Treibhausemissionen werden nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) das Risiko für Konflikte, Hungersnöte und Überflutungen in den kommenden Jahrzehnten vergrößern. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit "schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen", heißt es im zweiten Teil des neuen Weltklimaberichts der Vereinten Nationen, dessen Zusammenfassung der IPCC in der japanischen Stadt Yokohama vorlegte. Wie viel schlimmer es für Mensch und Natur noch wird, hängt demnach davon ab, was die Menschheit in naher Zukunft gegen die Erderwärmung unternimmt. 

Zwar gibt es dem Report zufolge noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, sagte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats. "Selbst ernsthafte, fortgesetzte Investitionen in die Anpassung werden ihre Grenzen haben", sagte Field.

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig – etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Die Menschheit bewege sich auf einem schmalen Grat, sagte die Greenpeace-Klimaexpertin Kaisa Kosonen. "Aber wenn wir mutig handeln und die Treibhausgasemissionen schneller (als geplant) senken, können größere Bedrohungen für die menschliche Sicherheit noch vermieden und lebenswichtige Meeressysteme, Wälder und Arten geschützt werden", sagte Kosonen.  

Nahrungsnot auf dem Lande

Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe verursachen sowie Kosten in ähnlicher Höhe, um die Folgen einzudämmen, schreiben die UN-Experten. Unter dem Klimawandel litten besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde. Die Autoren verweisen auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis 2 Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, schreiben die Fachleute. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Risiko von Überflutungen deutlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führe – bei steigender Bevölkerungszahl – zu geringeren Erträgen beim Anbau von Weizen, Mais und Reis.

Die UN-Experten gehen davon aus, mehr Menschen ihre Heimat verlassen, um extremem Wetter zu entkommen. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit "indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte" erhöhen.

Letzter Berichtsteil kommt im April

Nach tage- und nächtelangen Diskussionen hatten sich die Wissenschaftler mit Vertretern von Regierungen aus aller Welt in Yokohama auf eine fast 50-seitige Zusammenfassung des neuen, rund 2.000 Seiten dicken zweiten Teil des Klimaberichtes geeinigt. Das Dokument dient als Grundlage für Politiker und internationale Konferenzen.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil zwei geht es um die Konsequenzen. Im dritten und letzten Teil, der am 13. April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden, die Erderwärmung zu bremsen. 

Der Weltklimarat hat fast 200 Mitgliedsländer. Die UN-Organisation mit Sitz in Genf erhielt 2007 für ihren Kampf gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis.