufregung, Überreaktionen und Misstrauen in die Wissenschaft dominiert wird, bräuchte es dringend eine gefestigte, fundierte Haltung, die das Signal aussendet: Es geht nicht um das Ende der Welt, es geht um eine mit 20 Jahren noch immer junge Technologie, die kritisch hinterfragt werden sollte, aber kein Grund zur Panik ist.

Von so einer Haltung aber ist die Europäische Union weit entfernt, allen voran Deutschlands Vertreter. Die Bundesregierung hatte schon vorab erklärt, sie würde sich bei der Abstimmung enthalten. Die Parteien hätten sich nicht einigen können, ob der Anbau erlaubt werden solle. Kurz danach folgte die Botschaft von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich an den deutschen Wähler, nach dem Motto: Wir kümmern uns schon darum, dass auf unseren Feldern kein Genmais landet!  

Gute Argumente der Gentechnik-Gegner gehen in der Hysterie unter

Statt also auf die Sorgen der Bürger ernsthaft einzugehen, lässt man die Menschen mit ihren nach jetzigem Forschungsstand übertriebenen Ängsten vor Organismen, deren Erbgut gezielt verändert worden ist, zurück. Selbst sachliche Argumente der Gegner – etwa, dass die langfristigen Umwelteinflüsse heute nicht absehbar sind – versickern vor lauter Hysterie. 

Zu hören sind meist nur vehemente Kritiker mit all ihren Emotionen. Die Erregung ist mittlerweile so groß, dass Schulunterricht in Gentechnik-Laboren nicht fortgeführt werden kann und Chemiekonzerne ihre Genkartoffel-Projekte in der EU stoppen. Das als Erfolg zu werten, ist ein Trugschluss. Die Gentechnik als solche hält man damit nicht auf, nur die Aufklärung darüber. Auf unseren Tellern landet das Genfood ohnehin. Weiter geforscht aber wird anderswo – und Deutschland gibt die Verantwortung ab. Auch jene, im Ernstfall gefährliche Entwicklungen aufzuhalten. 

Auf der Berlinale läuft unterdessen ein Kinderfilm, in dem eine im Labor veränderte Wunderpflanze nicht das erhoffte Allheilmittel gegen Hunger ist, sondern die Welt in eine Umweltkatastrophe stürzt. Mit viel Moral und einer Kettensäge geht die Protagonistin gegen sie vor. Weiter entfernt könnten wir von einer sachlichen Debatte nicht sein. Es ist die Angst, die dominiert, nicht die Vernunft. Und das ist tatsächlich eine gefährliche Situation.