Was versteht man unter Pädophilie?

Ursprünglich bedeutet der aus dem Griechischen stammende Begriff Pädophilie "Liebe zu Kindern" – vom reinen Wortsinn her muss diese keinen sexuellen Charakter haben. Im heutigen Sprachgebrauch meint der Begriff aber Erwachsene, die sich sexuell zu vorpubertären Kindern hingezogen fühlen und durch sie erregt werden. Den Begriff "Pädophilia Erotica" prägte der deutsche Psychiater Richard von Krafft-Ebbing in seiner Psychopathia Sexualis (1886). Interessieren sich Menschen sexuell ausschließlich für Kinder, spricht man von "Kernpädophilen".

Sind es pubertierende Kinder, für die Erwachsene Liebesgefühle und sexuelle Begierde entwickeln, spricht man von Ephebophilie (Ephebos (griech.) = Jüngling). Es gibt Pädophile, die ausschließlich Jungen oder Mädchen attraktiv finden. Einige sind sexuell an beiden Geschlechtern interessiert. Kommt es zu sexuellen Handlungen an oder mit Kindern, sprechen Mediziner von Pädosexualität. Juristisch gesehen ist dann der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern erfüllt (Pädokriminalität).

Ist Pädophilie eine Krankheit?

Wenn der Drang nach einer sexuellen Beziehung zu Kindern dauerhaft ist und der Pädophile selbst mindestens 16 Jahre alt, sprechen Ärzte von einer psychischen Störung. Pädophilie wird in der "Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (ICD-10) von der Weltgesundheitsorganisation WHO als "Störung der Sexualpräferenz" eingeordnet.

Wie häufig kommt Pädophilie vor?

Gesicherte Zahlen dazu gibt es nicht, lediglich Schätzungen. Forschergruppen geben unterschiedliche Zahlen an. Meist wird genannt, dass etwa ein Prozent der (männlichen erwachsenen) Bevölkerung pädophile Empfindungen haben. Das entspräche etwa einer Viertelmillion Deutscher.

Sind Pädophile therapierbar?

Nach heutigem Forschungsstand besteht eine pädophile Neigung ein Leben lang. Heilbar ist sie also nicht. Präventionsprogramme wie Kein Täter werden richten sich an Pädophile, die verhindern wollen, zu Sexualstraftätern zu werden. In einer Verhaltenstherapie sollen die Betroffenen lernen, Situationen zu erkennen und zu meiden, in denen sie selbst Kindern gefährlich werden könnten. Oftmals werden auch Medikamente verschrieben, die den Sexualtrieb unterdrücken. Man spricht dabei auch von "chemischer Kastration".

Denken Betroffene, es sei okay, Sex mit Kindern zu haben?

Pädophile entwickeln nicht selten die Vorstellung, es könne eine gleichberechtigte Beziehung und einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern geben. Sie missdeuten es zum Beispiel, wenn Kinder ihre Nähe suchen. Die Therapie soll ihnen vermitteln, dass das ein Irrtum ist. Therapieziel ist, dass Pädophile in die Lage gebracht werden, ihren Trieb soweit zu kontrollieren, dass sie keine Übergriffe begehen und auch keine Kinderpornografie nutzen. Andere Betroffene sind sich darüber im Klaren, dass sexuelle Beziehungen zu Kindern nicht umsetzbar sind, brauchen aber therapeutische Hilfe, um das durchzuhalten.

Tritt Pädophilie nur unter Männern auf?

Nein, es sind auch Fälle pädophiler Frauen bekannt, allerdings sind sie nach heutigem Wissensstand deutlich in der Minderheit. Im Rahmen des Projekts Kein Täter werden haben sich allein am Standort Berlin zwischen Oktober 2005 und Oktober 2013 1.884 Personen gemeldet. Darunter waren nur 15 Frauen. Eine davon kam in die Ambulanz und es wurde Pädophilie bei ihr diagnostiziert. 

Wie entsteht Pädophilie?

Darüber sind sich Forscher bisher nicht einig. Medizinische, psychische, entwicklungsbiologische und soziale Faktoren spielen vermutlich eine Rolle. Der ForschungsverbundNeMUP untersucht in Deutschland derzeit, welche neurobiologischen Grundlagen es für Pädophilie und sexuelles Missbrauchsverhalten gegenüber Kindern gibt. Hinweise auf Auffälligkeiten in der Hirnstruktur Pädophiler gaben erstmals in den 1980er Jahren kanadische Forscher. In einer Studie an der Kieler Uniklinik gelang es Sexualwissenschaftlern im Jahr 2012 mit einer Genauigkeit von 95 Prozent Pädophile von Nicht-Pädophilen per Hirnscan zu unterscheiden.

Ist Pädophilie erblich?

Einige Forscher vermuten eine genetische Disposition. Sicher ist, dass Pädophilie unabhängig etwa vom Bildungsniveau oder der Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht auftritt. Oftmals sind Pädophile selbst sexuell unreif geblieben, was auch erklärt, warum sie sich häufig auf einer Stufe mit Kindern sehen und eine "gleichberechtigte Beziehung" behaupten. Therapeuten berichten, dass Pädophile über kindliche "Beziehungspartner" sprechen, als handele es sich um Erwachsene.