Malaysia Airlines : Flug MH 370 könnte für immer verschollen bleiben

Seit einer Woche keine Spur einer Boeing mit 239 Menschen an Bord. Stürzte sie ab oder wurde sie entführt und landete? Die Maschine zu finden, wird täglich schwerer.
Ein Schild wirbt um Gebete für den verschollenen Malaysia-Airlines-Flug MH 370 in Kuala Lumpur. ©Samsul Said/Reuters

Sechs Tage ohne auch nur einen hilfreichen Hinweis: Die Boeing 777-200 von Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord ist unauffindbar. Einmal mehr wurde die Suche nach der Maschine ausgeweitet: Mit Schiffen, Flugzeugen und Hubschraubern wird jetzt verstärkt im Indischen Ozean gesucht – vor allem in der Region zwischen Thailand und den Andamanen-Inseln. Damit hat das gesamte Suchgebiet nun eine Größe von 330.000 Quadratkilometern. Das entspricht ungefähr der Fläche Deutschlands.

Doch nicht nur die schiere Fläche macht die Suche so schwierig. Es sind auch die widersprüchlichen Informationen, die den Helfern zu schaffen machen.

Das Wall Street Journal schreibt, die Maschine könnte Hunderte Kilometer von ihrem Kurs abgewichen sein in Richtung des Indischen Ozeans. Angeblich habe Flug MH 370 noch Stunden nach seiner letzten Radarerkennung Signale per Satellit gesandt. Das Blatt beruft sich auf amerikanische Behörden, die an der Suche beteiligt sind. Das malaysische Verkehrsministerium dementierte diesen Bericht, ließ jedoch die Suche ausdehnen.

Die Flugstrecke des verschwundenen Flugzeuges von Malaysia Airlines Von der vermissten Passagiermaschine der Fluggesellschaft Malaysia Airlines fehlt weiter jede Spur. Die Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord war am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking plötzlich von den Radarschirmen verschwunden.

Die örtlichen Behörden halten Sabotage oder gar eine Entführung für möglich. Die Maschine sei Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Richtung Westen geflogen und zwischen Luftfahrt-Wegemarken aufgetaucht, die von Verkehrsflugzeugen auf dem Weg in den Nahen Osten oder nach Europa genutzt werden. Theoretisch mag die Boeing 777 auch an einem unbekannten Ort gelandet sein. Doch warum ist dies bis heute niemandem aufgefallen? Es ist nicht leicht, ein 60 Meter langes und mehr als 200 Tonnen schweres Flugzeug an einem noch dazu dafür geeigneten Ort unbemerkt zu landen. Und nicht zuletzt: Wer würde eine Maschine entführen, ohne sich eine Woche lang dazu zu bekennen?

Ein fliegender Klotz verschwindet

Experten sind ratlos, weil eine Boeing an für sich einem gigantischen Funkmast gleicht. So gibt es an Bord einer Maschine in der Regel mindestens drei Systeme, die permanent den Standort des Fliegers übermitteln. Zudem sei, selbst wenn all diese abgeschaltet seien, eine Boeing über militärisches Radar leicht zu orten, sagt Florian Holzapfel vom Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der TU München. "Jeder Staat in dieser Region hat militärische Radarsysteme, die darauf ausgerichtet sind, Sachen zu sehen, die nicht gesehen werden sollen. Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie ein Klotz wie diese Boeing 777 spurlos verschwinden kann."

Wie kann eine Boeing 777 verschwinden? Klicken Sie auf das Bild, um die Antworten auf die drängendsten Fragen zu Flug MH 370 zu lesen. © Athit Perawongmetha/Reuters

Doch so unwahrscheinlich dieses Szenario in Zeiten von Radar, Funkverkehr und Satellitenüberwachung erscheint, es wäre nicht das erste Mal, das ein Verkehrsflugzeug verschollen bleibt. 1995 verschwand ein Flugzeug der indonesischen Airline Merpati Nusantara: 14 Menschen waren an Bord der Havilland Twin Otter 300. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur. Im Jahr 1962 sollte eine Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation US-Soldaten nach Vietnam bringen. Die Maschine verließ die Insel Guam im westpazifischen Ozean in Richtung Philippinen, kam auf der dortigen Zwischenstation aber niemals an. Mit Flugzeugen und Schiffen wurde der Westpazifik nach den 107 Insassen der Maschine abgesucht – vergeblich.

Sollte nun Flug MH 370 von Malaysia Airlines verschollen bleiben, wäre es die größte Anzahl an Passagieren, die mit einem Flugzeug verschwunden ist. Mittlerweile ist der erste Anlauf der Suche fast abgeschlossen. In dieser Phase überfliegen Flugzeuge und Helikopter die Umgebung des letzten bekannten Funk- oder Radarsignals in parallelen Bahnen. Ist ein Wrackteil oder gar eine Rettungsinsel aufgespürt, kann dann um diesen Anhaltspunkt herum die Suche ausgedehnt werden. Mithilfe von Daten über Strömung und Wind könnte dann sogar der ursprüngliche Absturzort rekonstruiert werden, wenn es einen gibt. Im Fall von MH 370 ist das alles jedoch nicht möglich, da die Einsatzkräfte (noch) nichts gefunden haben. Ein Grund könnte sein, dass es keine größeren Wrackteile mehr gibt. Sie könnten bereits im Meer versunken sein. Oder eine Explosion hat nur kleine Trümmer hinterlassen, die weit verstreut niedergingen.

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Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Eher ja...

Die kleinsten Trümmerteile entstehen, wenn das Flugzeug mit sehr hoher Geschwindigkeit ins Wasser oder in den Boden rast. Aber dafür muss das Flugzeug im Wesentlichen intakt sein.

Die grössten, wenn an Bord eine Bombe explodiert, und das Flugzeug Richtung Erde taumelt.

Bei Ihrer Frage kommt es darauf an, ob das Flugzeug nach einem Brand überhaupt noch stabilisiert weiterfliegt.

Allerdings gehören gerade Brandmelder und auch Feuerlöscher im Frachtraum zu den strengsten Vorschriften für ETOPS-Flüge.

Danke für diesen Link

Wenn diese Information
http://www.malaysiakini.c...
mit den insgesamt drei scharfen Kursschwenks stimmt (mit jeweils so wenig Landüberflug wie möglich und maximaler Entfernung vom Land), scheint ja selbst die Variante mit bewusstloser Crew und Autopilot auszuscheiden, sondern nur ein gezielter Flug übrigzubleiben.
Warum sollte jemand - ob Pilot oder Entführer - der es auf Absturz und Vernichtung anlegt, damit etliche Stunden voller Zick-Zack-Kurs warten?

Doch eine gezielte Landung auf einem Flughafen zwischen Chagos und Pakistan, dessen Inhaber nicht gleich die örtliche Lokalpresse informiert und dann vermutlich auch guten Grund hätte, es nicht zu tun? Oder ein Absturz selbst noch reichlich von den Andamanen entfernt, schließlich hätte der Treibstoff noch eine Weile gereicht?

Die Zacken sollte man nicht allzu woertlich nehmen

Der tatsaechliche Pfad sieht wohl eher so aus: http://www.dailymail.co.u... ("_towards_ VAMPI, then GIVAL, then _towards_ IGREX" und auf der Strecke aus der Radarreichweite). Damit waere das Flugzeug normalen Luftstrassen gefolgt. Auf den Andamanen wiederrum ist ein indisches Militaerardar, dessen Daten angefordert wurden.

Die ganze Geschichte passt soweit auch zu den "ping"-Antworten des Systems von Inmarsat.